19.12.2014, 08:33 Uhr | 0 |

Vibration und Sprachausgabe Navi-App lotst Blinde sicher durch die Stadt

Eine Smartphone-App soll Blinden zu mehr Mobilität verhelfen: Mit Vibration und Sprachausgabe gibt sie den Weg vor. Über WLAN kann sie sich sogar mit Ampeln verbinden und bei Grün piepen. Mit im Entwicklerboot sitzen das DLR, Siemens und die TU Braunschweig. 

Die Projektpartner haben einen Prototypen der Blindenapp in Braunschweig präsentiert
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Die Projektpartner haben einen Prototypen der Blindenapp in Braunschweig präsentiert. Das Smartphone kann über WLAN sogar Signale der Ampeln empfangen und bei Grün einen Piepton von sich geben. 

Foto: TU Braunschweig

Blinde und sehbehinderte Menschen bewegen sich mit Hilfe ihres Langstocks oft erstaunlich sicher durch den öffentlichen Raum – vor allem dann, wenn sie den Weg mitsamt allen Abzweigungen und Hindernissen bereits kennen und ihn vorher eingeübt haben. Sobald sie jedoch einmal unbekanntes Terrain betreten wollen, sind sie meistens aufgeschmissen. Wo normalsichtige Mitmenschen einfach in die Straßenkarte schauen, sich aufs Geratewohl orientieren oder einfach das Navi anwerfen, haben Blinde und Sehbehinderte diese Möglichkeiten meistens nicht.

InMoBS soll Blinden mehr Mobilität geben

Bis jetzt: Denn das Forschungsprojekt InMoBS soll Blinden zu mehr Mobilität verhelfen. InMoBS steht für „Innerstädtische Mobilitätsunterstützung für Blinde und Sehbehinderte“ und ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern der Technischen Universität Braunschweig, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Braunschweig und dem Industriepartner Siemens.

Gemeinsam haben die Forscher ein Assistenzsystem für die sichere Navigation im Stadtverkehr entwickelt, das auf einem Smartphone und einer App basiert. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Nach dreijähriger Projektlaufzeit, in der sie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit rund 1,9 Millionen Euro gefördert wurden, präsentierten die Forscher das System jetzt in Braunschweig.

Individuelle Planung am heimischen Computer

Wer einen bis dahin unbekannten Weg planen möchte, kann dies mit dem InMoBS-System am heimischen Computer tun. Um den Nutzer sicher an sein Ziel zu lotsen, verwendet die App GPS-Empfänger und Vibrationsalarm des Telefons, die inzwischen auf nahezu allen Modellen verfügbar sind. Auf diese Weise werden die Navigationsdaten durch die App umgesetzt und über das Smartphone als Vibration und Ansage an den Nutzer ausgegeben.

Außerdem sei es möglich, wichtige Wegpunkte abzuspeichern und Umgebungsinformationen abzurufen, so die Entwickler. Dazu gehören auch Kreuzungen, die für Blinde und Sehbehinderte zu den besonders kitzeligen Stellen gehören: Meistens gibt es hier viel Verkehr, aufgrund dessen eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen werden müssen.

Smartphone nimmt per WLAN Verbindung zur Ampel auf

Mit Hilfe der App soll es auch möglich sein, per WLAN auf das Ampelsignal zuzugreifen. So piept das Smartphone, wenn die Ampel grün wird, und zeigt durch Vibrieren an, ob der Nutzer in die richtige Richtung geht. Außerdem stellt es Infos über abgesenkte Bordsteine, Mittelinseln, Bushaltestellen oder andere wichtige Details zur Verfügung.

Die dafür nötige Infrastruktur an den Ampeln hat das DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik mit der Anwendungsplattform Intelligente Mobilität (AIM) zur Verfügung gestellt, in das das ganze Assistenzsystem eingebettet ist. Durch diese Plattform sei Braunschweig derzeit ein riesiges Verkehrslabor, freuen sich die Wissenschaftler.

So toll das alles auch klingt: Bis Nutzer überall spontan auf das Assistenzsystem zugreifen und so die unbekannten Ecken ihrer Umwelt entdecken können, ist noch einiges an Vorarbeit nötig. So funktioniert die App als Prototyp schon einmal prächtig, für das sichere Navigieren auf anderen Strecken außerhalb Braunschweigs benötigt das Assistenzsystem jedoch hochgenaue digitale Daten. Auch das Ortungssystem im städtischen Umfeld muss präzisiert und der öffentliche Verkehr noch eingebunden werden. 

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Von Judith Bexten
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