
Rund 1.800 Quadratmeter intensiv und extensiv begrünte Dach- und Terrassenflächen schaffen zusätzliche Aufenthaltsqualität in einer hochverdichteten innerstädtischen Lage. Das Projekt zeigt, wie Arbeiten, Aufenthalt und urbane Qualität miteinander verbunden werden können. Nachhaltigkeit wird dabei ganzheitlich verstanden – als Zusammenspiel ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte.
Digitale Planung als strategisches Instrument
Building Information Modeling (BIM) bildet das digitale und organisatorische Rückgrat der Projektabwicklung. Von der Planung über die Ausführung bis zur Dokumentation im Bestand wird eine transparente, belastbare und fortschreibbare Datengrundlage geschaffen.
Ein qualitätsgesichertes BIM-Koordinationsmodell dient als zentrale „Single Source of Truth“. Es führt die Fachmodelle zusammen, reduziert Informationsverluste und bildet die Grundlage für die gewerkeübergreifende Abstimmung sowie die Verknüpfung geometrischer und alphanumerischer Informationen.
Klare Verantwortlichkeiten und Prozesse
Für die erfolgreiche Umsetzung wurden frühzeitig Rollen, Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege definiert. Das BIM-Management übernimmt die strategische Steuerung, während die BIM-Gesamtkoordination als operative Schnittstelle die Fachmodelle zusammenführt und modellbasierte Abstimmungen organisiert. Die BIM-Fachkoordinationen verantworten die Qualität und termingerechte Bereitstellung ihrer Fachmodelle.
Schüßler-Plan Digital entwickelte gemeinsam mit dem Auftraggeber die erforderlichen Management- und Abstimmungsprozesse. In Workshops wurden Rollen, Informationsanforderungen und gemeinsame Standards abgestimmt. Grundlage bilden die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA), Modellierungsrichtlinien und fachspezifischen Informationsanforderungen (LOIN). Der BIM-Abwicklungsplan (BAP) konkretisiert deren Umsetzung und wird im Projektverlauf fortgeschrieben.
Testen, koordinieren, optimieren
Ein strukturierter Testdatenaustausch überprüfte frühzeitig die definierten BIM-Prozesse. Dabei wurden insbesondere die Gemeinsame Datenumgebung (CDE), Modellierungsrichtlinien und die Interoperabilität der Fachmodelle getestet. Erste modellbasierte Koordinationsprozesse, etwa bei der Schlitz- und Durchbruchsplanung, halfen dabei, Schnittstellenprobleme und technische Hemmnisse frühzeitig zu erkennen und zu beheben.
Der laufende BIM-Prozess folgt einem iterativen Zyklus aus Modellbearbeitung, Datenbereitstellung, Prüfung und Koordination. Konflikte und offene Punkte werden dokumentiert und den zuständigen Fachdisziplinen zugewiesen. Nach der Bearbeitung werden die Fachmodelle aktualisiert und erneut in das Koordinationsmodell integriert. So entsteht ein kontinuierlicher und transparenter Planungsprozess.

Foto: AVP Becker GmbH
Vernetzte Datenumgebung
Als zentrale Austauschplattform kommt die cloudbasierte CDE zum Einsatz. Sie verwaltet Modelle, Dokumente und projektbezogene Informationen und ermöglicht einen strukturierten Datenaustausch.
Für die modellbasierte Kommunikation werden die offenen Standards IFC und BCF genutzt. Über Schnittstellen zu Autor- und Prüfsoftware wie Autodesk Revit und Solibri können Aufgaben und Prüfanmerkungen direkt in die jeweiligen Arbeitsumgebungen übertragen und im räumlichen Kontext des Modells bearbeitet werden.
BIM trifft Kreislaufwirtschaft
BIM wird im KöTower nicht nur für die Planung und Koordination eingesetzt, sondern auch zur Unterstützung von Nachhaltigkeitszielen. Ein digitaler Materialpass dokumentiert die eingesetzten Materialien systematisch. Dafür werden relevante Material-, Bauteil- und Mengendaten aus dem BIM-Modell extrahiert und über die Plattform madaster gepflegt.
Die Verknüpfung von Modell und Materialpass schafft eine konsistente Datengrundlage für Nachhaltigkeitsbewertungen und zukünftige Entscheidungen. Auch wirtschaftlich bietet der Ansatz Potenziale: Die Bewertung von Materialrestwerten kann zusätzliche Informationen für Investitions- und Portfoliostrategien liefern.
„Auch wirtschaftlich bietet der digitale Materialpass Vorteile: Die Bewertung von Materialrestwerten schafft eine zusätzliche Datengrundlage für Investitions- und Portfoliostrategien. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit werden damit nicht als Gegensätze verstanden, sondern als sich ergänzende Faktoren einer zukunftsfähigen Immobilienentwicklung“, erläutert Julia Bauer, Senior Project Managerin bei Catella Project Management.

Foto: Schüßler-Plan Digital
Vom BIM-Modell zum digitalen Zwilling
Damit die digitalen Informationen auch über die Bauphase hinaus nutzbar bleiben, wird das BIM-Modell bis zum qualitätsgesicherten As-built-Stand fortgeschrieben. Der Abgleich zwischen Planung und Ausführung stellt sicher, dass das Modell die realisierte Gebäudesubstanz verlässlich abbildet und auch der digitale Materialpass aktuell bleibt.
So wird aus dem Planungsmodell eine langfristig nutzbare Datenbasis für den gesamten Gebäudelebenszyklus – von Betrieb und Instandhaltung bis hin zu Umbau, Sanierung oder Rückbau.
Vom Planungsmodell zur zukunftsfähigen Datenbasis
Der KöTower zeigt, wie digitale Planung und Nachhaltigkeit in einem komplexen innerstädtischen Projekt zusammenwirken können. Begrünte Dach- und Terrassenflächen schaffen neue Aufenthaltsqualitäten, während BIM für Transparenz, Qualität und eine verlässliche Informationsbasis sorgt.
Das Zusammenspiel aus klaren Verantwortlichkeiten, standardisierten Informationsanforderungen, modellbasierter Koordination, einer gemeinsamen Datenumgebung und dem digitalen Materialpass schafft eine zukunftsfähige Projektstruktur. BIM wird damit weit mehr als ein Werkzeug zur dreidimensionalen Planung: Es wird zum strategischen Instrument für Qualität, Transparenz, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Entscheidungen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.
Nick Richartz
Schüßler-Plan Digital GmbH
www.schuessler-plan.digital

































