Forscher zweifeln an Fund 19.05.2014, 10:27 Uhr

Argentinien jubelt über vermeintlich größten Dinosaurier der Welt

Argentinische Paläontologen feiern die Entdeckung durch einen Bauern als den größten Saurierfund aller Zeiten. Europäische Wissenschaftler halten das aber für noch nicht bewiesen. 

Ein Mitarbeiter des Museo Egidio Feruglio liegt neben einem Oberschenkelknochen des südwestlich von Trelew in der argentinischen Provinz Chubut gefundenen Dinosauriers. Das Tier könnte bis zu 40 Meter groß gewesen sein.

Ein Mitarbeiter des Museo Egidio Feruglio liegt neben einem Oberschenkelknochen des südwestlich von Trelew in der argentinischen Provinz Chubut gefundenen Dinosauriers. Das Tier könnte bis zu 40 Meter groß gewesen sein.

Foto: Museo Egidio Feruglio/dpa

40 Meter lang, fast 80 Tonnen schwer und so hoch wie vier Giraffen – diesen Giganten wollen argentinische Forscher entdeckt haben. Genauer gesagt: Ein Bauer soll das gut erhaltene Fossil bereits vor drei Jahren gefunden haben. Die Experten des Museo Egidio Feruglio in Telew an der Ostküste des Landes sind sicher, dass sie den größten je ausgegrabenen Saurier vor sich haben. Er sei gigantischer als beispielsweise der Argentinosaurus, der in den 1980er Jahren entdeckt wurde.

Das Beispiel des Argentinosaurus‘ zeigt indes auch die Probleme bei der Einschätzung von Größe und Gewicht solcher Urzeitarten. Nachdem die erste Rekonstruktion zu einer Gewichtsangabe von bis zu 100 Tonnen führte, ergaben weitere Berechnungen einen Wert von mindestens 60, wahrscheinlich um die 70 Tonnen. Damit ist Argentinosaurus jedoch immer noch einer der gewaltigsten bekannten Sauropoden, also Langhalssaurier.

Auch Zähne von Fleischfressern entdeckt

Von der neuen, noch unbenannten Art soll es allerdings weitaus mehr Bestandteile geben als beim Argentinosaurus, von dem nur wenige Knochen gefunden wurden: Ein annähernd vollständiges, wegen der Lagebedingungen besonders gut erhaltenes Skelett lasse sich aus den rund 150 bislang ausgegrabenen Teilen herstellen.

Mitarbeiter des Museo Egidio Feruglio bei der Ausgrabung des womöglich größten Dinosauriers der Welt.

Mitarbeiter des Museo Egidio Feruglio bei der Ausgrabung des womöglich größten Dinosauriers der Welt.

Foto: Museo Egidio Feruglio/dpa

Sie stammen nach Einschätzung der Forscher von sieben verschiedenen Tieren, die vermutlich gleichzeitig an einer Wasserstelle verendeten. Womöglich sind sie im Schlamm stecken geblieben und wurden von fleischfressenden Sauriern angegriffen. 60 Zähne solcher Arten gehören ebenfalls zum Fund.

Die Knochen sollen mindestens 90 Millionen Jahre alt sein. Wichtigster Maßstab für die Größenschätzung ist ein mehr als manngroßer Oberschenkelknochen. „Vom Kopf bis zur Schwanzspitze war der Dinosaurier insgesamt 40 Meter lang“, sagte der Expeditionsleiter Carballido gegenüber der BBC. Mit erhobenem Hals sei er so so groß wie ein siebenstöckiges Gebäude gewesen.

Forscher halten Größenschätzung für problematisch

Europäische Kollegen dämpfen allerdings ein wenig die Euphorie der Argentinier. Britische Forscher erklärten, erst eine systematische Betrachtung der gesamten Funde lasse eine Größenangabe zu.

Deutlich zu sehen sind die verschiedenen Knochenfunde in der Ausgrabungsstelle südwestlich von Trelew (Argentinien) in der Provinz Chubut.

Deutlich zu sehen sind die verschiedenen Knochenfunde in der Ausgrabungsstelle südwestlich von Trelew (Argentinien) in der Provinz Chubut.

Foto: Museo Egidio Feruglio/dpa

Ähnlich äußerte sich Oliver Wings vom Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, Leiter des Europasaurus-Projektes, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: Es sei problematisch, aus einzelnen, wissenschaftlich unbearbeiteten Knochen auf Größe und Gewicht einer Art zu schließen. „Der Fund ist sehr schön, es sind viele Knochen da, aber die Länge ist geschätzt.“ In jedem Fall sei dies aber in der „obersten Liga“, was die Größe bekannter Dinosaurier angeht.

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