Ausstellung in Stuttgart 06.07.2012, 11:00 Uhr

Carl von Etzel: Eisenbahnpionier und Ingenieur von europäischem Rang

Mit gleich zwei Ausstellungen ehrt die baden-württembergische Stadt Stuttgart den Eisenbahnpionier und Ingenieur Carl von Etzel, der in diesem Jahr 200. Jahre alt geworden wäre.

„Stuttgart, 26. September 1846. Mittags 12 ¼ Uhr. Soeben fuhr die erste Lokomotive mit einem angehängten Personenwagen und einem Packwagen von Cannstatt aus auf den Bahnhof hier ein.“ Diese kurze Notiz in der schwäbischen Chronik meldete die Fertigstellung der Eisenbahnstrecken von Esslingen über Stuttgart nach Ludwigsburg.

Württemberg beauftragt Carl Etzel mit der Ausführung der Eisenbahn-Hauptlinien

Drei Jahre zuvor war Carl Etzel vom württembergischen Staat mit der Planung und Ausführung der Hauptlinien der Eisenbahn beauftragt worden. Unverzüglich überarbeitete Etzel die vorliegenden Pläne und setzte seine Vorstellungen mit Geschick durch. So konnten – nach heutigen Maßstäben in unglaublich kurzer Zeit – die zentralen Eisenbahnstrecken mit dem schwierigen Tunnel unter dem Schloss Rosenstein und der erste Stuttgarter Bahnhof pünktlich eingeweiht werden.

Das Stadtarchiv Stuttgart zeigt die Ausstellung „Carl von Etzel und die Anfänge der Eisenbahn in Württemberg“ zum 200. Geburtstag des großen Ingenieurs und Eisenbahnpioniers. Carl Etzel stammt aus einer württembergischen Baumeisterfamilie. Sein Vater Eberhard Etzel wurde durch die von ihm angelegte Aussichtsstraße „Neue Weinsteige“ in Stuttgart bekannt. Sein Sohn Carl studierte an der Stuttgarter Gewerbeschule, dem Vorgängerinstitut der heutigen Universität. In Paris lernte er den Eisenbahnbau kennen und vertiefte anschließend seine Kenntnisse bei einem längeren Aufenthalt in Wien.

Wie rasch damals die technische Entwicklung fortschritt, zeigt die von Etzel in diesen Jahren verfasste Schrift „Über die Notwendigkeit und Ausführbarkeit einer Eisenbahn durch Württemberg“, in der er für das bergige Württemberg noch keinen Betrieb mit Dampflokomotiven, sondern eine Pferdebahn empfahl. Er meinte auch, dass dem Passagier, der zu seinem Vergnügen durch das fruchtbare, blühende Württemberg reist, die Geschwindigkeit der Pferdebahn eher „zu groß als zu klein dünken werde!“

Etzel entwirft steile Eisenbahn-Strecke über die Schwäbische Alb

Doch schon bald änderte Etzel seine Meinung. Mit der raschen Verbesserung leistungsfähiger Maschinen setzte er schon wenige Jahre später ganz auf die neue Technik und entwarf gegen viele Bedenken die steile Strecke über die Schwäbische Alb. Eine spezielle Berglokomotive wurde hierfür entwickelt und es entstand die erste europäische „Gebirgsbahn“.

Etzel war nicht nur Ingenieur sondern auch ein hervorragender Architekt. Diesem Thema ist ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet, in dem unter anderem das berühmte Diana-Bad in Wien präsentiert wird, bei der die Decke der Winter-Schwimmhalle von einer weit gespannten Stahl-Konstruktion getragen wurde.

Glanzstücke der Ausstellung sind Aquarelle, Zeichnungen und Lithografien, auf denen zeitgenössische Künstler Ansichten von den Schaffensorten Etzels mit der Eisenbahn als neuem und faszinierendem Verkehrsmittel dargestellt haben. Auf der Lithografie „Eisenbahnpanorama“, von dem nur noch das Stadtarchiv Heilbronn ein Exemplar besitzt, ist die 60 km lange Strecke Esslingen – Stuttgart – Heilbronn entlang dem Neckar minutiös mit allen Ortschaften, Bahnhöfen, Brücken und Tunneln dargestellt.

Nach der Fertigstellung der 300 km langen Hauptstrecken sah Etzel im „Ländle“ für sich keine reizvollen Aufgaben mehr. Der Abschied von Württemberg wurde ein beruflicher Aufstieg. Etzel ging in die Schweiz, wo er die oberste Bauleitung für die Schweizerische Zentralbahn übernahm. Hier schuf er mit neuartigen Gitterkonstruktionen aus Eisen spektakuläre Viadukte bei St. Gallen und Bern, von denen es damals hieß, es seien die „elegantesten und überraschendsten neueren Eisenbahnbauwerke“.

Bei seinem großen internationalen Renommee überrascht es nicht, dass Etzel im Jahr 1857 sowohl aus Österreich-Ungarn als auch aus Russland attraktive Angebote erhielt. Er entschied sich für die Tätigkeit in Wien als Direktor der Franz-Joseph-Orientbahngesellschaft, später genannte Südbahngesellschaft.

Hier erreichte er mit der von ihm geplanten und realisierten Bahn über den Brenner seinen beruflichen Höhepunkt. Die Fertigstellung erlebte Etzel allerdings nicht mehr. Nach einem Schlaganfall starb er auf der Rückreise von Wien nach Stuttgart. Von der Brennerbahn sind in der Ausstellung aus dem Bestand der Württembergischen Landesbibliothek die von Etzel prachtvoll und detailgetreu veröffentlichten Pläne der Trassenführung zu sehen.

Carl von Etzel entwickelt sich zum führenden europäischen Eisenbahningenieur

Mit der erfolgreichen Tätigkeit hatte sich Carl Etzel den Ruf als führender europäischer Eisenbahningenieur erworben. Vom württembergischen König wurde er persönlich geadelt. Was Etzel auszeichnete, waren Ideenreichtum großes Fachwissen, Mut, Beharrlichkeit und ein ungeheueres Arbeitsvermögen. Diese Eigenschaften bewies er schon am Beginn seiner Tätigkeit in Stuttgart, als er es wagte, erstmals in der Tunnelbaugeschichte einen Tunnel unmittelbar unter einem wertvollen Gebäude, dem Schloss Rosenstein, zu platzieren, und dies in schwierigen geologischen Verhältnissen.

Als es beim Tunnelbau unter dem Schloss durch einen starken Wasser- und Schlammeinbruch zur Krise kam, behielt er die Nerven. Er erreichte in einer Audienz beim König, dass er den Schaden von oben, das heißt vom Souterrain des Schlosses aus, beseitigen durfte. Und so konnte er den Bau des 360 m langen Rosensteintunnels erfolgreich abschließen.

Noch heute erinnern bedeutende Werke Etzels, wie der Viadukt über die Enz bei Bietigheim und die Geislinger Steige auf der Strecke über die Schwäbische Alb, an den Meister der Ingenieurkunst.

Mehr als nur Eisenbahn: Carl von Etzel und seine Bedeutung für die Wirtschaft

Ergänzend zu der Ausstellung im Stadtarchiv zeigt das Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg in Stuttgart eine kleine Ausstellung „Dampf für die Wirtschaft- Carl Etzel und die württembergische Eisenbahn“. Auf Informationstafeln ist hier die Bedeutung Carl Etzels und der Eisenbahn für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Württemberg dargestellt. Wichtige wirtschaftliche Impulse gingen von der Eisenbahn durch die ersten Baumaßnahmen als „Konjunkturprogramm“ für das damals arme Württemberg aus.

Ein Beitrag von:

  • Hartwig Beiche

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