Technikgeschichte 17.08.2012, 11:00 Uhr

Die vollautmoatische Autowaschanlage wird 50

Vor 50 Jahren wurde das Patent für die erste automatische Autowaschanlage angemeldet. Eine Erfindung in Augsburg, die aber doch nicht so neu war, manuelle und semiautomatische gab es bereits in den USA. Allerdings hatten die Erfinder in Augsburg mit dem Schritt zur komplett automatischen Waschanlage die Entwicklung fortgesetzt.

Erfolg hat viele Väter. Das gilt auch für große Erfindungen und technische Entwicklungen. Ein Beispiel ist die Autowaschanlage. Genau vor 50 Jahren, im August 1962, meldeten die beiden Augsburger Architekten Gebhard Weigele und Johann Sulzberger das Patent für eine „selbsttätige Waschanlage für Kraftfahrzeuge“ an. Dabei handelte es sich um eine Anlage mit waagrecht und einer senkrecht angebrachten, rotierenden Bürste, die auf einer kreisförmigen Schiene um das in der Mitte platzierte Fahrzeug herumgefahren wurde.

Die Idee der Autowaschanlage entsteht in den USA

Die Idee der Autowaschanlage war jedoch keineswegs neu. In den USA, und darauf hat auch der inzwischen 81-jährige Erfinder Gebhard Weigele selbst immer wieder hingewiesen, hat es bereits Jahrzehnte zuvor Autowaschanlagen gegeben, manuelle und seit dem Ende der 1930er-Jahre auch semiautomatische. Das aktuelle Jubiläum gilt somit dem letzten Schritt zur Automatisierung – zur Waschanlage, bei der praktisch nur noch der Startknopf gedrückt werden musste.

Mit diesem Hinweis soll die technische Leistung der beiden Augsburger jedoch keinesfalls geschmälert werden. Weil die Fahrzeuge der beiden damaligen Architekten wegen der vielen Baustellenfahrten immer schmutzig waren, hätten sie immer zu den damals üblichen Waschhallen an den Tankstellen fahren müssen, wo man sein Auto manuell mit Schlauch und Wasser hätte waschen müssen, erzählt Weigele rückblickend. Weil dies sehr zeitaufwendig war, hätten sich die beiden dazu entschlossen, in die Waschhalle einer Tankstelle eine automatische Waschanlage einzubauen.

Der sogenannte Rundläufer mit seiner Dach- und Seitenbürste verbrauchte bei einem Waschgang rund 45 l Wasser. Eine Standardwäsche dauerte etwa zwei Minuten, verwendet wurden Waschmittel, die Weigele und Sulzberger selbst herstellten. Vor der Wäsche mussten die Bürsten noch von einem Tankstellenmitarbeiter per Hand in Stellung gebracht werden.

Aus einer Idee wird eine Branche

Nicht zuletzt aus diesem Grund arbeiteten die beiden Erfinder ihr Konzept weiter aus. Unter dem Dach ihrer neuen Firma Wesumat entwickelten sie in den Folgejahren die automatische Waschstraße mit Münzautomat, die Portalanlage und eine Waschanlage für größere Nutzfahrzeuge. Alle diese Entwicklungen legten die Grundlage für die Waschanlagen und Waschstraßen, die wir heute kennen. Heute gibt es hierzulande nach Angaben des Bundesverbands Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche rund 1500 Waschstraßen und 12 000 Portalanlagen, dazu mehr als 2400 SB-Waschanlagen.

In den USA, wo um 1925 bereits rund 20 Mio. Pkw die Straßen füllten, gab es bereits vor dem Ersten Weltkrieg Waschanlagen, in denen die Fahrzeuge per Hand zu verschiedenen kreisförmig angeordneten Waschstationen geschoben wurden, wo die Wäsche dann manuell ausgeführt wurde. Ende der 1920er-Jahre wurden erstmals Ketten eingesetzt, um die Fahrzeuge mechanisch zu den Waschstationen vorwärts zu ziehen – die Waschstraße war geboren. Die Wäsche selbst wurde jedoch weiterhin von den Tankstellenmitarbeitern per Hand ausgeführt.

Für das Jahr 1946 ist in der Autometropole Detroit ein semiautomatisches Autowaschsystem verbürgt, das mit einem Förderband operierte, das an die Stoßstange des Fahrzeugs eingehakt wurde. Drei verschiedene manuell betriebene Bürsten reinigten und ein Luftgebläse mit 50 PS trocknete die Fahrzeuge.

Dass sich die Entwicklung in den USA jedoch eher langsam in Richtung vollautomatischer Waschanlagen entwickelte, erklärt Thomas Roth, Sprecher des Augsburger Waschanlagenherstellers WashTec, damit, dass Autowäschen in den USA über Jahrzehnte als Zusatzleistung zum Tanken kostenlos angeboten wurden. „Die Waschanlagen waren daher ausschließlich Kostenfaktoren und ihre Qualität war entsprechend“, sagt Kuhn.

Deutscher Autofahrer fährt sieben Mal im Jahr durch eine Autowaschanlage

In Deutschland ist das anders. Siebenmal pro Jahr fährt der deutsche Autofahrer die Waschanlage seines Vertrauens an, so die Statistik des Branchenverbands. 1,3 Mrd. € setzt diese Dienstleistungsbranche jährlich um.

Auch Waschanlagenpionier Weigele wäscht sein Auto immer noch regelmäßig. Einmal pro Woche, wie er sagt, an einer eigens entwickelten Anlage, die er verpachtet hat. Sein Interesse gilt dabei weniger dem Werterhalt seines Fahrzeugs. Stattdessen tüftelt er immer noch an der Optimierung der Autowaschtechnik.

  • Johannes Wendland

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