Wiederaufbau der Kathedrale 09.07.2024, 11:00 Uhr

5 Jahre nach dem Brand von Notre Dame: Kathedrale bereit für Olympia?

Im April 2019 zerstörten Flammen große Teile von Notre Dame in Paris. Der Wiederaufbau ist bereits so weit fortgeschritten, dass die Fassade zu den Olympischen Spielen gerüstfrei sein soll. Im Innern sieht es etwas anders aus.

Hier ist Notre Dame noch komplett eingerüstet, mittlerweile sind Teile des Gerüsts bereits abgebaut.

Foto: Panthermedia.net/Patryk_Kosmider

Hier ist Notre Dame noch komplett eingerüstet, mittlerweile sind Teile des Gerüsts bereits abgebaut.

Foto: Panthermedia.net/Patryk_Kosmider

Das Flammeninferno in der Pariser Kathedrale Notre Dame am 15. April 2019 hat nicht nur Frankreich, sondern die ganze Welt erschüttert. Dank technischer Innovationen konnten wichtige Teile gerettet und die Kirche vor dem Einsturz bewahrt werden. Der Wiederaufbau der Kathedrale verzögerte sich. Als besonders hinderlich erwies sich das Gerüst, das während des Brandes ineinandergeschmolzen war und mühsam entfernt werden musste, zudem stellte es eine Gefahr für das beschädigte Mauerwerk des Langhauses dar.

Inzwischen sind die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass das Außengerüst bis zum Beginn der Olympischen Spiele verschwunden sein soll. Auch sonst scheint alles gut zu laufen, so dass der Eröffnungsgottesdienst am 8. Dezember nicht gefährdet ist. Im Folgenden werden die wichtigsten Etappen des Wiederaufbaus von Notre Dame in chronologischer Reihenfolge dargestellt.

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Wird Notre Dame bereits zu Olympia fertig?

Am 26. Juli beginnen die Olympischen Spiele in Paris und die Stadt möchte sich bei deren Auftakt von ihrer besten Seite zeigen. So besteht der feste Wunsch, dass Notre Dame bereits zu Olympia fertig ist und am 8. Dezember wieder Besucher in die Kathedrale kommen können. Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Prof. Barbara Schock-Werner hat sich am 6. Juli in einem Interview mit domradio.de darüber geäußert, wie realistisch das ist.

Laut Schock-Werner soll zumindest die Fassade bis zum Beginn der Olympischen Spiele gerüstfrei sein. Im Inneren sieht es etwas anders aus, zumal die Wände noch feucht vom Löschwasser sind. Immerhin wurden die Wände bereits weiß getüncht, doch selbst der Architekt befürchtet, so Schock-Werner in dem Interview, dass die Farbe in einigen Jahren abblättern könnte.

Präsident Macron ist das vorerst egal, er will das Prestigeobjekt so schnell wie möglich fertig haben. Wobei fertig ein relativer Begriff ist. Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin ist sich sicher, dass es nach der offiziellen Wiedereröffnung am 8. Dezember noch einige Jahre dauern wird, bis Notre Dame endgültig fertiggestellt ist.

Es wird alles für die Wiederöffnung 2024 getan

Unzählige Handwerker arbeiten daran, dass Notre Dame Ende 2024 wiedereröffnet werden kann. Als Termin wurde der 8. Dezember 2024 festgelegt. Ein ehrgeiziges Ziel, denn es gibt noch viel zu tun. Inzwischen ist der abgebrannte Dachstuhl wieder aufgebaut und der Spitzturm erstrahlt mit goldenem Hahn und Kreuz in altem Glanz. Rein äußerlich sind damit fast alle Spuren des Brandes beseitigt, das Gerüst wird nach und nach abgebaut. Zur Eröffnung der Olympischen Spiele am 26. Juli soll Notre-Dame fast vollständig in neuem Glanz erstrahlen.

Dass die Kirche nur fünf Jahre nach dem Brand wieder in neuem Glanz erstrahlt, ist auch dem digitalen Zwilling von Notre-Dame zu verdanken. Auf unserer Schwesterseite vdi-nachrichten.com haben wir dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht:  Notre-Dame: Bauforschung liefert Daten für den Katastrophenfall.

Zeitraffervideo vom Abbau des Gerüsts

Am 20. März wurde ein Zeitraffer-Video vom Abbau des Gerüsts veröffentlicht. Es zeigt, wie weit die Arbeiten bereits fortgeschritten sind.

Neuer Turm enthüllt

Mitte Februar 2024 wurde der neue Vierungsturm von Notre Dame enthüllt. Nach dem Abbau der Gerüstteile wurde der neue Spitzturm sichtbar, gekrönt von goldenem Hahn und Kreuz. Der Hahn erinnert an einen Phönix mit brennenden Federn – Symbol der Widerstandskraft und der Erneuerung.

Weiterhin ist ein Großteil der Kathedrale  von einem Gerüst umgeben, bis es komplett abgebaut werden kann, können noch Wochen und Monate vergehen. Die Stadt ist aber zuversichtlich, dass dies bis Beginn der olympischen Spiele zu realisieren ist. Zu den Restaurierungsmaßnahmen gehört der Einbau eines Bewässerungssystems unter dem Dach von Notre-Dame, das vor Feuer schützen soll.

Dachstuhl wiederhergestellt

Im Januar 2024 wurde der letzte Nagel ins Gebälk geschlagen – der neu errichte Dachstuhl wurde gebührend mit einem Richtfest gefeiert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron feierte diesen Meilenstein als riesigen Erfolg. Auf X (ehemals Twitter) postete Macron am Samstag ein Video vom Richtfest und schrieb dazu Jubilierendes: „Der Blumenstrauß der Zimmerleute wurde vom Jüngsten unter ihnen aufgestellt: Der Dachstuhl von Notre-Dame ist fertig! Französischer Stolz.“

Weniger gut kam ein im Dezember vorgestellter Plan an, die historischen Fenster im Südschiff der Kathedrale wieder einzubauen. Eigentlich hatten sie den Brand unbeschadet überstanden. Notre Dame soll stattdessen neue Glasfenster erhalten, die von zeitgenössischen Künstlern gestaltet werden. Die traditionsbewusste Nation startete daraufhin eine Petition, die schnell 120.000 Unterschriften sammeln konnte. Es war sogar von „Vandalismus“ die Rede.

Inneneinrichtung wurde bestellt

Anfang Juli 2023 wurde in den Medien berichtet, dass nun die neue Inneneinrichtung für Notre Dame bestellt wurde. Designer Guillaume Bardet gestaltet zum Beispiel Altar, Lesepult, Bischofsstuhl, Tabernakel und Taufbecken. Diese Einrichtungsgegenstände sollen alle aus Bronze gefertigt werden. Die Entwürfe haben sich gegen 68 andere Ideen durchgesetzt. Die Bestuhlung des Innenraums liegt in den Händen der Designerin Ionna Vautrin. Ingesamt 1.500 Stühle aus massiver Eiche sollen im Kirchenraum platziert werden. Das Mobiliar soll Ende September 2024 ausgeliefert werden.

Derweil geht es mit dem Aufbau des abgebrannten Dachstuhls voran. Die Zimmerleute führen dabei die Arbeiten an hunderten Tonnen Eichenbalken nach guter alter Handwerkstradition durch. So entsteht das Dachgebälk genauso wie vor rund 900 Jahren, als die Zimmermannskollegen das Dach von Notre Dame erstmals errichteten. Im 13. Jahrhundert wurden mit dem Dach echte architektonische Maßstäbe gesetzt. Die Handwerker heute wollen dies ebenfalls schaffen, allerdings stehen ihnen dafür zusätzlich noch Computer und andere Technologien zur Verfügung.

Wiedereröffnung von Notre Dame für Dezember 2024 geplant

Rund vier Jahre nach dem Brand von Notre Dame sind die Restaurierungsarbeiten an einem symbolischen Punkt angelangt und auch der Termin für die Wiedereröffnung steht fest: Es soll der 8. Dezember 2024 sein – auch wenn er auf wackeligen Füßen steht. Bereits jetzt ist klar, dass es einen Wettlauf mit der Zeit geben wird, denn noch steht viel Arbeit auf dem Programm. Rund 1.000 Personen sind derzeit handwerklich mit der Restaurierung und dem Wiederaufbau der Kathedrale beschäftigt.

Nach wie vor ist Notre Dame ein echter Publikumsmagnet – vor dem Brand war die Kirche die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Paris. Zahlreiche Menschen posieren, fotografieren und staunen Tag für Tag über den Baufortschritt, sogar eine hölzerne Tribüne wurde aufgebaut. Souvenirverkäufer und Verpflegungsstände kurbeln den Umsatz an und sorgen mit dafür, dass auf der Holztribüne an schönen Tagen kein Platz mehr frei ist. Dabei finden viele der Arbeiten gar nicht an der Kathedrale selbst statt, sondern in Werkstätten in ganz Frankreich – und auch in Köln.

Notre Dame Baustelle

Die Baustelle von Notre Dame in der Dämmerung.

Foto: Panthermedia.net/Patryk_Kosmider

Bis Ende des Jahres soll der Spitzturm fertig sein

Bis Ende 2023 soll der Spitzturm von Notre Dame nach und nach wieder in den Pariser Himmel wachsen. Zunächst wurde in einer Werkstatt in Val de Briey der Sockel dafür erstmals zusammengebaut. Allein dieser ist bereits monomental, ist er doch 16 Meter hoch und hat eine Grundfläche von 15 mal 13 Meter. Für den Dachstock und den Spitzturm wurden landesweit rund 2000 Eichen gefällt, einige davon auch auf privatem Grund.

Zum vierten Jahrestag des Brandes am 15. April 2023 war der Sockel dann wieder dort, wo er hingehört – auf dem Turm von Notre Dame. Nun geht es in den nächsten Monaten darum, den Spitzturm wieder so zu erbauen, wie er Jahrhunderte die Pariser Skyline bereicherte. Dass es so kommen würde, war gar nicht einmal so sicher. Der Wiederaufbau und wie er aussehen soll, regte die Fantasie zahlreicher Architekten an. Der französische Präsident sprach 2020 ein Machtwort und beschloss, dass der Turm wieder originalgetreu aufgebaut werden soll.

So wird Spitzturm von Notre Dame de Paris wieder in seiner ursprünglichen Höhe von knapp 66 Metern errichtet. Das Gerüst des Turms besteht aus wertvollem Eichenholz und wird von kunstvollen Statuen aus Kupfer geschmückt. Der Turm selbst wird hauptsächlich mit Blei bedeckt sein und auf seiner Spitze wird ein goldener Hahn prangen, wie es bereits der berühmte Architekt Eugène Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert geplant und umgesetzt hatte.

Hilfe von der Kölner Dombauhütte

Mitte April 2023 kehrten vier Fenster, die beim Brand der Kathedrale beschädigt wurden, zurück nach Paris. Sie wurden in der Kölner Dombauhütte restauriert. Die kunstvollen Fenster des französischen Glaskünstlers Jacques de Chevalier aus dem Jahr 1965 bestehen aus etwa 80 einzelnen Scheiben, die zusammen eine Fläche von rund 25 Quadratmetern ausmachen. Die Fenster müssen nun behutsam und schrittweise wieder in die Kathedrale eingefügt werden.

Die Restaurierung ist jedoch nicht ohne Herausforderungen. Aufgrund der hohen Bleibelastung in der Kathedrale müssen die Handwerker bei jedem Verlassen der Baustelle duschen und ihre Kleidung wechseln. Beim Brand 2019 waren rund 400 Tonnen Blei geschmolzen und teils verdampft, was zu einer gefährlichen Bleibelastung führte. Die Fenster selbst wurden vom giftigen Bleistaub befreit, der durch den Brand entstanden war.

Verwendung von Eisen war bahnbrechende Innovation

Im Zuge der Sanierungsarbeiten machten Arbeiter einen überraschenden Fund: Für die Verbindung von Steinen wurden bereits Metallklammern verwendet. Eigentlich dachte man bislang, dass im 12. Jahrhundert dafür noch Holz verwendet wurde. Untersuchungen und Probenentnahmen von zwölf Eisenklammern an verschiedenen Stellen der Kathedrale ergaben, dass Notre-Dame die erste bekannte gotische Kathedrale war, in der Eisen massiv als Baumaterial verwendet wurde, um Steine zu verbinden.

Durch eine Kombination aus Radiokohlenstoffdatierung, metallographischen Studien und chemischen Analysen von Schlackeneinschlüssen konnten Forscher unser Verständnis von der Eisenversorgung eines großen mittelalterlichen Bauhofs in Paris verbessern. Die Ergebnisse zeigen, dass die eingesetzten Eisenklammern zahlreiche Schweißnähte aufweisen und aus verschiedenen Regionen stammen, was auf einen lebendigen Eisenmarkt und eine florierende Recycling-Industrie in der Stadt hinweist.

Mittelalterliche Gräber unter Notre Dame entdeckt

Beim Wiederaufbau der abgebrannten Kirche haben Forschende bei archäologischen Untersuchungen bislang unbekannte Gräber entdeckt. Die Funde seien von „bemerkenswerter wissenschaftlicher Qualität“, so das französische Kulturministerium. Ein vollständig erhaltener Sarkophag aus Blei befindet sich unter den Gräbern, in dem mutmaßlich ein hoher Würdenträger aus dem 14. Jahrhundert beigesetzt worden war.

Auf Höhe der Vierung, wo sich Haupt- und Querschiff der Kathedrale kreuzen, entdeckten Forschende die Gräber. Unter dem jetzigen Bodenbelag der Kathedrale fanden sie zudem eine Grube, in der mehrfarbige Skulpturen lagen. Diese seien Teil des alten Lettners von Notre Dame, der um das Jahr 1230 errichtet und Anfang des 18. Jahrhunderts zerstört wurde. Beim Lettner handelt es sich um eine häufig kunstvoll verzierte Abtrennung, die den Raum der Geistlichen vom Rest des Kirchenschiffs trennte.

Innenansicht Notre Dame

Innenansicht von Notre Dame. Beim Wiederaufbau wurden bedeutende Gräber gefunden.

Foto: panthermedia.net/tommasolizzul

Ab hier können Sie die Geschehnisse rund um den Brand von Notre Dame nachlesen. Wir aktualisieren diesen Artikel fortlaufend.

Notre Dame ist abgesichert

Die französischen Behörden teilten Mitte Oktober 2021 mit, dass die Arbeiten zur Stabilisierung und Sicherung des historischen Bauwerks abgeschlossen seien. Nun können die eigentlichen Restaurierungsarbeiten starten – zweieinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand. Mit den Sicherungsarbeiten wurde bereits ein Tag nach dem Brand begonnen.

Notre Dame mit Seine

So sah Notre Dame vor dem Brand 2019 aus.

Foto: panthermedia.net/olly

Notre Dame: Ein großes Loch im Gewölbe

Vom Inneren der Kathedrale schauen Betrachter durch ein großes Loch im Gewölbe direkt in den Himmel. Über das Leck an der Stelle des abgestürzten Vierungsturms wird ein Schirm zum Schutz vor Witterung aufgespannt.

Das Start-up Iconem arbeitet seitdem an einem detailgetreuen Nachbau der Pariser Kathedrale. Frankreichs Präsident Macron forderte einst einen Wiederaufbau als „zeitgenössische architektonische Geste“. Inzwischen hat er hat seine Meinung geändert und möchte eine identische Rekonstruktion des eingestürzten Vierungsturms. Dass die Restaurierung nicht reibungslos verläuft, offenbart ein neuer Zoff um die Innengestaltung der Kathedrale.

Restaurierung sorgt für Streit

Viele Köche verderben den Brei: Dieser Spruch greift auch bei Innenarchitekten. Kritiker bezeichnen die Entwürfe zur Innengestaltung des Gotteshauses als „mehr Disneyland als Gotteshaus“. Werden die Besucher Notre Dame von Paris also doch nicht mehr wiedererkennen?

Vor allem die Frage, ob es sich um eine identische Rekonstruktion oder um eine Modernisierung des Wahrzeichens handelt, spaltet die französische Gesellschaft. Am äußeren Erscheinungsbild – mitsamt Spitzturm aus dem 19. Jahrhundert – soll sich nichts ändern. 1.200 Spezialisten hatten sich dafür ausgesprochen und auch die Pariser Bevölkerung wünscht sich diesen Erhalt. Für das Design im Inneren von Notre Dame soll dies jedoch nicht gelten – so die Pläne der Diözese. Die Entwürfe werden der Regierung vorgelegt, die als Eigentümer das letzte Wort hat.

Geistlicher Gilles Drouin will mit dem Projekt in erster Linie den Empfang von Kirchengängern und den jährlich bis zu zwölf Millionen Touristen verbessern. Die Messen zählen zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Notre Dame solle laut Drouin „kein Museum“ werden. Besucher sollen laut den Plänen nicht mehr durch Seitentüren eintreten, sondern direkt einen weiten Blick über den Altar bis zum Tabernakel bekommen. Kunsthistoriker kritisieren, dass die neuen Pläne den letzten Erhalt nach dem Brand „auch noch zerstören“ wollen. Änderungen am Wandschmuck oder gar beleuchtete Bänke sehen die Historiker ebenfalls kritisch. Aktuell werden Kirchenschiff und Chorbereich umfassend gesäubert.

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Wiederaufbau kann beginnen

Die Sanierungsarbeiten sind angelaufen. Der Vierungsturm wurde vom Architekten und Restaurator Eugène Viollet-Le-Duc im 19. Jahrhundert konstruiert und war am 15. April 2019 glühend in die Tiefe gestürzt. In Frankreich entbrannte schnelle eine Diskussion, ob der Turm identisch nach dem historischen Vorbild von 1859 oder als zeitgenössische Interpretation nachgebaut werden soll. Im März 2021 gab es eine Nachricht, die die Richtung andeutete, in der sich der Bau entwickeln wird: Die ersten Eichen werden markiert, mit denen die Turmspitze wieder errichtet werden soll. Zwei Jahre nach dem Brand von Notre Dame ist es beschlossene Sache: Der Dachstuhl soll historisch authentisch nachgebaut werden, nach mittelalterlichem Vorbild. Dafür werden 2.000 Eichen gefällt. Die Bäume sollen – auch als symbolische Geste – aus dem ganzen Land nach Paris kommen: Aus dem Elsass, aus der Bretagne, aus Korsika.

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Allerdings wird es Jahre dauern, bis die mächtigen Eichenstämme wirklich in ein neues Dachgebälk verwandelt sind. In etwa drei Jahren könnte der Dachstuhl halbwegs fertig sein – optimistisch geschätzt. Fertig ist Notre Dame dann noch nicht.

So sieht Notre Dame heute aus

Das Erstaunliche: Auf den allerersten Blick ist von der Brandkatastrophe gar nicht viel zu sehen. Wenn Touristen – von denen es in dieser Pandemie kaum welche gibt – oder Pariser selbst heute von vorne auf Notre Dame zulaufen, scheint mit dem Bauwerk noch alles in Ordnung zu sein. Frontal betrachtet sieht die Kathedrale fast unversehrt aus. Die berühmten beiden Türme stehen so, wie eh und je. Doch begibt man sich um das Gebäude herum, überrascht das Bild, was sich einem bietet. Das Ausmaß des Brandes vor über einem Jahr wird deutlich: Ganze Teile existieren einfach nicht mehr.

Notre Dame Vorderansicht
Wer vor Notre Dame steht, könnte meinen, dass der Brand gar nicht so viel zerstört hätte. Doch der Schein trügt.

Foto: privat

Notre Dame Seitenansicht
Aufnahme von Notre Dame 2020.

Foto: privat

Hintere Ansicht Notre Dame, Gerüst und Zerstörung
Wer um die Kathedrale herumläuft sieht, dass der Brand verheerende Auswirkungen hat.

Foto: privat

Wiederaufbau könnte noch 20 Jahre dauern

Der ehrgeizige Plan: Bis 2024 soll das Denkmal wieder aufgebaut sein, wenn Paris Gastgeber der Olympischen Spiele sein wird. Viele Experten geben jedoch an, dass das ein unrealistischer Zeitrahmen sei. Vielleicht sei die Kirche kosmetisch so weit wiederhergerichtet, dass sie an die Zeit vor dem Brand erinnere – mehr nicht.

Dies sieht auch der Direktor von Notre Dame, Patrick Chauvet, so und geht davon aus, dass die Baustelle noch 15 bis 20 Jahre bestehen bleibt.

„Ich kann Ihnen garantieren, dass es viel zu tun gibt“, so Chauvet nach der Karfreitagsliturgie 2021 in der nahe gelegenen Kirche Saint-Germain l’Auxerrois.

Dort hatte man zu Ostern die beim Brand gerettete Dornenkrone feierlich geehrt. Christen verehren die Reliquie als jene Dornenkrone, die Jesus am Kreuz getragen haben soll. Kaplan Jean-Marc Fournier war in die brennende Kathedrale gerannt, um die wertvolle Reliquie und andere Kirchenheiligtümer zu retten. Passend: Fournier ist auch der Seelsorger der Feuerwehr – und ist in Paris nicht erst seit dem Brand von Notre Dame bekannt. Er war einer der ersten, die sich nach dem Terrorangriff auf den Club „Bataclan“ im November 2015 um die Verletzten kümmerte.

Open Notre Dame: Restaurierung der Kathedrale

Beim Wiederaufbau von Notre Dame soll auch die Promenade vor der Kirche neugestaltet werden. In normalen Zeiten besuchen bis zu 20 Millionen Menschen diesen Platz in Paris.

Microsoft und das Start-up Iconem arbeiten derweil zusammen, um durch ein Open-Data-Projekt zur Restaurierung der Kathedrale beizutragen. Die Initiative soll zur “Erhaltung und Verbreitung des französischen Erbes beitragen”. Das französische Start-up und der Mega-Konzern Microsoft haben gemeinsam eine Webseite ins Leben gerufen, auf der Millionen Fotos von Notre Dame gesammelt wurden. Touristen, Pariser und Internetnutzer wurden eingeladen, ihre Erinnerungsfotos der Kathedrale hochzuladen. Diese Dokumente konnten analysiert werden, um 3D-Modelle zu erstellen, die für den Wiederaufbau verwendet werden.

Macron sprach sich währenddessen dafür aus, langlebige Materialien für die Restaurierung einzusetzen. Ein zeitgenössischer architektonischer Entwurf soll nun eher im Umfeld der Kathedrale entstehen. Dazu will sich der Präsident eng mit der Stadt Paris abstimmen. Ein Großteil der Bevölkerung wünscht sich eine historische Restaurierung, die den Charakter der Kathedrale erhält.

Brand Notre Dame: Abbau des verformten Gerüsts endlich geglückt

Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeiten an der Kirche. In Paris hatte vor dem Lockdown im Sommer 2020 der Abbau des beim Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame verformten Gerüsts begonnen. Ein 80 Meter hoher Turmkran hob am 8. Juni immer wieder einen Korb auf das Dach des Gebäudes und brachte ihn wieder herunter. So werden demontierte Gerüstteile abtransportiert. Zum Hintergrund: Vor dem verheerenden Brand im April 2019 war die Turmspitze des Bauwerks restauriert worden. Auf dem Dach befand sich dafür ein Gerüst. Durch die Hitze des Feuers verformte es sich massiv.

Insgesamt besteht das Gerüst aus 40.000 Teilen und wiegt 200 Tonnen. Der Abbau der verformten Konstruktion ist nach sechs Monaten beständiger Arbeit geglückt. Wegen der Corona-Krise waren die Arbeiten in den letzten Monaten zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen und auch jetzt verzögern sich die Arbeiten: Frankreich gehört zu den europäischen Ländern, die besonders hart von der Pandemie betroffen sind. In Paris gelten immer wieder Ausgangssperren.

Streit um Glasfenster entfacht

Ist eine Baustelle behoben, tut sich die nächste auf. Der Pariser Erzbischof Aupetit denkt darüber nach, die bisherigen Glasfenster in den Seitenkapellen durch zeitgenössische Werke zu ersetzen. Seitdem herrscht in Paris Aufregung. „Gnade für Notre-Dame, Hochwürden“, empört sich beispielsweise der Schriftsteller Jean-Marie Rouart.  Er fragt entsetzt, ob nach den „Eiterbeulen“ von Anselm Kiefers im Pantheon gerade installierten Vitrinen zum Ersten Weltkrieg, schon die nächste Denkmalschändung bevorstehe. Die Kulturministerin Roselyne Bachelot-Narquin sagte auf den Vorschlag des Erzbischofs hin: „Kommt nicht infrage.“


Geschichte von Notre Dame

  • Die Kirche wurde zwischen 1163 bis 1345 errichtet und ist einer der frühesten gotischen Kirchenbauten Frankreichs. Er entstand in einer Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik. Deshalb disponierten die Bauherren und Baumeister immer wieder um: Teile der Kirche, wie etwa das Querschiff, die noch im romanischen Stil erbaut worden waren, wurden wieder abgerissen und im neuen Gotik-Stil errichtet.
  • Eine von vielen Besonderheiten: Die Hauptachse verläuft parallel zum Ufer des rechten Armes der Seine, wodurch die Apsis mit dem Altar nicht genau nach Osten, sondern etwa 30 Grad südlicher weist.
  • Die Proportionen der berühmten Fassade beruhen auf ineinander verschränkten Quadraten. Sie bilden ein Rechteck im Seitenverhältnis von 2:3. Eine Proportion, die die Harmonie und Ordnung des Universums widerspiegeln sollte.
  • Ab 1239 – zu diesem Zeitpunkt ist die Kathedrale noch lange nicht nicht fertig – beherbergt Notre Dame die Dornenkrone Christi, eine der wertvollsten Reliquien des Christentums.
  • Im Zuge der Französischen Revolution wurde Notre Dame wie viele Kirchen im Land von Revolutionären gestürmt und geplündert. Man erklärte sie zu einem Tempel der Vernunft, zeitweise diente das Gebäude als Weinlager. Unter Napoleon, der sich später hier zum Kaiser krönen ließ, wurde die Kirche dann ab Beginn des 19. Jahrhunderts wieder liturgisch verwendet.
  • Nachdem das Gebäude jahrelang beinahe dem schleichenden Verfall überlassen worden war, rückte Victor Hugos Roman „Der Glöckner von Notre Dame“ die Kathedrale wieder verstärkt in den öffentlichen Blick. Unter der Federführung des Architekten Eugène Viollet-le-duc wurde Notre Dame in den 1840er und 1850er Jahren umfassend restauriert.

Der Wiederaufbau von Notre Dame wird durch so manche Sorgen begleitet – aber keine Geldnöte. Circa eine Milliarde Euro sind nach dem Brand in wenigen Tagen an Spenden zusammengekommen. Die französischen Milliardärsfamilien Arnault, Bettencourt und Pinault spendeten rund die Hälfte davon.

Ausbau der Orgel von Notre Dame dauert Jahre

Nach dem Brand muss auch die Orgel der Pariser Kathedrale gereinigt werden. Das Instrument hat das Feuer überlebt, allerdings wurde das Musikinstrument wurde mit bleihaltigen Rückständen überzogen. Der Abbau der rund 8.000 Pfeifen hat begonnen. Da die Arbeiten sehr aufwändig sind, wird es mehrere Jahre dauern. Jede einzelne Pfeife muss ausgebaut und gesäubert werden. Das kann bis zu vier Jahre dauern. Im Feuerinferno sind die 8.000 Pfeifen zum Glück nicht geschmolzen. Im Inneren der Orgel befindet sich ein Thermometer.

Am Tag des Brandes hat nie mehr als 17 Grad Celsius gemessen. Die Elektrik hat nach ersten Untersuchungen ebenfalls keinen Schaden genommen. Selbst das Löschwasser konnte der Orgel nichts anhaben. Das ist der Unterschied zum Brand von Nantes am 18. Juli 2020. In dieser französischen Kathedrale ist die Orgel völlig zerstört worden. Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sagte gegenüber INGENIEUR.de, dass es eigentlich nicht so viel Brennbares in Kirchenräumen gibt. Die Orgel sei allerdings „ein wunder Punkt“.

Eichen für den Wiederaufbau von Notre Dame

Was haben der staatliche Wald von Bercé und die abgebrannte Kathedrale Notre Dame gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts, doch die Eichen aus diesem Wald werden einen wichtigen Beitrag für das Denkmal leisten. Die erste Eiche wurde nun 200 Kilometer südwestlich von Paris für den Wiederaufbau der Turmspitze markiert. 1.000 staatliche Bäume sollen Notre Dame in luftigen Höhen wieder erstrahlen lassen. Ein Teil dieses Wahrzeichens fiel der Zerstörung durch das Feuer zum Opfer. Die nächste Etappe in Sachen Rekonstruktion ist erreicht.

Ministerin Roselyne Bachelot sagt: „Wir brauchen all dieses Holz, weil die Entscheidung getroffen wurde, die Kathedrale so wiederaufzubauen, wie sie vorher war, also vor dem Feuer und seit den Arbeiten des Architekten Eugène Viollet-le-Duc, die 1843 begannen.“

Bis Ende 2021 sollen die Eichen fallen. Insgesamt werden 2.000 Bäume benötigt, die jeweils zur Hälfte aus öffentlichen und privaten Wäldern im ganzen Land kommen sollen. Zum Teil werden die Bäume für den Wiederaufbau des Spitzturms eingesetzt, die andere Hälfte für die Rekonstruktion des Dachstuhls. 2024 soll Notre Dame wiedereröffnet werden.

Das Vorhaben hat Umweltschützer auf den Plan gerufen. Sie sprechen von einem „Ökozid“.  42.000 Umweltschützer gehen mit einer Petition gegen das Abholzen vor, doch die ansässige Waldwirtschaft wiegelt ab. Aus ihrer Sicht handelt es sich um 0,1 % der jährlichen Gesamternte. Da Notre Dame im historischen Stil mit Eichen und Blei wiederaufgebaut wird, sind die Bäume von Nöten. Andere Kathedralen, etwa die von Nantes, werden auch mit Betonelementen erneuert.

2024 soll das erste Konzert wieder stattfinden

Sollte der Wiederaufbau der Orgel bis 2024 geglückt sein, soll auch in diesem Jahr das erste Orgelkonzert stattfinden. Im April 2024 würde die Orgel der Pariser Kathedrale wieder erklingen. Das wäre der fünfte Jahrestag der Brandkatastrophe. Der französische Präsident Emmanuel Macron strebt an, die Notre Dame im Jahr 2024 wieder für die Öffentlichkeit freizugeben.

An Weihnachten 2020 kehrte ein Stück Normalität in die Kathedrale zurück. Ein kleines Konzert fand erstmals wieder statt und wurde auch im Fernsehen übertragen. 20 Sängerinnen und Sänger des Erwachsenenchors von Notre Dame sowie zwei Solisten wirkten mit.

Das Fachmagazin „Bauingenieur“ hat darüber geschrieben, wie ein Brand wie in Notre Dame verhindert werden kann. Zum Artikel.

Brand von Notre Dame wird verfilmt

Der französische Regisseur Jean-Jacques Annaud verfilmt den Brand von Notre Dame. Die Dreharbeiten haben bereits begonnen. Im April 2022 soll der Film in die Kinos kommen – zum dritten Jahrestag des Brandes. Gedreht wird unter anderem in der gotischen Kathedrale von Bourges. Die Kathedrale Saint Etienne zählt seit 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe. Saint Etienne beeindruckt durch eine imposante Länge von 125 Metern und fast zerbrechlich wirkenden Strebewerke.

Annaud ist ein originalgetreues Drehbuch wichtig, daher soll sich der Spielfilm zu 98 % an der Realität bewegen. Laut ihm sei die Wahrheit in diesem Fall „viel opulenter und burlesker“ als jede Fiktion. Der 77-Jährige Regisseur wurde mit dem Film „Der Name der Rose“ aus dem Jahr 1986 bekannt.

Rückblick: Vierungsturm brannte gänzlich ab

Die erschütternde Katastrophe ereignete sich am frühen Montagabend des 15. Aprils 2019 in der französischen Hauptstadt. Etwa 400 Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden benötigt, um den Brand bis zum darauffolgenden Morgen unter Kontrolle zu bringen. Der Schaden, der dabei entstand, ist enorm. Der Vierungsturm, das höchste Bauteil der 850 Jahre alten Kirche, brannte gänzlich ab und das hölzerne Dach des Kirchenschiffs brach in sich zusammen. Es bestand aus 1.300 Stämmen Eichenholz aus dem 13. Jahrhundert. Dabei wurden auch Teile des Gewölbes zerstört. Der Innenraum blieb jedoch weitestgehend von den Flammen verschont. Dazu hat auch innovative Technik ihren Teil beigetragen. Nicht nur Drohnen, die Einblicke des Brands per Luftaufnahme lieferten, sondern auch der Einsatz von Robotern bewahrte menschliche Helfer vor der großen Gefahr, im brennenden Gebäude unter herabfallenden Trümmern begraben zu werden.

Wie Technik half, die Notre Dame zu retten, lesen Sie hier.

Langjährige Partnerschaft zwischen Iconem und Microsoft

„Wir waren alle bewegt von dem Drama, das die Kathedrale Notre Dame betraf“, sagte Carlo Purassanta, Präsident von Microsoft Frankreich. Den Internetriesen und das Start-up verbindet eine langjährige Partnerschaft. Iconem hat bereits die antike Stadt Palmyra in Syrien digitalisiert.

„Jedes Bild ist wichtig, weil es ein Zeugnis darstellt, dass das Gebäude aus einer anderen Perspektive und zu einer anderen Zeit darstellt. Dieser Datensatz ist daher für das Restaurierungsprojekt von entscheidender Bedeutung , da wir durch das Verständnis der Vergangenheit des Denkmals die besten Entscheidungen für seine Zukunft treffen werden “, erklärt Yves Ubelmann, Präsident und Mitbegründer von Iconem.

Das Projekt begeistert viele Menschen in Frankreich, unter anderem den Fotografen Yann Arthus-Bertrand. Er hat zahlreiche Luftbilder des Denkmals aufgenommen. Mit Hilfe all dieser Fotos sind mit der Zeit hochpräzise 3D-Repliken entstanden.

Brand von Notre Dame: Hilfe war schnell klar

Bereits am frühen Morgen des 16. April 2019 war für Ubelmann klar, dass er sich mit seinem Team von Iconem in den Dienst des Wiederaufbaus der Kathedrale stellen möchte, sagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Normalerweise hilft der gelernte Architekt Ubelmann im Nahen und Mittleren Osten, Denkmäler zu retten. 3D-Animationen, Fotos und Videos vertreibt das Start-up an Musee, zum Beispiel an die Bundeskunsthalle Bonn. Weitere Ausstellungen waren für Brüssel und Washington geplant, die nun wegen der Coronakrise nicht stattfinden können.

Restauratoren erhalten 3D-Kopien

Notre Dame von außen und innen millimetergenau nachbauen: das ist eine große Herausforderung. Die Restauratoren bekommen dafür die erstellen 3D-Kopien. Zunächst soll das gotische Gotteshaus digital nachgebaut werden – und dann auch in der Realität. Unter opennotredame.org können Menschen immer noch mithelfen und Fotos eineichen. Sogar ein simples Bild mit dem Smartphone kann Wunder bewirken. Bislang sind 20.000 Bilder eingereicht worden.

Blei gestaltet den Wiederaufbau schwierig

Über ein Jahr nach dem Brand gestaltet das Blei den Wiederaufbau der Kathedrale schwierig. Die fünf Millimeter dicken Dachplatten wogen mehr als 200 Tonnen. Sie sind beim Brand geschmolzen. Weitere 250 Tonnen Blei kommen aus dem zerstörten Vierungsturm dazu. Der Restaurationsarchitekt Eugène Viollet-le-Duc baute den Turm im 19. Jahrhundert. Noch während der Brand wütete, ist alles Transportierbare aus dem Denkmal geholt worden. Wenige Tage nach der Katastrophe wurden die Fenster ausgebaut – fast 1.000 Quadratmeter Glas. Heute klaffen an diesen Stellen schwarze Löcher.

Wir haben mit dem Prüfingenieur Robert Hertle über die Wirkung von Feuer, Statik-Prüfungen und das Glück von Daten gesprochen. Zum Interview.

Fünf Jahre nach dem Brand soll Notre Dame schöner als zuvor in Paris erstrahlen – das hatte Präsident Macron den Franzosen versprochen.

Dokumentation über den Wiederaufbau von Notre Dame

Der Sender Arte hat auf Youtube eine Dokumentation über den Wiederaufbau von Notre Dame veröffentlicht, die wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchten.

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Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

  • Peter Sieben

    Peter Sieben schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Referentin für Presse und Kommunikation beim VDI e.V.

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