Pläne für Sydney 08.10.2018, 13:14 Uhr

Oben Fußball, unten Eisenbahn: Vorschlag für Stadion im Hauptbahnhof

Die Idee klingt verrückt: Das renommierte Architekturbüro Bates Smart hat vorgeschlagen, über den Gleisanlagen des Hauptbahnhofs von Sydney ein großes Stadion zu bauen. Parkplätze wären dann überflüssig, die Anbindung an Busse und Bahnen optimal. Und man würde sehr viel Platz sparen.

Sydney Bahnhof von oben

Der Hauptbahnhof von Sydney heute: Das Archtekturbüro Bates Smart schlägt vor, ein neues Sportstadion direkt über die riesige Fläche der Gleise zu bauen.

Foto: Bates Smart

Sydney von oben

So stellt sich das Archtekturbüro Bates Smart das Stadion über den Gleisen vor. Außerdem wollen die Architekten die Gleisflächen nutzen, um neuen Wohnraum direkt im Zentrum zu schaffen.

Foto: Bates Smart

Moore-Park mit den beiden Stadien

Im Moore-Park, nicht weit entfernt vom Zentrum Sydneys, befindet sich das alte Stadion (oben). Es soll nach jetzigem Stand abgerissen und durch ein größeres ersetzt werden. Unten im Bild das Cricket-Stadion, das stehen bleiben soll.

Foto: Bates Smart

Moore-Park ohne altes Stadion

Würde man das Fußball-Stadion im Moore-Park abreißen und über dem Hauptbahnhof neu aufbauen, würde man riesige Grünflächen im Moore-Park gewinnen.

Foto: Bates Smart

Auch in der Metropole Sydney ist der Platz für große Neubauen knapp. Warum also nicht eine vorhandene Fläche wie die Gleise des Hauptbahnhofes überbauen? Diese Idee kam den renommierten Architekten des Büro Bates Smart, als sie von der Absicht des Bundesstaates New South Wales erfuhren, das Stadion im Moore Park abzureißen und an gleicher Stelle ein neues zu errichten. Das danebenliegende Cricketstadion sollte erhalten bleiben. Umgerechnet rund 600 Millionen Euro soll das Projekt kosten.

Parkplätze würden zu Grünland

Neben den beiden Stadien verschlingen zahlreiche Parkplätze wertvolle Flächen am Rand der Innenstadt. Die könnte man einsparen, sagten sich die Architekten des Büros Bates Smart, das in Sydney und Melbourne angesiedelt ist. Denn nichts ist in Sydney besser zu erreichen als der Hauptbahnhof. Also haben sie vorgeschlagen, das neue Stadion über dem Hauptbahnhof zu bauen. Wer dann zum Fußball oder Rugby fahren will, setzt sich nicht mehr ins Auto und steht im Stau, sondern fährt einfach mit Bahn, Metro, Straßenbahn oder Bus.

Über Aufzüge und Rolltreppen erreichen die Sportfans dann gleich den Eingang zum Stadion. Das soll auf einer gigantischen Betonplatte ruhen, die sich über den Verkehrsknoten spannen soll. Zusätzlich sollen Wohnhäuser über den Gleisanlagen errichtet werden.

Der Moore Park könnte dagegen nach dem Abriss des alten Stadions und dessen Verlagerung zum Hauptbahnhof rekultiviert werden und der Bevölkerung als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen, ähnlich wie der Central Park in New York. Die riesigen Parkplätze würden grün.

Das Kolosseum in Rom als Vorbild

Die Architekten berufen sich auf das alte Rom. „Mit dem Kolosseum wurde das Stadion als öffentlicher Ort inmitten der städtischen Struktur etabliert; ein monumentales Stück Infrastruktur für öffentliche Spektakel.“ Heute würden große Veranstaltungsstätten zum Stadtrand hin verlegt, um Platz für riesige Parkplätze zu schaffen. Das findet Bates Smart überflüssig.

Stadien in den Städten sorgten dagegen für eine Belebung. Philip Vivian, Direktor des Architektenbüros, glaubt, dass der Trend, Veranstaltungsstätten aus den Städten auszulagern, sich umkehrt. Er verweist auf das Baseballstadion Camden Yards in Baltimore und das Docklands Stadium in Melbourne, die zur Neubelebung zentraler Bezirke geführt hätten. Auch im norwegischen Bergen entsteht ein innenstadtnahes neues Stadion.

Ein Fußballstadion ist ein Leichtgewicht

Vivian sagt, der Plan sei durchführbar, weil ein Stadion relativ leichtgewichtig sei. Es ähnele in der Bodenbelastung einem sechsstöckigen Gebäude. Die Statik sei kein Problem, hätten Experten des Ingenieurbüros Arup errechnet, das in Australien sieben Standorte hat. Erstes Projekt war 1963 die berühmte Oper von Sydney.

Ob sich die Idee von Bates Smart durchsetzt, ist allerdings offen. Die Regierung will bereits Ende dieses Jahres mit dem Abriss des alten Stadions beginnen. 2022 soll der Neubau schon fertig sein. Wenn das Bahnhofsprojekt realisiert würde, könnte das neue Stadion nicht so schnell fertig werden, weil es einer völlig neuen Planung bedarf.

Lust auf noch mehr Stadien? Hier stellen wir die spektakulärsten Stadien Frankreichs vor.

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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