Untersuchung von 2I/Borisov 28.04.2020, 15:16 Uhr

Interstellarer Komet: Nasa-Forscher machen fantastische Entdeckung

Er kommt aus den Tiefen der Milchstraße: Der Komet 2I/Boris kreuzt nur jetzt unser Sonnensystem, bevor er für immer verschwindet. Nasa-Forscher haben nun messen können: Der Komet hat ungeheure Mengen Wasser verloren.

Das Hubble-Weltraum-Teleskop hat Aufnahmen vom Kometen 2I/Borisov gemacht – entdeckt hat den interstellaren Himmelskörper ein Hobbyastronom. Foto: Nasa

Das Hubble-Weltraum-Teleskop hat Aufnahmen vom Kometen 2I/Borisov gemacht – entdeckt hat den interstellaren Himmelskörper ein Hobbyastronom.

Foto: Nasa

Dieser Besucher hat eine unvorstellbar weite Reise hinter sich: Als der Hobby-Astronom Gennadi Borisov ihn im August 2019 mit seinem selbstgebauten Teleskop entdeckte, war das eine wissenschaftliche Sensation.

Denn der Komet 2I/Borisov, benannt nach seinem Entdecker, ist so ganz anders als seine Verwandten. Meist stammen Kometen aus der sogenannten Oortschen Wolke, einer Ansammlung astronomischer Objekte am Rande des Sonnensystems – so zumindest die Theorie, denn gesehen hat diese Wolke bislang noch keiner. Doch Borisov kommt aus einer noch unbekannteren Gegend: Er ist ein interstellarer Komet aus den unendlichen Weiten der Milchstraße, der jetzt unser Sonnensystem kreuzt und dann wohl nie wieder zurückkommen wird. Das Himmelsobjekt stammt von einem weit entfernten Stern – allerdings weiß niemand, von welchem der rund 100 Milliarden Sterne in unserer Milchstraße 2I/Borisov kommt. Der Komet ist nach dem 2017 entdeckten 1I/’Oumuama erst der zweite interstellare Körper, den die Menschheit je bewusst beobachtet hat.

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Interstellarer Komet: Viel zu schnell für eine Umlaufbahn

Ende 2019 raste der Komet mit 161.000 Stundenkilometern um die Sonne. Er ist viel zu schnell, um in eine Umlaufbahn einzulenken. Er wird lediglich auf seiner Bahn abgelenkt und wird unser Sonnensystem wieder verlassen. Bis September dürfte er verfolgbar sein, schätzen Experten.  Jetzt ist es Wissenschaftlern erstmals gelungen, die Menge an Wasser zu messen, die der Komet auf dieser Etappe seiner Reise verloren hat.

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Nach seiner Entdeckung im August letzten Jahres kam der 2I/Borisov vier Monate später der Sonne am nächsten: Im Dezember 2019 näherte er sich Erde und Sonne auf etwa 300 Millionen Kilometer. Dadurch hatten Wissenschaftler die Gelegenheit, Anzeichen von Wasser- und Gasmolekülen zu erkennen und die chemische Zusammensetzung der Stoffe zu untersuchen. Wenn sich Kometen wie 2I/Borisov der Sonne nähern, erwärmt sich ihre Oberfläche. Gefrorene Stoffe wie Kohlendioxid ändern dabei ihren Aggregatzustand und werden zu Gas, während Wasser verdampft.



Asteroid, Meteorid, Komet: Was sind die Unterschiede?

  • Grundsätzlich unterscheiden sich die Himmelskörper in Größe, Zusammensetzung und ihrer Entfernung zur Sonne.
  • Ein Asteroid besteht in der Regel aus festen Stoffen und enthält wenige bis keine flüchtigen Stoffe, weswegen er keinen Schweif aufweist
  • Ein Komet besteht zu großen Teilen aus flüchtigen Stoffen wie etwa Wasser. Weil die Entfernung zur Sonne groß ist, sind die flüchtigen Stoffe gefroren. Nähern sich Kometen wärmeren Regionen, schmilzt das Eis und es entsteht der typische Kometen-Schweif.
  • Meteoriten sind die kleinsten Objekte. Häufig entstehen sie aus den Teilchen eines Kometenschweifs oder sie entstehen beim Zusammenprall größerer Himmelskörper. Treten sie in die Erdathmosphäre ein, sind sie als Meteor oder Sternschnuppe wahrnehmbar.

Am 30. August 2019 entdeckte Amateurastronom Gennadi Wladimirowitsch Borissow (oder Borisov) den interstellaren Kometen von der Krim aus. Das Minor Planet Center (MPC) in Harvard gab dem Objekt zunächst nach dem üblichen Schema einen Namen, der vom Entdecktungszeitraum geprägt ist (C steht für Comet): C/2019 Q4 . Nachdem klar war, dass der Komet aus dem Interstellaren Raum stammt, wurde er in 2I/Borisov umbenannt. Diese Nomenklatur, bei der der Buchstabe I vorkommt, ist neu und gibt es in der Form seit dem ersten entdeckten interstellaren Kometen 1I/’Oumuamua.
Das Neil-Gehrels-Swift-Observatorium, kurz Swift oder auch Explorer 84, ist ein Forschungssatellit der Nasa. Der Satellit wurde am 2004 von Cape Canaveral aus in den Weltraum geschickt und zieht seine Bahn in einem kreisförmigen Orbit in einer Höhe von etwa 600 Kilometern über der Erdoberfläche. Siwft wird vornehmlich zur Detektierung von Gammablitzen eingesetzt. Bereits 2005 konnte der Satellit den bis dahin stärksten je dokumentierten Gammablitz in einer Entfernung von etwa 13 Milliarden Lichtjahren messen.

Forschungssatellit kann Molekül erfassen

In diesem Fall werden die Wassermoleküle durch das Sonnenlicht aufgebrochen und ein Molekül namens Hydroxyl entsteht. Jetzt untersuchen Nasa-Mitarbeiter diese Moleküle mithilfe des Neil-Gehrels-Swift-Observatoriums. Der Forschungssattelit kann die einzigartige Signatur des UV-Lichts, das das Hydroxyl-Molekül emittiert, mithilfe seines sogennanten Ultraviolet/Optical-Telescope (UVOT) erfassen.

Die Aufnahme des Hubble-Space-Teleskops zeigt den Kometen 2I/Borisov. Foto: Nasa, Esa, D. Jewitt (UCLA)

Die Aufnahme des Hubble-Space-Teleskops zeigt den Kometen 2I/Borisov.

Foto: Nasa, Esa, D. Jewitt (UCLA)

Das Observatoriums-Team konnte zwischen September und Februar sechs Beobachtungen von 2I/Borisov durchzuführen. Im November stellte stellten die Forscher einen 50-prozentigen Anstieg von Hydroxl und damit auch von Wasser fest.

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Komet verliert 30 Liter Wasser pro Sekunde

Zeitweise verlor 2I/Borisov auf seiner Reise an der Sonne vorbei 30 Liter Wasser pro Sekunde. Damit könnte man eine handelsübliche Badewanne in zehn Sekunden bis zum Rand füllen. Die Nasa-Wissenschaftler glauben, dass der Komet während seiner Reise durch unser Sonnensystem fast 230 Millionen Liter Wasser verloren hat. Eine Menge, die für fast 100 olympische Schwimmbecken reichen würde.

Diese Erkenntnisse lassen Schlussfolgerungen auf andere Eigenschaften des Kometen zu – etwa seine Mindestgröße. Die Wissenschaftler glauben, dass 2I/Borisov einen Durchmesser von etwa 0,74 Kilometern hat.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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