Brandstiftung in gotischem Juwel in Frankreich 26.07.2020, 17:37 Uhr

Brand in Kathedrale von Nantes: Historische Orgel „völlig zerstört“

Am 18. Juli ist im französischen Ort Nantes ein Feuer in der Kathedrale ausgebrochen. Erinnerungen an den verheerenden Brand von Notre Dame werden wach. Nun gibt es ein Geständnis für die Tat.

Feuerwehrmann rennt brennende Treppe hoch

Feuerwehrleute im Einsatz.

Foto: panthermedia.net/Gorodenkoff

Ein Gemeindediener zündete die Kathedrale von Nantes an. Es handelt sich um den bereits verdächtigten 39-jährigen Mann, der aufgrund mangelnder Beweise wieder frei gelassen werden musste. Jetzt zeigte er sich geständig.

Der 39-Jährige hat als Freiwilliger für die Diözese gearbeitet. Er gestand, dass er an drei Stellen in der Kathedrale ein Feuer gelegt hat – und zwar an der großen Orgel der Kathedrale, an einer kleinen Orgel und einer elektrischen Schalttafel. Das Motiv des Täters ist noch offen.

Brand in Kathedrale von Nantes: Die Geschehnisse

Im April 2019 zerstörte ein Feuer große Teile der berühmten Kathedrale Notre Dame in Paris. Die Bilder sind noch heute erschreckend, wie Sie hier sehen. Prüf- und Bauingenieure nahmen nach dem Feuer ihre Arbeit auf; die Restaurierung läuft immer noch.

Am 18. Juli kam es erneut zu einem Brand in einem Gotteshaus in Frankreich: In der Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul von Nantes ist am Samstagmorgen ein Feuer ausgebrochen. 100 Feuerwehrleute sind seit 7.45 Uhr im Einsatz. Das teilte die Feuerwehr des nordfranzösischen Departements Loire-Atlantique mit. „Es handelt sich um einen Großbrand“, teilte ein Sprecher mit.

„Das Feuer ist nicht unter Kontrolle, es greift um sich“, erklärte die Feuerwehr am frühen Morgen.

Gegen 8.30 Uhr waren die Flammen nicht mehr sichtbar, aber dichter schwarzer Rauch stieg aus dem Gebäude auf. Das Feuer ließ sich nach zwei Stunden eindämmen, so der Leiter der örtlichen Feuerwehr, Laurent Ferlay.

Das Feuer sei am Rosettenfenster ausgebrochen. Große Schäden seien schon jetzt deutlich. Die zahlreichen Feuerwehrleute haben daran gearbeitet, die Katastrophe zu bekämpfen. Der Schaden begrenze sich auf die große Orgel, teilte Ferlay mit. Diese scheine „völlig zerstört“ zu sein. Die Plattform, auf der die Orgel stehe, sei instabil und drohe zusammenzubrechen.

Architektonisches Detail der Kathedrale Saint Pierre in Nantes Frankreich

Die Kathedrale von Nantes vor dem Feuer.

Foto: panthermedia.net/ Pierre-Olivier

Nantes: Ermittler verdächtigten Brandstifter bereits früh

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft „wurden in der Kathedrale von Nantes drei Feuerabgänge beobachtet, einer auf Höhe der großen Orgel und zwei links und rechts vom Kirchenschiff“. Eine Untersuchung ist bereits offen. Ermittler vermuten Brandstiftung und ermitteln in diese Richtung. Am Sonntag konnten die Ermittler einen Verdächtigen festnehmen. Das teilt die französische Staatsanwaltschaft mit.

Der Tatverdächtige sei für die Schließung der Kathedrale am Freitagabend verantwortlich gewesen. Aus diesem Grund wollen die Ermittler „bestimmte Aspekte seines Tagesablaufs“ klären. Aussagen dazu, ob der Mann an der mutmaßlichen Brandstiftung beteiligt gewesen sei, seien jedoch „verfrüht“.
Am Montag, 20. Juli, ist der in Gewahrsam genommener Mann wieder frei. Er sei nicht mehr der Brandstiftung verdächtig, erklärte der zuständige Staatsanwalt. Es gebe keine weitere Strafverfolgung, sagte Sennès der Lokalzeitung „Presse Océan“. Die Ermittler verfolgen weiterhin die Theorie, dass der Brand mit Absicht gelegt wurde, weil es in der Kathedrale drei Brandherde gegeben hatte. Ein Brandherd sei bei der Orgel und zwei weitere links und rechts im Kirchenschiff festgestellt worden. Spezialisten aus Paris sollen nun analysieren, wie der Brand entstand und wie er sich ausgebreitet hat.

„Es ist noch zu früh, ein abschließendes Urteil zu fällen. Die Brandspezialisten werden uns nun hoffentlich Aufklärung über die Ursachen der Katastrophe bringen“, sagte der Staatsanwalt.

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Nun steht fest, der Verdacht hat sich bestätigt. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Brandstifter laut Staatsanwaltschaft zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro. Da es keine Spur für eine gewaltsame Öffnung der Kathedrale gab, geriet der Mann schnell in Verdacht.

Pater vertraute dem Brandstifter

Der Rektor der Kathedrale, Peter Hubert Champenois, vertraute dem Angestellten. Er kenne den Mann seit fast fünf Jahren und sagt über ihn: “ Ich habe Vertrauen in ihn und in alle Mitarbeiter.“

Bei dem Feuer ist die große Orgel der Kathedrale vollständig abgebrannt. Eine Restaurierung wird nicht mehr möglich sein, wie die frühere Dombaumeisterin von Köln, Barbara Schock-Werner, gegenüber INGENIEUR.de mitteilte. Der Neubau dieser Orgel würde mindestens drei Jahre dauern, so die Expertin. Ein großes Buntglasfenster in der Fassade sowie einige Gemälde seien ebenfalls beschädigt worden. Diese Kulturgüter können aber laut der regionalen Kulturbehörde gerettet werden. Sie befinden sich nun im Schloss von Nantes.

Brand in der Kathedrale Nantes: „Es ist äußerst traurig“

Passanten standen am 18. Juli unter Schock und wurden an die Bilder des Brandes von Notre Dame erinnert. Cecile Renaud arbeitet in einer Bäckerei gegenüber der Kathedrale von Nantes und sagte gegenüber BFM TV, dass sie riesige Flammen im Inneren des Bauwerks gesehen habe. „Es war ein riesiger Schock. Es ist äußerst traurig.“

Bürger spendeten den Feuerwehrleuten Beifall – ein beliebtes Symbol in der Corona-Pandemie. Trotz der schnellen Erfolge der Feuerwehr sind die Schäden im Inneren der Kathedrale groß. Das Glasfenster der Rosette an der Hauptfassade ging durch das Feuer zu Bruch.

„Die große Orgel ist vollständig verbrannt, sie gibt es nicht mehr“, sagte Ferlay.

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Kathedrale in Nantes brennt nicht zum ersten Mal

Die berühmte Kathedrale stand schon während des Zweiten Weltkriegs 1944 in Flammen. Sie wurde nach einem Bombenangriff der Alliierten zum Teil zerstört. 1972 verwüstete ein Feuer das Dach der Kathedrale völlig. Nach 13 Jahren wurde das Gotteshaus wieder aufgebaut. Doch vor fünf Jahren ereignete sich ebenfalls ein großer Brand. 2015 wurden Teile der Basilika Saint-Donatien aus dem 19. Jahrhundert zerstört. In Nantes stehen zwei Basiliken und eine Kathedrale. Nantes ist eine Großstadt im Westen Frankreichs.

Die Kathedrale zählt zu den besten Werken der Spätgotik und weist mit mehr als 38 Metern eines der höchsten Gewölbe in Frankreich auf.  Sie ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und blickt auf eine lange Historie zurück.

Historie der Kathedrale von Nantes

Der erste Kathedralenbau in Nantes entstand ab dem Jahr 527, vollendet wurde er 549. Unter Bischof Benedikt von Cornouailles (1079–1112) erfuhr die Kathedrale einen Neubau, da zuvor Beschädigungen durch Einfälle der Nomannen entstanden. Nach diesem Neubau erhielt die Kathedrale ihre typischen Merkmale der Romanik Westfrankreichs. Der Bau der gotischen Kathedrale begann am 14. April 1434. Wilhelm von Dommartin-sur-Yèvre hieß der damalige Baumeister. Die beiden quadratischen Türme öffnen sich mit gewaltigen Doppelportalen zu den Flanken. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde die Fassade fertiggestellt. Wie an fast allen gotischen Kathedralen Frankreichs erfuhren die Türme aber keine Vollendung. Das südliche Querhaus wurde zum Beispiel erst zwischen 1631 bis 1637 vollendet.

Wo liegt Nantes in Frankreich?

Nantes ist die sechstgrößte Stadt Frankreichs und liegt in der Region Pays de la Loire. Nantes liegt an der Loire circa 50 Kilometer vom Atlantik entfernt. Die Großstadt bildet zusammen mit dem viertgrößten Hafen Frankreichs in St-Nazaire ein großes Wirtschaftszentrum am Atlantik.

In Nantes leben circa 310.000 Einwohner. Im Oktober 2010 bekam die französische Stadt als vierte Stadt die Auszeichnung Umwelthauptstadt Europas 2013.

Welche Orgeln gibt es in der Kathedrale von Nantes?

Es gibt mehrere Orgeln in der Kathedrale von Nantes – und zwar die Hauptorgel auf der Westempore sowie die Chororgel. Letztere wurde 1896 von Louis Debierre gebaut. Mit 31 Registern stellt sie die größte Chororgel in ganz Frankreich dar. Die Hauptorgel entstand bereits 1868 und wurde von dem deutschen Orgelbauer Merklin-Schütze errichtet. Sie weist 74 Register auf, die auf vier Manuale und Pedal verteilt waren. Unter einem Register versteht man bei einer Orgel, eine in der Regel über den gesamten Tonumfang reichende Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe, die als Einheit ein- oder ausgeschaltet werden können.

Premierminister Jean Castex will die Kathedrale noch heute besuchen. Kulturministerin Roselyne Bachelot und Innenminister Gérald Darmanin werden ihn begleiten. „Nach Notre-Dame steht die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im Herzen von Nantes in Flammen“, schrieb Staatschef Emmanuel Macron auf Twitter. Die Kirche sei ein „gotisches Juwel“.

Kölner Ex-Dombaumeisterin: „Orgelbrände sind besonders gefährlich“

Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sagt, dass es eigentlich nicht so viel Brennbares in Kirchenräumen gibt. Die Orgel sei allerdings „ein wunder Punkt“, wie auch das Feuer in Nantes gezeigt hat.

„Orgeln sind einfach das brennbarste Material, das es in Kirchen gibt“, sagte sie am Samstag dem kirchlichen Kölner Online-Portal domradio.de.

Schock-Werner zählt zu den Koordinatoren der deutschen Hilfe für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Dort ist das Feuer im Dachstuhl und nicht im Inneren (wie in Nantes) ausgebrochen. Orgeln sind sehr brandanfällig, weil dort viel Holz und Blei verbaut ist. Neben der Orgel gebe es vielleicht den ein oder anderen hölzernen Altar. „Allerdings seien in der Kathedrale in Nantes keine mittelalterlichen Altäre mehr. Die hat die Französische Revolution entfernt, gibt Schock-Werner an.

Wurden Lehren aus dem Brand von Notre Dame gezogen? „Ich fordere schon seit letztem Jahr, dass sich die Verantwortlichen – nicht nur für Kirchen, sondern für Kulturbauten überhaupt – mit Brandexperten zusammensetzen“, so die Kölnerin. Berieselungsanlagen und Wasser können die Kunstschätze in den Kathedralen schwer beschädigen. Moderne Technik müsse weitergegeben werden.

Wir haben ein ausführlicheres Interview mit der früheren Dombaumeisterin geführt. Lesen Sie hier, warum Prüfingenieure Brandschutz nicht aus dem Ärmel schütteln.

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Von Sarah Janczura

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