Wunderwerk der Architektur 31.03.2020, 08:07 Uhr

Ingenieurkunst: Der Eiffelturm von Paris

Funkmast, Denkmal, Touristenmagnet: Der Eiffelturm gehört zu einem der berühmtesten Gebäude der Welt. Er ist eines der Wahrzeichen von Frankreich und Aushängeschild für Loyalität, Liebe und Freiheit. Am 31.03.1889 wurde der Turm eingeweiht. Doch bei seiner Errichtung mussten architektonische Hürden genommen werden.

Eiffelturm

Der Eiffelturm in Paris. Ein Wahrzeichen der Ingenieurkunst.

Foto: panthermedia.net/YuliyaKirayonakBO

Die Errichtung des Pariser Eiffelturms dauerte seiner Zeit gut zwei Jahre. Die Bauphase wurde Anfang des Jahres 1887 eingeläutet und im März 1889 beendet. Er diente als Eingangsportal und Aussichtsplattform der Weltausstellung zum 100. Jahrestag der Französischen Revolution. Ursprünglich ragte der Eiffelturm 312 Meter in die Höhe und wurde nach seinem Konstrukteur, dem Ingenieur Alexandre Gustave Eiffel, benannt. Bei Künstlern und Gelehrten regte sich großer Widerstand gegen die Errichtung des Bauwerks. Sie protestierten dagegen, indem sie ihren Unmut zu Papier und unter die Bevölkerung brachten. Der Eiffelturm würde allein als Träger gedankenloser europäischer sowie amerikanischer Kunst über die Stadt ragen und die Architektur von Paris dadurch in den Schatten stellen. Es sollte eine Weile dauern, bis sich die eiserne Dame behaupten und auf Akzeptanz seitens des französischen Volkes stoßen würde.

Ein Bauwerk der Superlative auf Zeit

Ursprünglich sollte der Koloss lediglich zwanzig Jahre das Bild von Paris prägen, bevor er in seine Einzelteile zerlegt, wieder abgebaut, werden sollte. Der Turm gewann nicht nur für die Franzosen zunehmend an historischer Relevanz, indem er für Funk und später auch als militärische Telekommunikationsbasis während des ersten Weltkrieges genutzt wurde. Ganz Europa profitierte ab 1921 vom Eiffelturm als wichtiger Eckpfeiler für den öffentlichen Rundfunk.

Bis zur Fertigstellung des Chrysler Buildings in New York galt der Eiffelturm bis zum Jahr 1930 sogar als das höchste Gebäude der Welt.

Im Jahr 1935 nahm der erste französische Fernsehkanal Télévision Française 1 seine Aktivität auf. Dieser war seinerzeit mit 30 kW Leistung der stärkste Sender der Welt und wurde über den Eiffelturm an heimische Fernsehgeräte übertragen. Noch heute wird er als wichtigste Sendezentrale des Großraums Paris genutzt. Im oberen Teil des Gebäudes befindet sich zudem das mit dem Michelin-Stern ausgezeichnete Turmrestaurant „Le Jules Verne“.

Ikone der Architektur

Alexandre Gustave Eiffel, Konstrukteur der Dame de fer Tour de Eiffel wurde am 15. Dezember 1832 in Dijon geboren und starb am 27. Dezember 1923 in Paris. Er war maßgeblich als Ingenieur, Architekt und Namensgeber an der Errichtung des heute allseits beliebten Aushängeschilds von Paris beteiligt. Ein vorangegangenes wichtiges Projekt Eiffels war beispielsweise die Rolle als leitender Ingenieur beim Bau der 500 Meter langen Eisenbahnbrücke über die Garonne in Bordeaux, die im Jahr 1858 auf den Namen Passerelle Eiffel getauft wurde.

Trotz der späteren Selbstständigkeit bei verschiedenen Bauprojekten, die sich primär auf die Konstruktion von Eisenbahnstrecken und -brücken beschränkten, meldete Eiffel am 18. September 1884 ein Patent an. Dieses sollte für den späteren Bau des Eiffelturms entscheidend sein. Es handelte sich um ein neuartiges Verfahren, mit welchem Metallpfeiler und Pylonen in einer Höhe gebaut werden konnten, die die bisherige 300-Meter-Marke bei weitem überstieg. Dies erörterte Eiffel in einem Vortrag vor der Société des Ingénieurs civils am 30. März 1885. Konkret bedeutet dies, dass sich Eiffel die Physik der Windstärke zunutze machte, um die enormen Kräfte auf die innere Konstruktion umzuleiten.

Ingenieurkunst im Zeichen der Industrialisierung

So wie Wolkenkratzer in Erdbebenregionen diverse Federkonstruktionen aufweisen, leitet auch der Eiffelturm auftretende Spannungen in den Boden ab. Dadurch reduziert sich die Belastung der äußeren Gitterstäbe. Die durchdachte und kompliziert anmutende Architektur ist dennoch so simpel, dass diese als Geniestreich betrachtet werden kann. Sechzehn vertikal versetzte und in Vierergruppen zusammengefasste Eisenstreben ragen bogenförmig in den Himmel und werden durch die drei Besucherplattformen miteinander verbunden. Über der zweiten Plattform vereinen sich die Hauptstreben zu einem Pylonen. Die statisch wichtigen Plattformen, beziehungsweise horizontalen Verbindungen befinden sich jeweils auf einer Höhe von rund 57, 115 und 276 Metern. Insgesamt waren für den Bau über 2,5 Millionen Nietverbindungen fällig, welche die rund 18.000 einzelnen Elemente zusammenhalten. Die einzelnen Fundamente der Standfüße liegen unterhalb des Niveaus der Seine, wodurch für die Errichtung eine wasserdichte, mit Druckluft gefüllte Metallverschalung notwendig wird, welche das Grundwasser zurückdrängt.

Ausrichtung und praktischer Nutzen

Der Grundriss des Wahrzeichens ist quadratisch, wobei die Grundpfeiler einen Abstand von exakt 74,24 Metern zueinander aufweisen. Insgesamt ergibt sich daraus eine Spreizung von 124,9 Metern. Die Pfeiler sind außerdem punktgenau zu den Himmelsrichtungen ausgerichtet, wobei sich die Nord- und Westpfeiler der Seine zuwenden, während die Ost- und Südpfeiler in Richtung des Champ de Mars weisen. An den Pfeilern befinden sich außerdem die Kartenverkaufsstellen, der Zugang zu den Aufzügen sowie Treppen zu den Besucherplattformen und dem Turm-Restaurant.

Seit der ursprünglichen Errichtung wurde im Jahr 2001 eine Antenne an die Spitze des Bauwerks installiert, um dieses auch als Zentrale für digitales Fernsehen nutzen zu können. Bisweilen verharrt der Eiffelturm also auf einer Gesamthöhe von 324 Metern. Hier gibt es jedoch saisonale Schwankungen aufgrund der Ausdehnung der Metallstreben. Zwischen Sommer und Winter kann die Gesamthöhe des Fachwerkturms um etwa 30 Zentimeter schwanken.

Beginn einer Reihe von Nachbildungen

Der Bau der eisernen Dame löste weltweit eine wahre Turmbau-Euphorie aus. Was zuerst als umstrittenes Bauwerk galt, erlangte relativ schnell globale Prominenz. Der Eiffelturm dient als Vorbild und Pionierbauwerk der Stahlrevolution auf der gesamten Welt – selbst, wenn der Koloss genau genommen aus Eisen besteht.

Besonders während der Kolonialzeit erfreuten sich viele andere Mächte an der herausragenden Architektur des Eiffelturms. Zu den ersten Nachbauten zählen unter anderem der in den Jahren 1891 bis 1894 erbaute Blackpool Tower (Blackpool, England). Er ist 158,1 Meter hoch und zählt trotz seiner offensichtlichen Anlehnung und Adaption einzelner Bauelemente an den Pariser Eiffelturm als architektonisch gelungen. Er wurde sogar in den Denkmalschutz mit der höchsten Klassifizierung aufgenommen. Besonders interessant am Blackpool Tower ist der viktorianisch angehauchte Stil und das Beherbergen einer Reihe an renommierten Attraktionen wie beispielsweise einem Zirkus. Nach einer aufwendigen Restaurierung gilt er noch heute als Publikumsmagnet und absolutes Sightseeing-Muss im Raum von Nordwest-England.

Es gab jedoch auch weitere erfolgreiche Nachbauten, die, wie der Blackpool Tower, an Beliebtheit und Wichtigkeit gewannen. Im Januar 1890 war in St. Petersburg eine 60 Meter hohe Nachbildung aus Eis zu bestaunen. Ein Jahr später wurde in Prag der Aussichtsturm Petřín anlässlich einer Industrieausstellung errichtet – er misst ebenfalls 60 Meter. Selbst in Frankreich wurde dem Vorbild der eisernen Dame immer wieder nachgeeifert.

Geschichten erfolgloser Nachbauten

Als weniger erfolgreich, aber dennoch erwähnenswert, gestaltet sich der New Brighton Tower (Wallasey, England). 1886 begann der Bau des insgesamt 172,8 Meter hohen Turms. Aufgrund von qualitativ schlechtem Baumaterial und wenig Zuspruch durch Baufirmen und der Bevölkerung, musste die unfertige Konstruktion in den 1920er Jahren allerdings wieder abgetragen werden. Der Turm wurde also nie fertig gestellt und galt trotz seiner Anlehnung an den Eiffelturm als Fehlschlag.

Viele weitere dieser erfolglosen Nachbau-Versuche folgten, darunter auch ein Projekt inmitten von London. Der damalige Konstrukteur und Planer Sir Edward Watkin versuchte 1890 Gustave Eiffel selbst als Ingenieur für den auf eine Höhe von rund 358 Meter geplanten Watkin Tower zu gewinnen. Eiffel lehnte allerdings aus patriotischen Gründen ab und das Bauprojekt musste nach der Errichtung eines bereits 47 Meter hohen Turmstumpfes im Jahr 1907 abgebrochen werden.

Der Eiffelturm heute

Mittlerweile trägt der Turm mit rund 7 Millionen zahlenden Besuchern pro Jahr ausgiebig zur Tourismusbranche bei. Besucher können hier nicht nur das Restaurant Le Jules Verne besuchen, sondern auch einen Rundumblick über Paris von ganz oben genießen. Allerdings beeindruckt der Eiffelturm nicht nur durch seine imposante Höhe oder die Vielzahl an Beschäftigungs- und Nutzungsmöglichkeiten, die er ganzjährig und beinahe ununterbrochen seinen Besuchern bietet. Er gilt als Ikone der Architektur und der Ingenieurkunst und wird stetig mit den neusten Errungenschaften der Technik ausgestattet. Seit 1964 steht das Pariser Wahrzeichen sogar unter Denkmalschutz und 1986 wurde es von der American Society of Civil Engineers in die Liste der historischen Meilensteine der Ingenieursbaukunst aufgenommen. Des Weiteren gehört das gesamte Ufer der Seine mitsamt aller Bauwerke seit 1991 zum Kulturerbe der UNESCO.

Das Wahrzeichen wird grün

Der Betrieb des Eiffelturms, der an 365 Tagen im Jahr läuft, verursacht natürlich Kosten. Die Instandhaltung und der Stromverbrauch sind dabei besonders entscheidend. Allein die Aufzüge legen in einem Jahr rund 100.000 km zurück. Der gesamte Stromverbrauch liegt pro Jahr bei etwa 680.000 kWh. Anlässlich dieser Zahl entschieden sich die Betreiber der eisernen Dame im Jahr 2015 dazu, den Turm „grün werden zu lassen“. Auf einer Höhe von 127 Metern montierte das New Yorker Unternehmen Urban Green Energy (UEG) zwei Windturbinen des Typs VisionAIR5, die zumindest einen kleinen Teil der notwendigen Energie, nämlich rund 10.000 kWh pro Jahr, kompensieren sollen. Laut eigenen Angaben kann mit ihnen bereits die Energie für die erste Besucherplattform, die Platz, Attraktionen und das Turmrestaurant für 3.000 Besucher beinhaltet, selbst aufgebracht werden. Um dem makellos filigranen Image der alten Eisendame nicht zu schaden, wurden die Turbinen außerdem noch in der gräulichen Farbe des Wahrzeichens lackiert.

Weitere Entwicklungen

Im Januar 2020 begannen die Bauarbeiten, um die Zugangswege – vornehmlich der Paulhan- und Refuznik-Weg – neu zu gestalten. Die primären Ziele dieser Renovierung umfassen eine Neugestaltung der Eingangsbereiche des Eiffelturms sowie die Überarbeitung der Flora um diesen Bereich herum. Die Lebenserwartung der dort angesiedelten Pflanzen soll sich dadurch um 15 Jahre erhöhen und das Areal durch diese Maßnahme für Besucher einladender wirken. Die Bauarbeiten, die nach und nach vollzogen werden, sollen laut eigenen Angaben noch vor Beginn des Sommers beendet werden.

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