Weltraum 21.01.2021, 13:59 Uhr

Asteroid: Wie sich die Welt auf einen Einschlag vorbereitet

Dass ein Asteroid uns in nächster Zeit auslöscht, ist sehr unwahrscheinlich. Doch manchmal kommen sie der Erde nahe. Die Weltraumbehörden Nasa und Esa haben einen Plan – und starten eine historische Mission.

Ein Asteroid, der aus dem Weltall auf die Erde zurast: Ein äußerst unwahrscheinliches Szenario. Aber für den Fall der Fälle wollen Nasa und Esa gerüstet sein. Foto: Panthermedia.net/digitalstorm

Ein Asteroid, der aus dem Weltall auf die Erde zurast: Ein äußerst unwahrscheinliches Szenario. Aber für den Fall der Fälle wollen Nasa und Esa gerüstet sein.

Foto: Panthermedia.net/digitalstorm

Er ist etwa so groß wie die Golden Gate Bridge: 231937 (oder 2001 FO32), so lautet der wenig romantische Name des Asteroids, dem Nasa-Astronomen das Prädikat “potenziell gefährlich” verliehen haben.

Er ist einer der Asteroiden-Kandidaten, die der Erde relativ nahe kommen: Im März wird 2001 FO32 sich auf eine Distanz von zwei Millionen Kilometern nähern, bevor er sich wieder auf seiner Bahn von uns wegbewegt und erst in 32 Jahren zurückkehrt.

Dass der Asteroid auf der Erde einschlägt, ist im Grunde ausgeschlossen, sagt Astrophysikerin Carolin Liefke. Und doch: „Man hat Asteroiden wie diesen im Auge, weil er relativ groß ist. Wenn etwas in dieser Größe auf uns zukommen würde, wäre das tatsächlich ein Problem“, so Liefke.

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Asteroid: Eindrucksvolle Einschlagkrater in Deutschland

Was genau würde dann passieren? „Im Prinzip wissen wir das, denn es ist in Deutschland schon passiert“, so Liefke. Vor etwa 15 Millionen Jahren passierte das, was Astronomen und Geologen heute das „Ries-Ereignis“ nennen. Ein Asteroid mit einem Durchmesser von etwa 1,5 Kilometern tauchte damals mit über 70.000 Stundenkilometern in die Erdatmosphäre ein. Als Meteor strahlte er heller als die Sonne. In der Nähe der Schwäbischen Alb krachte der Himmelskörper schließlich auf die Oberfläche. Das Ergebnis: Eine Explosion, die einen Krater mit einem Durchmesser von 25 Kilometern hinterließ.

„Das ist aber nicht alles“, erklärt Liefke. „Unmengen an Material wird aus so einem Krater ausgeworfen und in einem Umkreis von 1.000 Kilometern verstreut. Das ist glühend heiß und setzt alles in der Umgebung in Brand. Das ist eine globale Katastrophe.“

Wissen über Asteroiden ist entscheidend

Was, wenn Asteroid 2001 FO32 vom Kurs abkommt und sich der Erde weiter annähert? Das könnte zum Beispiel passieren, wenn er auf seiner Bahn mit einem anderen Himmelskörper kollidiert. Doch die Astrophysikerin kann beruhigen: „Wir sind relativ gut darin, die Umlaufbahn dieser Asteroiden zu bestimmen. Man muss sie nur gut genug kennen.“  Und 2001 FO32 ist ein relativ alter Bekannter: Die erste Zahl in seinem Namen gibt das Jahr seiner Entdeckung an, also 2001. “Das heißt, er wird seit 20 Jahren kontinuierlich verfolgt.“

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Herausfordernd werde es erst, wenn ein Asteroid neu entdeckt würde und nur wenige Messpunkte vorlägen: „In welche Richtung der Asteroid genau fliegt, unterläge dann einer Ungewissheit.“

Porträt Carolin Liefke

Carolin Liefke, Astrophysikerin, Haus der Astronomie.

Foto: privat

„Die Bezeichnung “potentiell gefährlich” ist eine Kategorie, in die alle Asteroiden reinkommen, die eine Größe von 150 Metern  überschreiten. Hinzu kommt ein gewisser Wert des Abstandes der Umlaufbahn zur Erde. Dieser ist auch immer noch so groß, dass es nicht zu einer Kollision kommt. In dieser Liste befinden sich knapp 2.000 Objekte, die man im Auge behält“, erklärt Astrophysikerin Carolin Liefke.

Michael Küppers von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa kann beruhigen: „Es ist zurzeit kein Objekt bekannt, bei dem man davon ausgeht, dass das in näherer Zukunft einschlagen wird. Aber dass kleinere, metergroße Objekte in die Atmosphäre eindringen, das passiert jedes Jahr. Meist verglühen die, da passiert nichts. Je größer der Asteroid ist, desto seltener sind solche Ereignisse. In der nahen Zukunft müssen wir uns da wahrscheinlich keine Sorgen machen.“

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Katastrophaler Asteroideneinschlag: „Es wird irgendwann einmal passieren“

Aber: „Es wird irgendwann einmal passieren.“ Ein solcher fataler Asteroideneinschlag hat der gängigen Theorie zufolge vor 65 Millionen Jahren zum Aussterben der Dinosaurier geführt. „Wir glauben, dass wir jetzt technologisch genau an dem Punkt sind, an dem wir einen möglichen bedrohlichen Einschlag verhindern können“, sagt Küppers. Genau das wollen die US-Weltraumbehörde Nasa gemeinsam mit der Esa bald unter Beweis stellen – mit einem spektakulären wissenschaftlichen Projekt.

„Das Prinzip ist eigentlich einfach: Eine Raumsonde wird in Richtung Asteroid geschickt und stößt mit hoher Geschwindigkeit mit diesem zusammen. Dieser Zusammenstoß ändert die Bahn des Asteroiden, so dass es keinen Einschlag auf der Erde gibt. Also eine Art Asteroiden-Billard“, erklärt Küppers.

Im Juni 2021 startet die sogenannte Dart-Mission der Nasa. Dart steht dabei für Double Asteroid Redirection Test. Die Dart-Sonde der NASA wird dann zum Doppelasteroiden Didymos fliegen. „Sie soll den Asteroidenmond auf seiner Bahn um den Hauptasteroiden ablenken“, erklärt Küppers. Dazu soll die Sonde mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde in den kleineren der beiden Brocken einschlagen.

Esa-Wissenschaftler Michael Küppers sagt: Irgendwann könnte der Einschlag eines Asteroiden bevorstehen. „Jetzt sind wir technisch in der Lage, das zu abzuwenden.“ Foto: privat

Esa-Wissenschaftler Michael Küppers sagt: Irgendwann könnte der Einschlag eines Asteroiden bevorstehen. „Jetzt sind wir technisch in der Lage, das zu abzuwenden.“

Foto: privat

2024 startet dann die Hera-Mission der Esa. „Eine zweite Raumsonde wird dann den Einschlagkrater auf dem Asteroiden untersuchen, damit wir das Ergebnis der Dart-Mission beurteilen können“, so Esa-Wissenschaftler Michael Küppers. Die Missionen sind zwar keine reinen Wissenschaftsprojekte, aber: „Hera ist die erste Mission zu einem Doppelasteroiden. Man erhofft sich dabei auch Erkenntnisse darüber, wie solche Doppelasteroiden eigentlich entstehen.“ Nach den gängigen Theorien sind Asteroidenmonde Bestandteile des Hauptasteroiden, die im Laufe der Zeit abgetrennt wurden, etwa durch einen Einschlag oder schnelle Rotation. „Diese Modelle kann man mit Hera überprüfen, da man die beiden Asteroiden separat untersuchen kann.“

Die Dart-Sonde der Nasa soll den Asteroidenmond treffen. Foto: Nasa

Die Dart-Sonde der Nasa soll den Asteroidenmond treffen.

Foto: Nasa

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2013 konnten wir in der russischen Stadt Tscheljabinsk einen Eindruck davon gewinnen, welche Zerstörungskraft Asteroiden haben können, die größer als ein paar Meter sind. Als Meteor ist damals ein etwa 20 Meter großer Brocken in die Erdatmosphäre eingedrungen. „Unglücklicherweise über bewohntem Gebiet. Dabei sind fast 1500 Menschen verletzt und Tausende Gebäude beschädigt worden“, so Michael Küppers. „Unsere Ablenkungstechnologie bezieht sich auf größere Asteroiden ab einer Größe von 100 bis 200 Metern, die im Fall eines Einschlags mindestens eine größere regionale Katastrophe anrichten können. Ein solcher Einschlag passiert aber statistisch nur einmal in mehreren Jahrtausenden.“

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Wie lange müsste man denn im Voraus planen, falls so ein Brocken der Erde doch mal zu nahe kommt? „Dafür benötigen wir eine gewisse Reaktionszeit. Eine solche Mission dauert so fünf bis zehn Jahre. Das ist einmal die Vorbereitung mit all ihren Berechnungen, aber die Ablenkung des Asteroiden muss rechtzeitig passieren, damit der Himmelskörper hinreichend von seiner Bahn abweicht und die Erde verfehlt.“

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Asteroiden stammen meist aus dem Asteroidengürtel

Die meisten Asteroiden, die an der Erde vorbeikommen, stammen aus dem Asteroidenhauptgürtel zwischen Mars und Jupiter. Sehr selten aber entdecken Astronomen auch Exo-Asteroiden, die von außerhalb des Sonnensystems kommen. 2017 sorgte der Himmelskörper Oumuamua für Aufsehen: Er ist das erste beobachtete interstellare Objekt in unserem Sonnensystem. „Tatsächlich gibt es derzeit eine Mission bei der Esa, die damit zusammenhängt. Dabei soll eine Raumsonde am Langrange-Punkt L2 stationiert, der etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt liegt. Wenn ein langperiodischer Komet aus der Oort-Wolke am Rande des Sonnensystems oder ein insterstellares Objekt vorbeikommt, wird die Sonde einen Vorbeiflug machen.“

Ein großer Unterstützer der Hera-Mission ist übrigens Rocklegende und Astrophysiker Brian May. Der Queen-Gitarrist erklärt das Projekt sogar in einem Video der Esa.

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