Von Leverkusen nach Berlin 15.04.2013, 15:15 Uhr

Chemiekonzern Bayer zeigt seine Kunstsammlung im Gropiusbau

Die Berliner Ausstellung „Von Beckmann bis Warhol“ im Gropiusbau zeigt erstmals öffentlich einen großen Einblick in die Kunstsammlung des Bayer-Konzerns.

Bilder von Ernst-Wilhelm Nay aus der Sammlung der Leverkusener Bayer-Werke gehören derzeit zu den Publikumsmagneten des Berliner Martin-Gropius-Baus.

Bilder von Ernst-Wilhelm Nay aus der Sammlung der Leverkusener Bayer-Werke gehören derzeit zu den Publikumsmagneten des Berliner Martin-Gropius-Baus.

Foto: dpa/Oliver Killig

Wenn Marijn Dekkers, der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, von seinem Schreibtisch aufblickt, schaut er normalerweise auf das breite, abstrakte Bild „Savasan 16“ des US-Künstlers David Shapiro. Dekkers sieht eine Reihe von sechs quadratischen Tafeln, die in warmen Farben Motive des Buddhismus aufnehmen. Ein Kreuz, ein Kreis, Linien und Punkte symbolisieren widerstreitende Energien, die sich im Bildgefüge zu einer höheren Harmonie zusammenfinden.

Einige Wochen lang muss Dekkers jetzt aber auf diesen zu meditativer Kontemplation einladenden Anblick verzichten. Shapiros Bild hängt gegenwärtig im Berliner Martin-Gropius-Bau. Hier ist erstmals eine 240 Arbeiten umfassende Auswahl aus der Kunstsammlung des Chemie- und Pharmakonzerns zu sehen – in der Ausstellung „Von Beckmann bis Warhol – Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts“.

Bayer-Mitarbeiter können die Werke auch ausleihen

Seit etwa hundert Jahren erwirbt der Leverkusener Weltkonzern Kunst. Was mit frühen Auftragsarbeiten an Künstler – etwa für eine Ansicht des Werksgeländes im Jahr 1912 an Otto Bollhagen – begann, entwickelte sich mit der Zeit zu einem unternehmensweiten Lernprozess im Umgang mit moderner Kunst. Heute hängen nahezu 90 % der etwa 2000 Werke umfassenden Sammlung Bayer an den Wänden von Büros, Foyers, Sitzungsräumen und Kantinen. Eine Artothek verwaltet den Kunstbestand des Unternehmens und verleiht Kunstwerke auf Zeit an interessierte Bayer-Beschäftigte – bis hinauf zum Vorstand.

Der Stammvater der Bayer-Kunstsammlung fehlt indes in Berlin. In der Ära des ersten Generaldirektors Carl Duisberg wurde 1907 die Abteilung für Bildungswesen bei Bayer gegründet, aus der die Kulturabteilung hervorgehen sollte. Duisberg war kunstinteressiert und gab mehrere Porträts in Auftrag, die in Berlin nicht zu sehen sind – das bekannteste ist ein Bildnis von Max Liebermann von 1909, das dem beinahe aristokratischen Selbstbewusstsein des erfolgreichen Industriellen Ausdruck gab.

Duisbergs kulturelles Engagement zeichnete ein Interesse aus, das bis heute die Kulturarbeit von Bayer prägen sollte – Kultur soll der Bildung dienen und die Begegnung mit Kunst und Kultur positiv auf die Beschäftigten abfärben.

Der chronologisch angelegte Berliner Rundgang beginnt mit dem Expressionismus. Aus dieser Epoche besitzt die Sammlung überwiegend Arbeiten auf Papier. Dieser Bestand geht vor allem auf Ankäufe in der Nachkriegszeit zurück – im Zeichen einer Wiederbegegnung mit der in der NS-Zeit verfemten Kunst, die von der damaligen Leiterin der Kulturabteilung, Erna Kroen, zielstrebig und konsequent betrieben wurde. Die Ankaufspolitik war konsequent auf die angepeilte Funktion der Kunstwerke gerichtet – auf die Hängung in der unmittelbaren Arbeitsumgebung der Beschäftigten.

Die Berliner Ausstellung bietet daher – ihrerseits dicht gehängt – einen perspektivenreichen Rundgang durch die Kunst der vergangenen hundert Jahre bis in die unmittelbare Gegenwart. Das Spektrum reicht vom Expressionismus mit Werken von Max Beckmann, Emil Nolde und Erich Heckel über die École de Paris mit Picasso und Miró, das deutsche und internationale Informel der 1950er, der neuen figurativen Malerei der 1970er und 1980er Jahre bis in die unmittelbare Gegenwart, die etwa durch spannende Arbeiten von Meisterschülern verschiedener Kunsthochschulen repräsentiert wird.

Nays „Rot im Zentrum“ ist Publikumsmagnet

Publikumsmagneten, „Meisterwerke“ sind eher rar gesät. Doch es gibt sie: Die Folge von 30 kleinformatigen Arbeiten aus Papier von Ernst Ludwig Kirchner etwa zählt dazu, die Ende der 1950er als Mappe erworben wurde. Oder die beiden Scheibenbilder „Rot im Zentrum“ und „Mit fünf weißen Sternen“ (beide 1955) von Ernst Wilhelm Nay, die von vier großen Bleistiftzeichnungen von 1961 flankiert werden, die das abstrakte Formen- und Farbenspiel der Gemälde weiterentwickeln.

Dass die Kunst seit etwa 1980 auch im Großformat in der Sammlung vertreten ist, verdankt sie den Sammlungsaktivitäten der US-Tochter, die 1986 in Pittsburgh gegründet wurde. Hier erwarb man beherzt amerikanische, aber auch deutsche Künstler. Diese Werke wurden 2005 konzernintern angekauft und der Sammlung Bayer einverleibt. So umfasst die Sammlung jetzt beachtliche Werke von Martin Kippenberger, Albert und Markus Oehlen und Imi Knoebel, aber auch von Sam Francis oder dem Fotografen Lee Friedlander.

Besonders stolz ist man bei Bayer, mit „Abstraktes Bild (555)“ von 1984 auch ein Großformat von Gerhard Richter sein Eigen nennen zu können. In der Berliner Hängung ist das Werk ein attraktiver Blickfang.

Die Sammlung Bayer in der Berliner Ausstellung macht zwar insgesamt einen etwas disparaten Eindruck. Lebendig werden jedoch die Entstehungsgeschichte der Sammlung und der vielfältige Umgang mit Kunst im Leverkusener Unternehmen. Volker Mattern, der Leiter der Kulturabteilung von Bayer, hebt hervor, dass die Kulturarbeit in den vergangenen Krisenjahren von Einschnitten verschont blieb. „Die Kultur ist bei uns integraler Bestandteil der Unternehmenskultur“, sagt er. Oder, wie es Bayer-Chef Dekkers sagt: „Kunst fördert Kommunikation, Kreativität, Interesse an Neuem, Aufgeschlossenheit gegenüber Fremdem. Also alles Eigenschaften, die auch im Arbeitsalltag von großer Bedeutung sind.“

„Von Beckmann bis Warhol – Die Sammlung Bayer“

Die Ausstellung ist noch bis zum 9. Juni im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen.

www.gropiusbau.de

Von J. Wendland Tags:

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