Nachruf auf Ralph Baer 08.12.2014, 15:27 Uhr

Der Erfinder der Spielekonsole im Alter von 92 Jahren gestorben

Pacman, Super Mario oder moderne Ego-Shooter haben alle einen geistigen Urvater: Ralph Baer. Der deutsche Ingenieur und Erfinder der weltersten Spielekonsole ist am 6. Dezember im Alter von 92 Jahren gestorben. Das große Geld machten jedoch andere. 

Inmitten seiner Erfindungen: der Ingenieur Ralph H. Baer, Erfinder der Spielekonsole. Im Alter von 92 Jahren ist er jetzt gestorben.

Inmitten seiner Erfindungen: der Ingenieur Ralph H. Baer, Erfinder der Spielekonsole. Im Alter von 92 Jahren ist er jetzt gestorben.

Foto: Ralph H. Baer

Generationen von Jugendlichen sind in Spielhallen gerannt, haben zuhause vor dem Fernseher Tage und Nächte durchgedaddelt, sich von Klassikern wie Pacman, Super Mario und Tetris in den Bann ziehen lassen. Generationen haben ihre Eltern zu Weihnachten angefleht, die neueste Spielekonsole unter den Baum zu legen – von Atari, Nintendo oder Sega. Doch nur die wenigsten wissen, dass der Daddelspaß im Grunde auf nur einen Mann zurückgeht: auf den deutschen Ingenieur Ralph Baer.

Baer durchleidet als Jugendlicher NS-Terror

Ralph Baer erblickt 1922 in der Pfalz das Licht der Welt und muss in jungen Jahren den NS-Terror über sich ergehen lassen. Wegen seiner jüdischen Abstammung wird er als 14-Jähriger aus der Schule geschmissen, kurz vor der Reichspogromnacht 1938 flieht er mit seinen Eltern über Amsterdam nach Amerika. Fast die gesamte restliche Familie wird im KZ ermordet.

Mit diesem Schock in den Knochen heißt es für Baer einen Neuanfang in Amerika finden. Die Familie unterrichtet ihn zunächst zuhause, parallel verdient er Geld in einer Fabrik. 1940 macht er seinen Abschluss als Fernsehtechniker, wird dann aber drei Jahre später schon wieder mit dem Krieg konfrontiert: Er zieht mit dem US-Geheimdienst in den Zweiten Weltkrieg.

Karriere startet als Ingenieur bei Rüstungskonzern

Erst nach diesen Schicksalsschlägen kann Baer seinen beruflichen Werdegang antreten: Er geht als leitender Ingenieur zur Rüstungsfirma Sander, die heute zum BAE-Konzern gehört. Dort erfindet er unter anderem ein Radarsystem, das U-Boote aufspüren kann – ebenso Teile der Rakete, die Neil Armstrong zum Mond bringt.

Doch für Spielefans am wichtigsten: 1966 kommt ihm die Idee für eine elektronische Spielekiste, mit der man Spiele am Fernseher spielen kann. Sein Chef ist von dieser Idee begeistert und gibt Baer ein Forschungsbudget von 2000 US-Dollar.

Brown Box ist erste Spielekonsole der Welt

Mit diesem Budget entwickelt Baer die Brown Box, die erste Spielekonsole der Welt. Sie hat weder Arbeitsspeicher noch CPU, sondern basiert auf sogenannten Dioden-Transistor-Logik-Schaltungen. Auf den Kassetten befindet sich auch keine Software, sondern nur ein paar Drähte, die Teile der Konsolenelektronik elektrisch zusammenschalten.

Der frühere US-Präsident George W. Bush verlieht 2006 Ralph Baer die National Medal of Technology.

Der frühere US-Präsident George W. Bush verlieht 2006 Ralph Baer die National Medal of Technology.

Foto: Wikipedia/White House

Auf dem Fernsehbildschirm erscheint dann beispielsweise das rudimentäre Spiel Ping Pong, bei dem der Spieler über einen Controller mit Drehreglern einen kleinen Block, den Schläger, horizontal und vertikal bewegt. Da das System grafisch nicht mehr darstellen kann, gibt es zu jedem Spiel eine Folie mit aufgedruckter Spielelandschaft, die man auf den Bildschirm klebt.

Gemeinsam mit seinem Chef lässt sich Baer die Brown Box patentieren und verkauft die Lizenz an Magnavox. Der Fernsehgerätehersteller bringt die Konsole 1972 unter dem Namen Odyssey auf den Markt. Sie verkauft sich rund 350.000 Mal.

Und sie ruft die Konkurrenz auf den Plan: Atari-Gründer Nolan Bushnell testet Baers Erfindung, entwickelt kurze Zeit später den legendären Arkade-Automaten Pong und steckt das eingenommene Geld in die Entwicklung der Konsole Atari 2600. Sie geht 25 Millionen Mal über die Ladentheke und bringt Bushnell lange Zeit den Titel „Vater der Videospiele“ ein. Er bestreitet zwar, die Idee für Pong von Baer geklaut zu haben. Doch vor Gericht verliert er. Atari muss an Magnavox Lizenzgebühren abdrücken.

Baer: „Ich habe nie die Hand aufgehalten. Ich bin Ingenieur.“

Baer war Zeit seines Lebens Ingenieur aus Leidenschaft und scheinbar gar nicht so wild aufs Geld. In einem Gespräch mit Spiegel Online sagte er einmal auf die Frage, warum er kein Millionär sei: „Ich habe nie die Hand aufgehalten. Ich bin Ingenieur.“ Ehre wurde ihm aber allemal zuteil. Der damalige Präsident George W. Bush hat Baer mit der National Medal of Technology ausgezeichnet, dem US-Nobelpreis für Technik.

Am 6. Dezember ist der Vater des Videospiels in Manchester, New Hampshire, verstorben. Baer wurde 92 Jahre alt. 

Von Patrick Schroeder
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