Mobiles Betriebssystem 12.08.2019, 12:10 Uhr

Ist Huaweis Harmony OS eine Gefahr für Googles Android?

Huawei stellte jüngst das eigene Betriebssystem Harmony OS vor. Es sei auch in der Lage, Android schnell zu ersetzen. Aber die Chinesen sprechen sich dafür aus, weiterhin Android zu nutzen – falls sie denn dürfen.

Foto: Huawei

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Der Handelsstreit zwischen China und den USA erreicht auch nach Monaten immer wieder neue Spitzen. Im Rahmen dessen wurde das chinesische Unternehmen Huawei in den USA auf eine schwarze Liste gesetzt. Amerikanische Unternehmen dürfen ohne Sondergenehmigung keine Geschäfte mehr mit Huawei abschließen. Das gilt auch für Google, die neben dem Android-Betriebssystem auch den Zugang zur Google-Architektur auf dem Smartphone nun ausschließen müssen.

Harmony OS könnte Android zum Verlierer machen

Durch die starke Sanktionierung von Huawei können sich auch für Google massive Herausforderungen ergeben. Das Unternehmen aus Shenzhen sah sich gezwungen, eine Alternative für den Ernstfall zu entwickeln. Bisher konnte Google mit Android eine starke Marktposition einnehmen und teilt sich mit Apples iOS den Kuchen. Auch in China ist Android weit verbreitet und wird dort fleißig genutzt. Doch mit dem US-amerikanischen Bann von Handelsbeziehungen mit Huawei könnte sich die gesamte Lage nun deutlich verschieben.

Für das frisch angekündigte Harmony OS kann der chinesische Markt durchaus umsatzstark genug sein, dass sich das neue Betriebssystem in Asien durchsetzt. Und wie so oft werden auch in der restlichen Welt viele Menschen die günstigen Smartphones aus Asien wertschätzen und somit gegebenenfalls zur Konkurrenz wechseln. Nicht umsonst sucht Google schon seit der ersten Bekanntgabe um Sonderregelungen und Sondergenehmigungen bei der amerikanischen Regierung.

Huawei arbeitet schon länger an einem Betriebssystem

Allerdings hat Huawei bereits seit einigen Jahren verkündet, dass sie an einem eigenen Betriebssystem arbeiten. Mittlerweile sollen nach Angaben des Unternehmens mehrere 10.000 Mitarbeiter an dem neuen Betriebssystem tüfteln. Dem neuen Betriebssystem Harmony OS, in China unter dem Namen Hongmeng kursierend, ging eine Phase der Gerüchte und Falschinformationen voraus. So kursierten Namen, wie etwa Oak OS, die sich nicht bewahrheiteten, aber auch der Zweck des neuen OS war unklar. Zuletzt hieß es, das geplante Huawei-OS sei nur für IoT-Anwendungen gedacht.

Erst eine Ankündigung durch den Konzern konnte klarstellen, was Harmony OS sein wird und was es können soll. Das markanteste Feature sei laut Huawei, dass sich das Betriebssystem über verschiedene Gerätetypen erstreckt. Damit wolle das Unternehmen sicherstellen, dass der Nutzer eine kontinuierliche Erfahrung über Smartphone, Tablet, TV und IoT-Geräte macht. Möglich sei das durch einen Mikro-Kernel, um den das OS herum aufgebaut ist. Er biete den Entwicklern die notwendige Flexibilität, verschiedene Gerätetypen anzusprechen. Gleichzeitig verhindere dieser Root-Zugriff, was laut Huawei Harmony OS zu einem sichereren System als Googles Android mache. Diese Architektur wird allerdings erst mit der Revision 2.0 ab 2020 verwendet.

Was bedeutet Open Source bei Android und Harmony OS?

Das Betriebssystem Android ist unter der Apache-Open-Source-Lizenz freigegeben. Das bedeutet, dass dieses Betriebssystem beliebig angepasst und verwendet werden darf. Denn das gesamte System basiert in seinem Grundsatz auf einem Linux-Kernel. Somit kann das Betriebssystem als Grundlage für eigene Betriebssysteme verwendet werden. Doch viele Unternehmen sind bereits mit einem solchen Versuch gescheitert.

Huawei geht einen ähnlichen Weg: Obgleich es nicht auf Android basiert, ist auch Harmony OS als Open-Source-Projekt für alle im Code einsehbar. Man kann nur spekulieren, ob das Unternehmen damit der skeptischen Haltung des Westens gegenüber chinesischer Software entgegensteuern möchte. Besonders Huawei steht in einigen Ländern unter Verdacht, Spionage für den chinesischen Staat zu betreiben. In den USA etwa darf Huawei keine Aufträge von Behörden mehr erhalten.

Die Akzeptanz der Nutzer spielt eine große Rolle

Neben dem eigentlichen Betriebssystem spielt noch ein weiterer Punkt eine wichtige Rolle: die Akzeptanz der Nutzer. Viele Menschen haben sich an die Google-Oberfläche und das Ökosystem gewöhnt und werden nur unter bestimmten Umständen wechseln wollen. Harmony OS sei jedoch in der Lage, Android-Apps abzuspielen. Dies würde es Huawei ermöglichen, sich von Googles Betriebssystem zu lösen, aber gleichzeitig von Teilen des Ökosystems zu profitieren. Das würde auch den Wechsel für Nutzer weicher gestalten.

Trotz der Kampfansage, einen „dritten Spieler“ im Smartphone-Markt zu etablieren, schlägt Huawei eher versöhnliche Töne an: Die Entwickler aus Shenzhen möchten weiterhin Android nutzen. Doch es macht den Anschein, als hätten die Handelsstreitigkeiten die Chinesen dazu gezwungen, einen Plan B zu entwickeln, um für den Ernstfall – den Wegfall aller Android-Lizenzen – gerüstet zu sein. Daher sei es möglich, Huawei-Geräte schnell und einfach auf Harmony OS zu wechseln. Das erste Gerät, das nativ Harmony OS nutzt, ist übrigens ein Smart-TV der Huawei-Tochter Honor. Er erscheint noch dieses Jahr, vorerst allerdings nur auf dem chinesischen Markt.

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