Verheerender Brand in Paris 09.06.2020, 08:02 Uhr

Wiederaufbau Notre Dame: Wie weit sind die Restauratoren?

Im April 2019 zerstörten Flammen Notre Dame. Das Start-up Iconem arbeitet seitdem an einem detailgetreuen Nachbau der Pariser Kathedrale. Was als Kopie am Computer begann, könnte schon bald in der Wirklichkeit gebaut werden. Der Abbau des verformten Gerüsts in den Resten der Kathedrale hat begonnen.

Notre Dame

Alte Fotos von Notre Dame helfen bei der Restaurierung.

Foto: panthermedia.net/inspirationfoto

Das Flammen-Inferno, das sich 2019 in der Pariser Kathedrale Notre Dame abspielte, erschütterte nicht nur Frankreich, sondern die ganze Welt. Dank technischer Innovationen konnten wichtige Teile gerettet und die Kirche vor dem Einsturz bewahrt werden. Microsoft und Iconem arbeiten zusammen, um durch ein Open-Data-Projekt zur Restaurierung der Kathedrale beizutragen.

Open Notre Dame

Die Initiative soll zur “Erhaltung und Verbreitung des französischen Erbes beitragen”. Das französische Start-up und der Konzern Microsoft haben gemeinsam eine Webseite ins Leben gerufen, auf der Millionen Fotos von Notre Dame gesammelt wurden. Touristen, Pariser und Internetnutzer wurden eingeladen, ihre Erinnerungsfotos der Kathedrale hochzuladen. Diese Dokumente konnten analysiert werden, um 3D-Modelle zu erstellen, die für den Wiederaufbau verwendet werden.

Brand Notre Dame: Abbau des verformten Gerüsts hat begonnen

In Paris hat währenddessen der Abbau des beim Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame verformten Gerüsts begonnen. Ein 80 Meter hoher Turmkran hob am 8. Juni immer wieder einen Korb auf das Dach des Gebäudes und brachte ihn wieder herunter. So werden demontierte Gerüstteile abtransportiert. Zum Hintergrund: Vor dem verheerenden Brand im April 2019 war die Turmspitze des Bauwerks restauriert worden. Auf dem Dach befand sich dafür ein Gerüst. Durch die Hitze des Feuers verformte es sich massiv. Insgesamt besteht das Gerüst aus 40.000 Teilen und wiegt 200 Tonnen. Vermutlich wird der Abbau der verformten Konstruktion noch den ganzen Sommer anhalten, so Christophe Rousselot von der Stiftung Notre-Dame. Wegen der Corona-Krise waren die Arbeiten zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen.

Rückblick: Vierungsturm brannte gänzlich ab

Die erschütternde Katastrophe ereignete sich am frühen Montagabend des 15. Aprils 2019 in der französischen Hauptstadt. Etwa 400 Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden benötigt, um den Brand bis zum darauffolgenden Morgen unter Kontrolle zu bringen. Der Schaden, der dabei entstand, ist enorm. Der Vierungsturm, das höchste Bauteil der 850 Jahre alten Kirche, brannte gänzlich ab und das hölzerne Dach des Kirchenschiffs brach in sich zusammen. Es bestand aus 1.300 Stämmen Eichenholz aus dem 13. Jahrhundert. Dabei wurden auch Teile des Gewölbes zerstört. Der Innenraum blieb jedoch weitestgehend von den Flammen verschont. Dazu hat auch innovative Technik ihren Teil beigetragen. Nicht nur Drohnen, die Einblicke des Brands per Luftaufnahme lieferten, sondern auch der Einsatz von Robotern bewahrte menschliche Helfer vor der großen Gefahr, im brennenden Gebäude unter herabfallenden Trümmern begraben zu werden.

Wie Technik half, die Notre Dame zu retten, lesen Sie hier.

Langjährige Partnerschaft zwischen Iconem und Microsoft

„Wir waren alle bewegt von dem Drama, das die Kathedrale Notre Dame betraf“, sagte Carlo Purassanta, Präsident von Microsoft Frankreich. Den Internetriesen und das Start-up verbindet eine langjährige Partnerschaft. Iconem hat bereits die antike Stadt Palmyra in Syrien digitalisiert.

„Jedes Bild ist wichtig, weil es ein Zeugnis darstellt, dass das Gebäude aus einer anderen Perspektive und zu einer anderen Zeit darstellt. Dieser Datensatz ist daher für das Restaurierungsprojekt von entscheidender Bedeutung , da wir durch das Verständnis der Vergangenheit des Denkmals die besten Entscheidungen für seine Zukunft treffen werden “, erklärt Yves Ubelmann, Präsident und Mitbegründer von Iconem.

Das Projekt begeistert viele Menschen in Frankreich, unter anderem den Fotografen Yann Arthus-Bertrand. Er hat zahlreiche Luftbilder des Denkmals aufgenommen. Mit Hilfe all dieser Fotos sind mit der Zeit hochpräzise 3D-Repliken entstanden.

Brand von Notre Dame: Hilfe war schnell klar

Bereits am frühen Morgen des 16. April 2019 war für Ubelmann klar, dass er sich mit seinem Team von Iconem in den Dienst des Wiederaufbaus der Kathedrale stellen möchte, sagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Normalerweise hilft der gelernte Architekt Ubelmann im Nahen und Mittleren Osten, Denkmäler zu retten. 3D-Animationen, Fotos und Videos vertreibt das Start-up an Musee, zum Beispiel an die Bundeskunsthalle Bonn. Weitere Ausstellungen waren für Brüssel und Washington geplant, die nun wegen der Coronakrise nicht stattfinden können.

Restauratoren erhalten 3D-Kopien

Notre Dame von außen und innen millimetergenau nachbauen: das ist eine große Herausforderung. Die Restauratoren bekommen dafür die erstellen 3D-Kopien. Zunächst soll das gotische Gotteshaus digital nachgebaut werden – und dann auch in der Realität. Unter opennotredame.org können Menschen immer noch mithelfen und Fotos eineichen. Sogar ein simples Bild mit dem Smartphone kann Wunder bewirken. Bislang sind 20.000 Bilder eingereicht worden.

Blei gestaltet den Wiederaufbau schwierig

Ein Jahr nach dem Brand gestaltet das Blei den Wiederaufbau der Kathedrale schwierig. Die fünf Millimeter dicken Dachplatten wogen mehr als 200 Tonnen. Sie sind beim Brand geschmolzen. Weitere 250 Tonnen Blei kommen aus dem zerstörten Vierungsturm dazu. Der Restaurationsarchitekt Eugène Viollet-le-Duc baute den Turm im 19. Jahrhundert. Noch während der Brand wütete, ist alles Transportierbare aus dem Denkmal geholt worden. Wenige Tage nach der Katastrophe wurden die Fenster ausgebaut – fast 1.000 Quadratmeter Glas. Heute klaffen an diesen Stellen schwarze Löcher.

Eine weitere Herausforderung ist die Demontage des Baugerüsts. Dieses war vor dem Brand aufgebaut worden, um den Vierungsturm zu restaurieren. Nach dem Einsturz des Turms ist das Gerüst jedoch stehen geblieben. Durch die Hitze der Flammen hat sich das Metall ineinander verklumpt. Viele Monate zogen sich die Arbeiten hin, nun in der Corona-Krise ist der Wiederaufbau erstmal zum Erliegen gekommen.

Wir haben mit dem Prüfingenieur Robert Hertle über die Wirkung von Feuer, Statik-Prüfungen und das Glück von Daten gesprochen. Zum Interview.

In maximal fünf Jahren soll Notre Dame schöner als zuvor in Paris erstrahlen – das hatte Präsident Macron den Franzosen versprochen.

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