RWE Stiftung 03.08.2012, 11:00 Uhr

Die Wasserkraft aus dem Blickwinkel der Kunst

Im Rahmen des Förderprogramms „Artist in Residence“ der RWE Stiftung setzt sich der Stipendiat Axel Braun unter dem provozierenden Titel „Die Technik muss grausam sein, wenn sie sich durchsetzen will“ künstlerisch mit der Wasserkraft auseinander. Sein Werk präsentiert er im Foyer der RWE-Zentrale in Essen.

Als Fachfremder sei er „naiv eingestiegen“ in das Thema und hielt die „Wasserkraft für eine saubere Sache“, so der junge, selbstbewusste Künstler (Jahrgang 1983). Der Prozess des Recherchierens an den Standorten in- und ausländischer Wasserkraftwerke, vornehmlich mit der Kamera sowie im Historischen Konzernarchiv der RWE machte den Haupanteil seiner Arbeit aus.

Künstler Axel Braun geht der Wasserkraft auf den Grund

Braun durchleuchtete die Geschichte der Wasserkraft, befasste sich mit ihren Pionieren, so auch mit dem Bauhaus-Architekten und Kulturphilosophen Hermann Sörgel (1885-1952) und dessen utopisch-gigantischem Staudamm-Projekt „Atlantropa“ (1928-1932) für die Straße von Gibraltar mit der geplanten partiellen Trockenlegung des Mittelmeeres. Der Künstler spürte auch den Erwartungen an die Wasserkraft nach und lotete sowohl ihre Vor- als auch Nachteile sowie die potenziellen Gefahren und Negativfolgen aus.

Axel Braun, der an der Folkwang Universität der Künste in Essen Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie studierte und beim Konzeptkünstler Christian Boltanski in Paris ausgebildet wurde, bevorzugt das konzeptuelle Arbeiten. In seiner sechsteiligen Fotoinstallation im Foyer der Turmzentrale der RWE will er sich in seiner künstlerischen Aussage bewusst „neutral positionieren“ .

Er empfängt den Besucher mit der Projektion des bereits zum Diskurs herausfordernden Titels. Gleichzeitig fällt der Blick auf das auf Leinen gedruckte City Hochhaus in Leipzig mit dem Sitz der Europäischen Energiebörse EEX, das eine Säule bekleidet.

Risiken der Wasserkraft: Die Katastrophe am Diga di Vajont-Staudamm

Das Halbrund des RWE-Turms, das für jeden Künstler eine Herausforderung darstellt, gliedert Axel Braun mit zwei überragenden Fotografien des Diga di Vajont-Staudamms in Norditalien: zur Rechten die Abbildung des spielzeuggleichen Architekturmodells und zur Linken die riesige Staumauer, eingebettet in die grauen Felsen des Monte Toc.

Diese Staumauer gemahnt an die Katastrophe vom 9. Oktober 1963, bei der während der Probebefüllung des Beckens die Flanke des Berges in Sekundenschnelle in den See rutschte, eine 200 m hohe Flutwelle verursachte, über die Staumauer in das im Tal gelegene Dorf stürzte und den Ort Longarone unter sich begrub. Die Zahl der Opfer wird auf 2000 geschätzt. Bereits während der Bauphase waren mehrere Bergrutsche registriert, aber ignoriert worden.

Zwischen Planung und Ausführung positioniert der Künstler eine plastisch anmutende Fotografie der Kontrolltafel aus der Leitwarte des Rheinkraftwerks Albbruck-Dogern, um dem Betrachter das Gefühl der technischen Souveränität, die alles unter Kontrolle hat, zu vermitteln.

Die Ergebnisse von Brauns Archivrecherche finden sich in sechs grauen Originalarchivmappen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Sie enthalten historische Schwarz-Weiß-Fotografien, blasse Farbfotografien des Künstlers, Skizzen, Pläne, Zeitungsartikel und Literaturzitate als Sammlung konzipiert. Diese Mappen sind auf zwei Sitzgruppen verteilt, die Bestandteile des Konzeptkunstwerks sind.

Die Wasserkraft als Beispiel für den Widerspruch zwischen Natur und Technik

Der Besucher wird eingeladen, sich dem komplexen, oft widersprüchlichen Beziehungsgeflecht von Natur und Technik auf eigene Weise zu nähern und mit dem Künstler in ein spannendes, fachkundiges Gespräch zu treten.

Der Titel „Die Technik muss grausam sein, wenn sie sich durchsetzen will“ entstammt einem Kommentar zum Bau des Schluchseewerks, der am 28. 12. 1928 im „Vorwärts“ erschien.

Axel Braun zitiert nur den ersten Teil der Aussage. Den zweiten Teil „Sie kann aber in vielen Fällen auch lindern und Pietät vor der Reinheit der Natur bewahren“ löst der Künstler mit seinen ästhetisch, malerisch-blass dahingehauchten Landschaftsfotografien ein.  

  • Eckart Pasche

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