Klappe öffnete sich von selbst 10.09.2014, 13:56 Uhr

ISS schickt zwei Minisatelliten unbemerkt in falsche Umlaufbahnen

Erneut haben sich zwei Fotosatelliten ungeplant von der ISS gelöst und sausen jetzt in einer falschen Umlaufbahn um die Erde. Die Astronauten bemerkten diesen Vorfall erst Stunden später. Einen ähnlichen Zwischenfall gab es bereits am 23. August 2014. Eine Gefahr besteht jedoch nicht, erklärte der Hersteller der Satelliten.

Die Internationale Raumstation ISS setzt derzeit die Minisatelliten von Planet Labs aus (Pfeil). Diese enthalten Kameras, die laufend Bilder der Erde über das Internet anbieten sollen. Jetzt sind zwei Satelliten "aus Versehen" ausgesetzt worden und kreisen auf einer falschen Umlaufbahn.

Die Internationale Raumstation ISS setzt derzeit die Minisatelliten von Planet Labs aus (Pfeil). Diese enthalten Kameras, die laufend Bilder der Erde über das Internet anbieten sollen. Jetzt sind zwei Satelliten "aus Versehen" ausgesetzt worden und kreisen auf einer falschen Umlaufbahn.

Foto: Planet Labs

Als ISS-Kommandant Steve Swanson am Donnerstag den Kühlschrank der Internationalen Raumstation öffnete, musste er feststellen, dass zwei Schuhkarton-große CubeSats mit Fotosatelliten fehlten. Völlig unbemerkt scheint sich der Auslöser des Abschussgerätes gelöst zu haben und schickte zwei Minisatelliten ohne Wissen und Zutun der Astronauten los.

Jetzt fliegen bereits vier Minisatelliten des kalifornischen Herstellers Planet Labs im Weltraum herum. Denn ein ähnlicher Vorfall ereignete sich schon am 23. August 2014.

Klappe öffnete sich versehentlich

Als Ursache dieses Starts vermuten die Astronauten, dass sich beim zuvor stattgefundenen Rütteltest am Kibo-Laborarm versehentlich eine Klappe geöffnet hat, hinter der sich die Satelliten befinden. „Die Hülle der kleinen Satelliten wurden in einer Bahn ausgeklinkt, die einen Kontakt mit der Station verhindert“, berichtet NASA-Mitarbeiter Jay Bolden.

Nach einem Rütteltest am Kibo-Laborarm hat sich offenbar versehentlich eine Klappe geöffnet hat, hinter der die Satelliten auf ihren Einsatz warten. Im Bild sind sehr gut die geöffneten Klappen und zwei der insgesamt 28 Fotosatelliten zu sehen. 

Nach einem Rütteltest am Kibo-Laborarm hat sich offenbar versehentlich eine Klappe geöffnet hat, hinter der die Satelliten auf ihren Einsatz warten. Im Bild sind sehr gut die geöffneten Klappen und zwei der insgesamt 28 Fotosatelliten zu sehen. 

Foto: Planet Labs

„Beide Satelliten sind in eine sichere Richtung, weg von der ISS, ausgeklinkt worden“, erklärt der Hersteller Planet Labs. Daher bestehe keine Gefahr für die Astronauten an Bord der ISS.

Das kalifornische Startup-Unternehmen Planet Labs will mit seinen Minisatelliten die ganze Erde ablichten und die Bilder in Echtzeit über das Internet zur Verfügung stellen. Planet Labs entwickelte im Headquarter in San Francisco die weltweit größte Konstellation von Erde-Imaging-Satelliten. Aktuelle Bilder sollen alle 24 Stunden verfügbar sein.

Die 28 Kamerasatelliten vor dem Start im Lager von Planet Labs: Vier der Satelliten fliegen gerade in falschen Umlaufbahnen und sind damit zu fabrikneuem Weltraumschrott geworden.

Die 28 Kamerasatelliten vor dem Start im Lager von Planet Labs: Vier der Satelliten fliegen gerade in falschen Umlaufbahnen und sind damit zu fabrikneuem Weltraumschrott geworden.

Foto: Planet Labs

Kibo ist die Hoffnung auf japanisch

Bei dem Abschussgerät handelt es sich um einen Teil des japanischen Laborarms Kibo der Firma Nanorock. Dieses Abschussgerät – auch Würfelkanone genannt – sollte planmäßig 28 Fotosatelliten über einen Zeitraum von mehreren Monaten in die Umlaufbahn schießen. Bislang wurden 12 dieser Kamerasatelliten von der ISS auf einer Umlaufbahn abgesetzt.

Weitere vier Satelliten fliegen nun ungeplant im Weltraum herum. Einen ähnlichen Vorfall gab es am 23. August 2014. Auch damals verselbständigten sich bereits zwei Minisatelliten, ohne dass die ISS-Astronauten den Start bemerkten.

Planet Labs will 28 Minisatelliten um die Erde kreisen lassen, um Bilder in Echtzeit von der Erdoberfläche anbieten zu können.

Planet Labs will 28 Minisatelliten um die Erde kreisen lassen, um Bilder in Echtzeit von der Erdoberfläche anbieten zu können.

Foto: Planet Labs

Diese vier Satelliten sind nun über Nacht zu fabrikneuem Weltraumschrott geworden. Der Schrott wird zunehmend zum Problem für die Raumfahrt, zumal vergleichsweise große Schrottteile wie die Minisatelliten auch der Raumstation ISS gefährlich werden können. Insgesamt fliegen nach Angaben der Experten etwa 7000 Tonnen Schrott unkontrolliert im Weltraum herum. 

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