Verheerender Brand in Paris 20.11.2020, 07:58 Uhr

Erschreckende Bilder: So sieht Notre Dame jetzt aus – und so soll das Denkmal wieder erstrahlen

Im April 2019 zerstörten Flammen Notre Dame. Bilder zeigen, was von der berühmten Kathedrale noch steht – das ist erschreckend wenig. Die Corona-Pandemie erschwert jetzt die Arbeiten an der berühmten Kirche.

Foto: panthermedia.net/sborisov

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Das Flammen-Inferno, das sich 2019 in der Pariser Kathedrale Notre Dame abspielte, erschütterte nicht nur Frankreich, sondern die ganze Welt. Dank technischer Innovationen konnten wichtige Teile gerettet und die Kirche vor dem Einsturz bewahrt werden.

Das Start-up Iconem arbeitet seitdem an einem detailgetreuen Nachbau der Pariser Kathedrale. Frankreichs Präsident Macron forderte einst einen Wiederaufbau als „zeitgenössische architektonische Geste“ Nun hat er hat seine Meinung geändert und möchte eine identische Rekonstruktion des eingestürzten Vierungsturms.

++Kathedrale von Nantes brennt: Orgel zerstört++

Der Vierungsturm wurde vom Architekten Viollet-Leduc konstruiert und war am 15. April 2019 glühend in die Tiefe gestürzt. In Frankreich entbrannte daraufhin eine Diskussion, ob der Turm identisch nach dem historischen Vorbild von 1859 oder als zeitgenössische Interpretation nachgebaut werden soll.

So sieht Notre Dame heute aus

Wenn Touristen oder Pariser selbst von vorne auf Notre Dame zulaufen, scheint mit dem Bauwerk noch in Ordnung zu sein. Frontal sieht die Kathedrale fast unversehrt aus. Die berühmten beiden Türme stehen so, wie eh und je. Doch begibt man sich um das Gebäude herum, überrascht das Bild, was sich einem bietet. Das Ausmaß des Brandes vor über einem Jahr wird deutlich: Ganze Teile existieren einfach nicht mehr.

Notre Dame Vorderansicht

Wer vor Notre Dame steht, könnte meinen, dass der Brand gar nicht so viel zerstört hätte. Doch der Schein trügt.

Foto: privat

Notre Dame Seitenansicht

Aufnahme von Notre Dame 2020.

Foto: privat

Hintere Ansicht Notre Dame, Gerüst und Zerstörung

Wer um die Kathedrale herumläuft sieht, dass der Brand verheerende Auswirkungen hat.

Foto: privat

Open Notre Dame: Restaurierung der Kathedrale

Microsoft und Iconem arbeiten zusammen, um durch ein Open-Data-Projekt zur Restaurierung der Kathedrale beizutragen. Die Initiative soll zur “Erhaltung und Verbreitung des französischen Erbes beitragen”. Das französische Start-up und der Konzern Microsoft haben gemeinsam eine Webseite ins Leben gerufen, auf der Millionen Fotos von Notre Dame gesammelt wurden. Touristen, Pariser und Internetnutzer wurden eingeladen, ihre Erinnerungsfotos der Kathedrale hochzuladen. Diese Dokumente konnten analysiert werden, um 3D-Modelle zu erstellen, die für den Wiederaufbau verwendet werden.

Macron sprach sich währenddessen dafür aus, langlebige Materialien für die Restaurierung einzusetzen. Ein zeitgenössischer architektonischer Entwurf soll nun eher im Umfeld der Kathedrale entstehen. Dazu will sich der Präsident eng mit der Stadt Paris abstimmen. Ein Großteil der Bevölkerung wünscht sich eine historische Restaurierung, die den Charakter der Kathedrale erhält.

Brand Notre Dame: Abbau des verformten Gerüsts hat begonnen

Die Corona-Pandemie erschwert derweil die Arbeiten an der Kirche. In Paris hatte vor dem Lockdown im Sommer der Abbau des beim Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame verformten Gerüsts begonnen. Ein 80 Meter hoher Turmkran hob am 8. Juni immer wieder einen Korb auf das Dach des Gebäudes und brachte ihn wieder herunter. So werden demontierte Gerüstteile abtransportiert. Zum Hintergrund: Vor dem verheerenden Brand im April 2019 war die Turmspitze des Bauwerks restauriert worden. Auf dem Dach befand sich dafür ein Gerüst. Durch die Hitze des Feuers verformte es sich massiv.

Insgesamt besteht das Gerüst aus 40.000 Teilen und wiegt 200 Tonnen. Der Abbau der verformten Konstruktion werde wohl noch den ganzen Sommer anhalten, sagte damals Christophe Rousselot von der Stiftung Notre-Dame. Wegen der Corona-Krise waren die Arbeiten in den letzten Monaten zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen und auch jetzt verzögern sich die Arbeiten: Frankreich gehört zu den europäischen Ländern, die besonders hart von der Pandemie betroffen sind. In Paris gelten immer wieder Ausgangssperren.

Ausbau der Orgel von Notre Dame dauert Jahre

Nach dem Brand muss  auch die Orgel der Pariser Kathedrale gereinigt werden. Das Instrument hat das Feuer überlebt, allerdings wurde das Musikinstrument wurde mit bleihaltigen Rückständen überzogen. Der Abbau der rund 8.000 Pfeifen hat nun begonnen. Da die Arbeiten sehr aufwändig sind, wird es mehrere Jahre dauern. Jede einzelne Pfeife muss ausgebaut und gesäubert werden. Das kann bis zu vier Jahre dauern. Im Feuerinferno sind die 8.000 Pfeifen zum Glück nicht geschmolzen. Im Inneren der Orgel befindet sich ein Thermometer.

Am Tag des Brandes hat nie mehr als 17 Grad Celsius gemessen. Die Elektrik hat nach ersten Untersuchungen ebenfalls keinen Schaden genommen. Selbst das Löschwasser konnte der Orgel nichts anhaben. Das ist der Unterschied zum Brand von Nantes am 18. Juli 2020. In dieser französischen Kathedrale ist die Orgel völlig zerstört worden. Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sagte gegenüber INGENIEUR.de, dass es eigentlich nicht so viel Brennbares in Kirchenräumen gibt. Die Orgel sei allerdings „ein wunder Punkt“.

2024 soll das erste Konzert wieder stattfinden

Sollte der Wiederaufbau der Orgel bis 2024 geglückt sein, soll auch in diesem Jahr das erste Orgelkonzert stattfinden. Im April 2024 würde die Orgel der Pariser Kathedrale wieder erklingen. Das wäre der fünfte Jahrestag der Brandkatastrophe. Der französische Präsident Emmanuel Macron strebt an, die Notre Dame im Jahr 2024 wieder für die Öffentlichkeit freizugeben.

Das Fachmagazin „Bauingenieur“ hat darüber geschrieben, wie ein Brand wie in Notre Dame verhindert werden kann. Zum Artikel.

Rückblick: Vierungsturm brannte gänzlich ab

Die erschütternde Katastrophe ereignete sich am frühen Montagabend des 15. Aprils 2019 in der französischen Hauptstadt. Etwa 400 Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden benötigt, um den Brand bis zum darauffolgenden Morgen unter Kontrolle zu bringen. Der Schaden, der dabei entstand, ist enorm. Der Vierungsturm, das höchste Bauteil der 850 Jahre alten Kirche, brannte gänzlich ab und das hölzerne Dach des Kirchenschiffs brach in sich zusammen. Es bestand aus 1.300 Stämmen Eichenholz aus dem 13. Jahrhundert. Dabei wurden auch Teile des Gewölbes zerstört. Der Innenraum blieb jedoch weitestgehend von den Flammen verschont. Dazu hat auch innovative Technik ihren Teil beigetragen. Nicht nur Drohnen, die Einblicke des Brands per Luftaufnahme lieferten, sondern auch der Einsatz von Robotern bewahrte menschliche Helfer vor der großen Gefahr, im brennenden Gebäude unter herabfallenden Trümmern begraben zu werden.

Wie Technik half, die Notre Dame zu retten, lesen Sie hier.

Langjährige Partnerschaft zwischen Iconem und Microsoft

„Wir waren alle bewegt von dem Drama, das die Kathedrale Notre Dame betraf“, sagte Carlo Purassanta, Präsident von Microsoft Frankreich. Den Internetriesen und das Start-up verbindet eine langjährige Partnerschaft. Iconem hat bereits die antike Stadt Palmyra in Syrien digitalisiert.

„Jedes Bild ist wichtig, weil es ein Zeugnis darstellt, dass das Gebäude aus einer anderen Perspektive und zu einer anderen Zeit darstellt. Dieser Datensatz ist daher für das Restaurierungsprojekt von entscheidender Bedeutung , da wir durch das Verständnis der Vergangenheit des Denkmals die besten Entscheidungen für seine Zukunft treffen werden “, erklärt Yves Ubelmann, Präsident und Mitbegründer von Iconem.

Das Projekt begeistert viele Menschen in Frankreich, unter anderem den Fotografen Yann Arthus-Bertrand. Er hat zahlreiche Luftbilder des Denkmals aufgenommen. Mit Hilfe all dieser Fotos sind mit der Zeit hochpräzise 3D-Repliken entstanden.

Brand von Notre Dame: Hilfe war schnell klar

Bereits am frühen Morgen des 16. April 2019 war für Ubelmann klar, dass er sich mit seinem Team von Iconem in den Dienst des Wiederaufbaus der Kathedrale stellen möchte, sagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Normalerweise hilft der gelernte Architekt Ubelmann im Nahen und Mittleren Osten, Denkmäler zu retten. 3D-Animationen, Fotos und Videos vertreibt das Start-up an Musee, zum Beispiel an die Bundeskunsthalle Bonn. Weitere Ausstellungen waren für Brüssel und Washington geplant, die nun wegen der Coronakrise nicht stattfinden können.

Restauratoren erhalten 3D-Kopien

Notre Dame von außen und innen millimetergenau nachbauen: das ist eine große Herausforderung. Die Restauratoren bekommen dafür die erstellen 3D-Kopien. Zunächst soll das gotische Gotteshaus digital nachgebaut werden – und dann auch in der Realität. Unter opennotredame.org können Menschen immer noch mithelfen und Fotos eineichen. Sogar ein simples Bild mit dem Smartphone kann Wunder bewirken. Bislang sind 20.000 Bilder eingereicht worden.

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Blei gestaltet den Wiederaufbau schwierig

Ein Jahr nach dem Brand gestaltet das Blei den Wiederaufbau der Kathedrale schwierig. Die fünf Millimeter dicken Dachplatten wogen mehr als 200 Tonnen. Sie sind beim Brand geschmolzen. Weitere 250 Tonnen Blei kommen aus dem zerstörten Vierungsturm dazu. Der Restaurationsarchitekt Eugène Viollet-le-Duc baute den Turm im 19. Jahrhundert. Noch während der Brand wütete, ist alles Transportierbare aus dem Denkmal geholt worden. Wenige Tage nach der Katastrophe wurden die Fenster ausgebaut – fast 1.000 Quadratmeter Glas. Heute klaffen an diesen Stellen schwarze Löcher.

Eine weitere Herausforderung ist die Demontage des Baugerüsts. Dieses war vor dem Brand aufgebaut worden, um den Vierungsturm zu restaurieren. Nach dem Einsturz des Turms ist das Gerüst jedoch stehen geblieben. Durch die Hitze der Flammen hat sich das Metall ineinander verklumpt. Viele Monate zogen sich die Arbeiten hin, nun in der Corona-Krise ist der Wiederaufbau erstmal zum Erliegen gekommen.

Wir haben mit dem Prüfingenieur Robert Hertle über die Wirkung von Feuer, Statik-Prüfungen und das Glück von Daten gesprochen. Zum Interview.

In maximal fünf Jahren soll Notre Dame schöner als zuvor in Paris erstrahlen – das hatte Präsident Macron den Franzosen versprochen.

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