Neue elektrische Baumaschine fräst 70 m tief in den Boden und soll Platzprobleme lösen
02. November 2026

Große Arbeitstiefen, aber wenig Platz auf der Baustelle: Bauer hat eine vollelektrische Spezialtiefbaumaschine entwickelt, die bis zu 70 m tief arbeiten soll. Der Hersteller verspricht außerdem weniger Lärm und einen einfacheren Transport. Bei ersten Tests erreichte die Maschine 25 m Tiefe.
Mitten in der Großstadt eine Baugrube herstellen, ohne die Nachbargebäude zu beeinträchtigen: Das ist für den Spezialtiefbau eine Herausforderung. Große Maschinen benötigen viel Platz, verursachen Lärm und müssen häufig unter schwierigen Bedingungen auf die Baustelle gebracht werden.
Der Maschinenbauer Bauer aus Schrobenhausen hat dafür eine neue Lösung entwickelt. Die eCSM 100 compact verbindet einen vollelektrischen Antrieb mit einer besonders kompakten Bauweise. Nach Herstellerangaben sind damit Arbeitstiefen von bis zu 70 m möglich.
Entwickelt wurde die Maschine gemeinsam mit dem japanischen Spezialtiefbauunternehmen Seiwa Renewal Works, das zur Taisei-Gruppe gehört. Vorgestellt hat Bauer die Neuentwicklung am 2. November 2026.
Wie die Maschine 70 m tief in den Boden arbeiten soll
Die eCSM 100 compact arbeitet nach dem sogenannten Cutter-Soil-Mixing-Verfahren (CSM). Dabei fräsen rotierende Räder in den Untergrund und vermischen das gelöste Erdreich direkt mit einer Zementsuspension. Das Gemisch härtet anschließend aus und bildet einen festen Boden-Zement-Körper.
Mit diesem Verfahren lassen sich beispielsweise Dichtwände herstellen, die Baugruben gegen eindringendes Grundwasser abschirmen. Auch zur Sicherung und Verbesserung des Baugrunds wird die Technik eingesetzt.
Der entscheidende Unterschied zu vielen herkömmlichen Maschinen liegt in der Anordnung des Fräswerkzeugs. Bauer verwendet eine sogenannte Side-Cutter-Konfiguration. Dabei befindet sich die Fräseinheit seitlich am Trägergerät. So kann die Maschine auch dort arbeiten, wo für große konventionelle Geräte zu wenig Platz vorhanden ist.
Zudem wurde das Fräswerkzeug überarbeitet. Ein neuer Tandem-Cutter soll den Materialfluss beim Mischen verbessern. Bauer nennt außerdem eine optimierte Klappenkinematik und setzt weiterhin auf seine bewährte BCM-Getriebetechnik.

Was sich gegenüber dem Vorgänger geändert hat
Die elektrische Antriebstechnik ist bei Bauer nicht völlig neu. Bereits auf der Baumaschinenmesse bauma im April 2025 hatte das Unternehmen einen eCSM-Prototyp vorgestellt.
Damals ersetzten zwei Elektromotoren den bisherigen hydraulischen Antrieb der Mischräder. Die Motoren arbeiteten mit 40 U/min und wurden über Frequenzumrichter gesteuert. Ein digitaler Mischassistent sollte außerdem dafür sorgen, dass die Zementsuspension möglichst gleichmäßig eingebracht wird.
Mit der neuen eCSM 100 compact hat Bauer das Konzept weiterentwickelt. Neben dem elektrischen Fräswerkzeug wurde nun auch der Oberwagen für den elektrischen Betrieb ausgelegt.
Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:
- Bis zu 70 m Mischtiefe: Die Maschine ist für besonders tiefe Bodenmischarbeiten ausgelegt.
- Elektrischer Oberwagen: Ein neu entwickelter Antriebsstrang ersetzt das dieselbetriebene Konzept.
- Kompakte Side-Cutter-Bauweise: Die seitliche Fräseinheit ermöglicht Arbeiten bei eingeschränktem Platzangebot.
- Transport in einzelnen Einheiten: Kein Transportmodul soll mehr als 30 t wiegen. Ein integriertes Jack-up-System erleichtert das Handling auf der Baustelle.
Christian Riedl, Produktmanager bei Bauer Maschinen, erklärt in der Pressemitteilung vom 2. November 2026: „Entscheidend war für uns, kompakte Abmessungen, große Mischtiefen und einen vollelektrischen Antrieb zusammenzubringen, ohne Kompromisse bei Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit einzugehen.“
Weniger Lärm und keine Abgase am Maschinenantrieb
Der elektrische Oberwagen wird über ein Stromkabel versorgt. Dadurch entstehen beim Betrieb des Maschinenantriebs keine lokalen Abgasemissionen. Auch bei der Geräuschentwicklung verspricht Bauer Verbesserungen. Nach Herstellerangaben wurde die Schallleistung des Oberwagens gegenüber der Dieselvariante halbiert. Das entspricht rechnerisch einer Verringerung des Schallleistungspegels um rund 3 dB.
Wie laut die gesamte Maschine während des Fräsens tatsächlich ist, geht aus der Pressemitteilung allerdings nicht hervor. Dafür wären konkrete Messwerte und Angaben zu den Messbedingungen erforderlich.
Wie wichtig solche Entwicklungen für die Bauwirtschaft sind, zeigen auch andere Projekte. So setzte Strabag beim Umbau einer Bodenaufbereitungsanlage in Oberhausen bereits elf elektrische Baumaschinen ein. Über die Ergebnisse und die Grenzen solcher Anwendungen haben wir im Beitrag „Elektrifizierte Großbaustelle: Strabag meldet 90 % niedrigere Energiekosten“ berichtet.

Warum die Maschine für Japan entwickelt wurde
Die Zusammenarbeit mit Seiwa Renewal Works hatte einen konkreten Hintergrund. Das japanische Unternehmen führt Spezialtiefbauarbeiten in dicht bebauten Metropolen aus. Große Maschinen lassen sich dort nicht überall einsetzen, hinzu kommen Anforderungen an Lärm- und Erschütterungsschutz.
„Unsere Projekte erfordern hohe Ausführungsgenauigkeit bei begrenztem Platzangebot. Gleichzeitig müssen wir Lärm und Vibrationen minimieren und hohe Sicherheitsstandards erfüllen“, erklärt Nobuo Otaka, Executive Officer und Projektleiter bei Seiwa Renewal Works, in der Pressemitteilung von Bauer. Gerade die Kombination aus elektrischer Antriebstechnik, seitlicher Fräseinheit und zerlegbarer Konstruktion soll solche Arbeiten erleichtern.
Erster Test erfolgreich, aber noch weit von 70 m entfernt
Den ersten Test hat die eCSM 100 compact bestanden. Im Bauer-Werk in Aresing stellte die Maschine zwei jeweils 25 m tiefe Boden-Zement-Lamellen her. Vertreter des japanischen Entwicklungspartners waren dabei. Die angekündigte maximale Arbeitstiefe von 70 m wurde damit noch nicht nachgewiesen.
Auch bei den Leistungsdaten hält sich Bauer bedeckt. Wie viel Strom benötigt die Maschine? Welche Anschlussleistung muss eine Baustelle bereitstellen? Und wie schnell arbeitet die Fräse in unterschiedlichen Böden? Konkrete Zahlen fehlen ebenso wie ein Vergleich der Betriebskosten mit einer Dieselmaschine.
Selbst die genauen Abmessungen im Arbeitszustand nennt Bauer nicht. Dabei wäre gerade der Platzbedarf interessant, schließlich ist die kompakte Bauweise eines der wichtigsten Verkaufsargumente.
Quellen
- Bauer Gruppe: eCSM 100 compact – Pressemitteilung vom 2. November 2026. Primärquelle für technische Angaben, Entwicklungszusammenarbeit, Werkstest und Originalzitate.
- Bauer Maschinen: Elektrifizierung im Spezialtiefbau – eCSM-Prototyp vom April 2025. Hintergrund zur Antriebstechnik, Drehzahlregelung und zum digitalen Mischassistenten.
- ingenieur.de: Elektrifizierte Großbaustelle – Strabag meldet 90 % niedrigere Energiekosten, 5. August 2026. Passender interner Link zur Elektrifizierung schwerer Baumaschinen.






























