Immobilien 30.03.2012, 11:58 Uhr

Generation 50 plus: Barrierefrei wohnen in der Stadt

Die Generation 50 plus hat häufig eine pragmatische Beziehung zu ihren Immobilien. Sind die Kinder aus dem Haus, denken immer mehr Paare daran, ihren Familienwohnsitz auf dem Land oder in einem Vorort aufzugeben und zurück in die Stadt zu ziehen. Doch das ist oft nicht so einfach wie gedacht

So geht es vielen Familien: Solange die Kinder noch zu Hause wohnen, kann ein Haus nicht groß genug sein. Zieht jedoch der Nachwuchs eines Tages aus, gibt es plötzlich viele leere Zimmer, die nicht mehr sinnvoll genutzt werden. Oft kommt hinzu, dass der Familienwohnsitz in die Jahre gekommen ist und grundsaniert werden müsste. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem sich viele Elternpaare neu orientieren. Sie wollen wieder mehr an sich selbst denken, sich etwas gönnen – verreisen, abends weggehen, Kultur und Einkaufsmöglichkeiten genießen. Immer mehr Menschen in diesem Alter suchen daher eine kleinere Wohnung – möglichst in der Stadt und barrierefrei.

„Die heutige 55-Plus-Generation ist anders als ihre Eltern“, hat Janine Reuter beobachtet. Sie sei viel pragmatischer. „Sie hängt nicht an ihrem Haus, allerdings ist Wohnkomfort für sie ein wichtiges Argument“, so die Immobilienmaklerin aus Grefrath am Niederrhein. Neben einer schicken Ausstattung spiele bei der Suche nach einer neuen Bleibe die Barrierefreiheit eine wichtige Rolle. „Die Menschen wollen sicher sein, dass sie in den neuen vier Wänden auch alt werden können“, so Reuter. Ein weiteres Mal wollen sie nicht umziehen.

Reihenhaus im Vorort: Generation 50 plus macht Platz für junge Familien

Von dem Wunsch der Elterngeneration nach einem selbstbestimmten Leben profitieren auch junge Familien. „Vor allem in Ballungsgebieten ist das Bauen teuer – wenn es überhaupt noch Grundstücke gibt“, sagt die Immobilienmaklerin. Für unter 2000 € Miete im Monat sei kaum ein neues Reihenhaus zu haben. „Da bieten gebrauchte Immobilien für Familiengründer eine Chance“, so Reuter.

Das Immobilien-Unternehmen in Grefrath hat sich auf die neuen Bedürfnisse der Kunden eingestellt und bietet einen Rundum-Service: von der Vermittlung einer geeigneten Nachfolge-Immobilie bis hin zum Verkauf der bisherigen Bleibe einschließlich Wertermittlung. „Die Nachfrage ist da, was allerdings fehlt, sind die entsprechenden Stadtwohnungen“, sagt Reuter.

So wie dem Grefrather Immobilienmakler geht es inzwischen vielen in der Branche. „Da bleibt nur eins: Makler müssen zu Projektentwicklern werden“, sagt Burkhard Krohn, Mitinhaber von HübnerKrohn & Partner in Mönchengladbach. Neben der Vermittlung von Immobilien hat sich das Unternehmen darauf spezialisiert, bei Kommunen der Region dafür zu werben, dass diese vermehrt Grundstücke für den Bau von neuem Wohnraum in Innenstadtlage zur Verfügung stellen.

„In den meisten Städten gibt es noch eine Vielzahl von Baulücken, die Potenzial für kreative Wohngebäude bieten“, sagt Krohn. Doch die Kommunen hätten oft nicht das Geld, diese Projekte selbst anzuschieben. Das Unternehmen aus Mönchengladbach kooperiert als Projektentwickler mit einem Bauträger- und Architekturbüro mit dem es, wenn Kommunen entsprechende Grundstücke zur Verfügung stellen, alle notwendigen Dienstleistungen von der Planung, Finanzierung und Vermarktung der Wohnungen in einem Gesamtpaket anbieten.

Barrierefrei wohnen: Immobilienmakler entdecken 50 plus als Zielgruppe

„Immer mehr Kommunen interessieren sich für unser Angebot“, sagt Krohn. Vor fünf Jahren sei es noch fast undenkbar gewesen, als Immobilienmakler in diesem Geschäft mitzumischen. „Inzwischen sind wir als Kooperationspartner akzeptiert“, so der Makler, der früher als Baufinanzierer bei einer Bank gearbeitet hat. Den Städten werde zunehmend klar, dass wenn sie sich nicht rechtzeitig auf den demografischen Wandel einstellen, die Kaufkraft der älteren Bürger verloren geht. „Wenn die Menschen ihre Traumwohnung nicht in der bisherigen Heimatstadt finden, dann gehen sie in die Nachbarstadt“, sagt Krohn.

Wer heute über fünfzig Jahre alt ist, verfügt durchschnittlich über mehr Geld als jede ältere Generation zuvor, so die Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung in ihrem Demografie-Report für die Kommunen. Die jungen Alten sind meist gesund, gut gebildet und vielseitig interessiert. Sie stellen als Zielgruppe für Konsumgüter, Reisen, Wellness und Kultur einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Da ist es verständlich, dass immer mehr Kommunen darüber nachdenken, wie sie diese Altersgruppe halten können. Großstädte wie München, Hamburg und Berlin oder Gemeinden in Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet werden dabei unterstützt von großen Wohnungs- und Immobilienanbietern.

„Nicht alle Menschen, die sich mit zunehmenden Alter von ihrem Reihenhaus trennen, wollen wieder neues Eigentum erwerben“, so die Erfahrung von Claus Wedemeyer, Demografieexperte beim GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in Berlin. Viele sehnten sich nach unbeschwertem Älterwerden. Dazu gehörten neben einem barrierefreiem Zugang auch Dienstleistungen und rund um Sicherheit, Gesundheit und technischem Komfort.

50 plus: KfW-Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ stützt barrierefreies Wohnen

Diese sogenannten „Concierge-Services“ werden inzwischen vermehrt von Wohnungs- und Immobiliengesellschaften angeboten. Die Unternehmen der Wohnungswirtschaft haben zudem das KfW-Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ intensiv genutzt. Bundesweit seien inzwischen ein Viertel der insgesamt 6 Mio. Wohnungen im Bestand der im GdW organisierten Unternehmen barrierearm gestaltet.

Die Gebäude wurden mit Aufzügen ausgestattet, Türen zu den Wohnungen wurden verbreitert oder Schwellen beseitigt, so Wedemeyer. Und innerhalb der Wohnung wurden die Sanitätsanlagen und Küchen modernisiert.

„Hinzugekommen sind zahlreiche Neubauten, sodass es auch für Menschen mit höheren Ansprüchen ein attraktives Angebot an Wohnungen gibt – auch in guten Lagen“, sagt der GdW-Experte. Allerdings spreche sich das mehr und mehr auch rum, sodass es inzwischen nicht mehr so einfach wäre, eine solche Wohnung zu bekommen, räumt Wedemeyer ein. 

Ein Beitrag von:

  • Hans Schürmann

    Hans Schürmann war Technik- und Wirtschaftsredakteur beim Handelsblatt und schreibt unter anderem über Finanzen, Immobilienthemen und Maschinenbau.

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