Himmelskörper 11.10.2021, 10:00 Uhr

Feuerball über Deutschland: Ist es ein Meteorit?

Zahlreiche Menschen berichten in sozialen Netzwerken von einem Feuerball, den sie am Himmel beobachtet haben. Videos zeigen die Sichtungen. Experten haben eine Vermutung, was hinter dem Phänomen steckt.

Menschen berichten von einem Feuerball am Abendhimmel: War es ein Meteorit oder Weltraumschrott?Foto: Panthermedia.net/ alexyz3d

Menschen berichten von einem Feuerball am Abendhimmel: War es ein Meteorit oder Weltraumschrott?

Foto: Panthermedia.net/ alexyz3d

Ist es ein Flugzeug? Ist es ein Vogel? Nein! Es ist … ja, was eigentlich? Noch ist unklar, was genau am Donnerstagabend am Himmel über Deutschland zu sehen war. Der vor allem in Süddeutschland, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, am Abendhimmel gesichtete Feuerball gibt Rätsel auf. Auch im Norden Frankreichs berichten Menschen von dem Lichtphänomen.

Feuerball: Meteorit oder Weltraumschrott?

Nutzer auf Twitter, Instagram und Facebook unter anderem aus Tübingen, Heidelberg, Karlsruhe und Bad Kreuznach posteten Bilder und Videos und sprachen am Donnerstag von einem rasend schnellen Objekt, das über das Firmament gezogen sei. Viele spekulierten: Der Feuerball könnte ein Meteorit gewesen sein. Andreas Eberle von der Sternwarte Stuttgart sagte gegenüber dem SWR, es könne sich um einen Gesteinsbrocken gehandelt haben, der in die Erdatmosphäre eingetreten sei – oder auch um ein Stück Weltraumschrott.


Asteroid, Meteorid, Komet: Was sind die Unterschiede?

  • Grundsätzlich unterscheiden sich die Himmelskörper in Größe, Zusammensetzung und ihrer Entfernung zur Sonne.
  • Ein Asteroid besteht in der Regel aus festen Stoffen und enthält wenige bis keine flüchtigen Stoffe, weswegen er keinen Schweif aufweist
  • Ein Komet besteht zu großen Teilen aus flüchtigen Stoffen wie etwa Wasser. Weil die Entfernung zur Sonne groß ist, sind die flüchtigen Stoffe gefroren. Nähern sich Kometen wärmeren Regionen, schmilzt das Eis und es entsteht der typische Kometen-Schweif.
  • Meteoriten sind die kleinsten Objekte. Häufig entstehen sie aus den Teilchen eines Kometenschweifs oder sie entstehen beim Zusammenprall größerer Himmelskörper. Treten sie in die Erdathmosphäre ein, sind sie als Meteor oder Sternschnuppe wahrnehmbar.

Aus den ersten Augenzeugenberichten schloss Eberle, dass es sich wahrscheinlich um ein kosmisches Objekt gehandelt hat: „Von den Berichten, die ich mitbekommen habe, war die Flugrichtung wohl von Ost nach West, was eher dagegen spricht, dass es Weltraumschrott war.“ Dementsprechend spreche viel dafür, dass es ein kosmisches Objekt gewesen sei, sicherlich in Fußballgröße oder größer.

Gesteinsbrocken in dieser Größe haben Astronominnen und Astronomen vorher kaum auf dem Schirm. Asteroiden indes, die potentiell bedrohlich sein könnten, werden intensiv beobachtet. Michael Küppers von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa kann aber beruhigen: „Es ist zurzeit kein Objekt bekannt, bei dem man davon ausgeht, dass das in näherer Zukunft einschlagen wird. Aber dass kleinere, metergroße Objekte in die Atmosphäre eindringen, das passiert jedes Jahr. Meist verglühen die, da passiert nichts. Je größer der Asteroid ist, desto seltener sind solche Ereignisse. In der nahen Zukunft müssen wir uns da wahrscheinlich keine Sorgen machen.“

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Katastrophaler Einschlag: „Irgendwann wird es passieren“

Aber: „Es wird irgendwann einmal passieren.“ Ein solcher fataler Asteroideneinschlag hat der gängigen Theorie zufolge vor 65 Millionen Jahren zum Aussterben der Dinosaurier geführt. „Wir glauben, dass wir jetzt technologisch genau an dem Punkt sind, an dem wir einen möglichen bedrohlichen Einschlag verhindern können“, sagt Küppers. Genau das wollen die US-Weltraumbehörde Nasa gemeinsam mit der Esa bald unter Beweis stellen – mit einem spektakulären wissenschaftlichen Projekt.

„Das Prinzip ist eigentlich einfach: Eine Raumsonde wird in Richtung Asteroid geschickt und stößt mit hoher Geschwindigkeit mit diesem zusammen. Dieser Zusammenstoß ändert die Bahn des Asteroiden, so dass es keinen Einschlag auf der Erde gibt. Also eine Art Asteroiden-Billard“, erklärt Küppers.

Im November 2021 startet die sogenannte Dart-Mission der Nasa. Dart steht dabei für Double Asteroid Redirection Test. Die Dart-Sonde der Nasa wird dann zum Doppelasteroiden Didymos fliegen. „Sie soll den Asteroidenmond auf seiner Bahn um den Hauptasteroiden ablenken“, erklärt Küppers. Dazu soll die Sonde mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde in den kleineren der beiden Brocken einschlagen.


Erdnaher Doppelasteroid Didymos

Didymos wurde am 11. April 1996 im Rahmen des Spacewatch-Projektes am Kitt Peak National Observatory entdeckt. Der Asteroid weist einen Durchmesser von circa 800 Metern auf. 2003 wurde festgestellt, dass der Asteroid einen Mond von circa 170 Metern Durchmesser hat. Dieser umkreist ihn in einer Entfernung von 1,1 Kilometern. Da es sich um einen Doppelasteroid handelt, erhielt die Entdeckung 2004 offiziell den Namen Didymos – das griechische Wort für Zwilling.

In der geplanten Mission soll eine Sonde auf Dimorphos einschlagen, um zu testen, ob ein Asteroid bei Kollisionsgefahr mit der Erde von seinem Kurs abzubringen ist.


Jüngst haben Forschende sogar ein mögliches Einschlagsdatum für den Asteroiden Bennu errechnet. Der Brocken mit einem Durchmesser von 500 Metern kreuzt immer wieder die Erdbahn – und am 24. September 2182 könnte er unter Umständen auf der Erde einschlagen. Das ist das Ergebnis neuester Analysen zu dem Asteroiden. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags sehr gering: Die Chancen dafür, dass Bennu die Erde bis zum Jahr 2300 trifft, liegen bei 1:1750. Allerdings sind die Chancen etwas höher, als jahrelang angenommen.

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Asteroid Bennu: Nasa hat ihn im Blick

Die Daten für die neue Risikoabschätzung lieferte die Nasa-Raumsonde „Osiris Rex“, die 2016 zum Asteroiden geschickt worden war, unter anderem um um Bodenproben zu sammeln. Die Sonde war damit der erst US-Flugkörper der Raumfahrtgeschichte, dem es gelang, dem Asteroiden bei einem mehrstündigen komplizierten Manöver eine Probe zu entnehmen. Im Herbst 2023 soll „Osiris Rex“ die Probe dann über dem US-Bundesstaat Utah abwerfen.

Asteroid Bennu kommt der Erde extrem nah. Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags ist gering – aber nicht ausgeschlossen. Foto: NASA/Goddard/University of Arizona

Asteroid Bennu kommt der Erde extrem nah. Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags ist gering – aber nicht ausgeschlossen.

Foto: NASA/Goddard/University of Arizona

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Ob Bennu wirklich eines Tages mit der Erde kollidiert, hängt vor allem davon ab, inwieweit seine Bahn durch die Schwerkraft der Erde abgelenkt wird. Im Jahr 2135 wird der Asteroid uns näher als der Mond sein. Dann ist entscheidend, wie die Schwerkraft der Erde auf den Asteroiden wirkt. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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