Karrierestrategie

Abfindung: Nicht vorschnell zustimmen!

Eine Abfindung hört sich meist verlockend an. Nur dafür, dass man seine Stelle räumt, bekommt man einen Batzen Geld. Dennoch sollten Ingenieure mit Bedacht entscheiden, gerade auch wenn es – wie für Berufsanfänger oder Jungingenieure – um deutlich weniger hohe Summen geht.

Abfindung: Kluges Taktieren ist gefragt.

Abfindung: Kluges Taktieren ist gefragt.

Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Nicht ohne Grund kann man einen 58-jährigen Mitarbeiter eines renommierten Unternehmens schon verstehen, wenn er bei einer hohen Abfindung nicht Nein sagt. Wahrscheinlich hat er sein kreditfreies Häuschen im Grünen, ein nicht unwesentliches Guthaben auf der hohen Kante und malt sich bis zur Rentenzahlung ein problemloses, arbeitsfreies Leben aus.

Abfindung: Angebote kritisch prüfen

Wer allerdings als junger Ingenieur wegen „läppischer“ sieben Monatsgehältern des Einstiegsgehalts den freiwilligen Sofortausstieg bei seinem Arbeitgeber erwägt, muss von allen guten Geistern verlassen sein. Die voraussichtliche Abfindung muss in Hinsicht auf den weiteren Berufsweg äußerst kritisch überprüft werden.

Ausnahmen bestätigen die Regel und rechtfertigen auch für jüngere Ingenieure den Sofortausstieg mit Abfindung. Beispielsweise wenn ein vertragsreifes Angebot eines Konkurrenten auf dem Tisch liegt, der Weg in die Selbständigkeit oder der Antritt zu einer längeren Weiterbildungsmaßnahme wie MBA ohnehin längst geplant waren. Hier kommt eine kleine Finanzspritze sogar wie gerufen.

Kluges Taktieren ist für die Höhe der Abfindung gefragt

In allen anderen Fällen ist kluges Taktieren in Punkto Abfindung gefragt. Auf keinen Fall sollten Mitarbeiter sich durch solche Äußerungen von Vorgesetzten oder Geschäftsführern unter Druck setzen lassen:

  • „Nehmen Sie das Abfindungsangebot auf jeden Fall jetzt an. Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht.“
  • „Ihre Kollegen werden in der nächsten Runde wahrscheinlich ohne Abfindung nach Hause gehen müssen.“

Mit diesen Sprüchen sollte sich niemand ins Boxhorn jagen lassen. Es liegt im Interesse des Unternehmens, dass möglichst viele Kollegen das Abfindungsangebot akzeptieren und den Arbeitsplatz räumen. Lassen Sie sich im Zweifel von einem Arbeitsrechtler beraten.

Was für das Unternehmen gut und billig ist, muss es aber lange noch nicht für den Arbeitnehmer sein. Was sind schon sieben Monatsgehälter als Abfindung und der direkte Weg in die Arbeitslosigkeit wirklich wert? Wer als junger Ingenieur mit guten Erfahrungen und Verdiensten im Berufsleben vorschnell nach dem Geld greift, hat eine etwas zu rosarote Brille auf der Nase und wenig Gespür für die Realitäten am Arbeitsmarkt.

Die Abfindung als letzte Option

Gerade wer heute in einer schlingernden Branche als Ingenieur freigesetzt wird – egal ob mit oder ohne Abfindung –, tut sich schwer mit einer Anschlussbeschäftigung. Dies gilt umso stärker, wenn er aufgrund seiner Erfahrung und Ausbildung ausschließlich auf die einen Industriezweig fixiert ist und wenig Affinität zu den für Ingenieure gut laufenden Branchen wie etwa Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie nachweisen kann.

Wenn der aktuelle Arbeitgeber wackelt, sollten Mitarbeiter auf Zeit spielen und spätestens jetzt intensiv Bewerbungen schreiben. Der vorausschauende Ingenieur sollte diese Aktivitäten besser schon dann anleiern, wenn die ersten Gerüchte über Freisetzung und Abfindung aufkommen, um am Tage X eine Alternative auf dem Tisch zu haben. Es wird ja selten jemand im Schlaf von den neuesten Entwicklungen überrascht.

Sonst gilt: So lange wie möglich an Bord bleiben

„So lange wie möglich an Bord bleiben!“ ist das beste Rezept, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben und ohne große Unterbrechungen die berufliche Entwicklung fortsetzen zu können. Auffang- oder Beschäftigungsgesellschaften sollte man eher kritisch gegenübertreten. Häufig führt der Weg aus diesen Gesellschaften nicht weiter.

Statt die Abfindung schnell zu akzeptieren ist es also sinnvoller, das Beschäftigungsverhältnis längstmöglich fortzusetzen und parallel am Arbeitsmarkt zu agieren. Es kann ja auch noch zu der einen oder anderen überraschenden Wendung im eigenen Unternehmen kommen. Wer sich zu früh verabschiedet hat, bereut dann möglicherweise den übereilten Schritt.

Ausnahme: Abfindung beinhaltet Zeitraum für die Jobsuche

Wenn das Angebot zur Abfindung eine Zeit beinhaltet, in der der Arbeitnehmer nach einem neuen Job suchen kann. Sechs bis neun Monate sollte diese Zeit aber schon beinhalten.

Tipp:
Der Aufhebungsvertrag: Instrument zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses 

 

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