Handy, Smartphone & Co. 29.06.2022, 13:07 Uhr

Vodafone feiert 30 Jahre digitalen Mobilfunk

Am 30. Juni 1992 startete mit D2-Privat, heute Vodafone, das erste digitale Mobilfunknetz in Deutschland. Wettbewerber Telekom folgte mit seinem D1-Netz einen Tag später.

Handy-Ahnenreihe

Die Ahnenreihe der Handys im digitalen Mobilfunk: Vom legendären "Knochen" (li.) für fast 3000 DM bis hin zum iPhone und modernen Smartphones.

Foto: Vodafone

Mit dem Start des ersten digitalen Mobilfunknetzes nach dem GSM-Standard durch Mannesmann, heute Vodafone, begann am 30. Juni 1992 in Deutschland die Ära des modernen mobilen Telefonierens. Doch die breite Bevölkerung bekam davon zunächst gar nicht so viel mit, denn es fehlten vor allem die erschwinglichen Endgeräte, die Handys. Der erste D2-Kunde, so berichtet es dpa, hatte sein Mobiltelefon, ein Ericsson GH-172 in einem Elektronikfachgeschäft besorgt. Der später so beliebte „Knochen“, das Motorola International 3200, wog mehr als 500 g, hatte eine Akkuleistung für 120 Minuten Gespräch und kostete an die 3000 DM.

Vodafone übernahm Mobilfunk-Pionier Mannesmann

Dass Vodafone den Starttermin heute für sich reklamieren kann, hatte mehrere Gründe. Anders als bei den damals ausschließlich von der Bundespost (später Deutsche Telekom) betriebenen analogen Mobilfunknetzen A, B und C, war beim digitalen Mobilfunk von Anfang an Wettbewerb eingeplant. Und so bewarb sich neben anderen ein Konsortium um den Röhrenkonzern Mannesmann um die Lizenz, die ihm im Dezember 1989 erteilt wurde. Und so gingen dann nach der entsprechenden Vorbereitungszeit im Sommer 1992 zwei Netze an den Start: D1 von der Telekom und D2-Privat von Mannesmann. Dass letztere einen Tag vor der Konkurrenz starteten, war damals ein echter PR-Coup.

Bei Minutenpreisen um 1,50 DM und einer monatlichen Grundgebühr von rund 80 DM war das mobile Telefonieren auch auf der Gebührenseite noch Luxus. Und es ging keinesfalls flächendeckend los. Mannesmann, die in einer spektakulären Übernahmeschlacht im Jahr 2000 vom britischen Vodafone-Konzern geschluckt wurden, startete gerade einmal mit 100 Sendemasten. Heute versorgen rund 25.000 Mobilfunkstationen in praktisch allen Städten und Landkreisen der Republik die Kunden mit den Funksignalen.

Mobiles Internet fast flächendeckend verfügbar

Und der Ausbau geht weiter. In den ersten Monaten dieses Jahres hat Vodafone mehr als 7.000 Mobilfunk-Bauprojekte realisiert. Dabei wurden über 200 neue Stationen in Betrieb genommen, rund 450 Funklöcher im mobilen Breitbandnetz geschlossen und an vielen Stellen neue Antennen in bestehenden Stationen errichtet. Denn Mobilfunk ist heute längst mehr, als das simple Telefonieren: In rund 99 Prozent der Haushalte kann laut Vodafone auch das mobile Internet genutzt werden.

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Doch dahin war es ein weiter Weg. In den Jahren nach 1992 kamen zunächst einmal immer neue Handy-Modelle auf den Markt, die dank großzügiger Subventionierung durch die beiden Netzanbieter auch schnell für viele Menschen attraktiv wurden. Im April 1993 waren schon mehrere hunderttausend Kunden in den beiden D-Netzen aktiv. Und es wurden stetig mehr.

SMS machte Mobilfunk für junge Menschen interessant

Ein neuer Dienst machte das Mobiltelefon dann schnell für jüngere Zielgruppen attraktiv: Die SMS. Dieser Short-Message-Service mit seinen maximal 160 Zeichen langen Botschaften, war quasi ein Abfallprodukt des GSM-Mobilfunkstandards und wurde am 3. Dezember 1992 erstmals genutzt, als Vodafone-Mitarbeiter Richard Jarvis die Nachricht „Merry Christmas“ erhielt. 1994 führten beide Netzbetreiber die SMS in Deutschland ein. Nur fünf Jahre später „simsten“ die Deutschen bereits 3,6 Milliarden Mal. Im Rekordjahr 2021 wurden netzanbieterübergreifend fast 60 Milliarden Kurznachrichten verschickt.

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Mitte der 1990er Jahre entstanden neben den beiden D-Netzen die E-Netze und brachten mit Telefónica O2 und E-Plus zwei neue Wettbewerber. Parallel entwickelten sich aus dem GSM-Standard die neuen Mobilfunkstandards UMTS (3G)und LTE (4G) mit einigen Spielarten und zuletzt der aktuelle 5G-Standard. UMTS ist allerdings schon wieder Geschichte, denn dieser Standard wurde in Deutschland Ende letzten Jahres abgeschaltet.

iPhone läutete die Ära der Smartphones ein

Smartphone

Mit dem iPhone begann 2007 der Siegeszug der Smartphones, der bis heute anhält.

Foto: PantherMedia / scanrail

Ein Paukenschlag in der Geschichte des Mobilfunks ereignete sich vor fast genau 15 Jahren: 2007 stellte Apple das iPhone vor und läutetet damit die Ära der Smartphones ein. Zwar gab es auch vorher schon Geräte mit ähnlicher Funktionalität – z.B. von Nokia – aber die Apple Benutzeroberfläche ohne Tasten machte schnell Schule. Seit Jahren tobt nun ein ewiger Wettstreit zwischen Apple und dem Erzrivalen Samsung, dessen Galaxy-Reihe seit 2009 gegen das iPhone antritt.

Längst ist für viele Menschen das Telefonieren mit dem Smartphone zur Nebensache geworden. Die vielen Messanger-Dienste via mobiles Internet machen der SMS zunehmend Konkurrenz und die zahlreichen verfügbaren Apps helfen in allen Lebenslagen. Sei es beim Filme schauen, beim mobilen Bezahlen, beim Fahrkartenkauf, beim Online-Banking und was der Nutzungen mehr sind.

Schlüssel zu Vodafone & Co: Die SIM-Karte

SIM-Karte

Herzstück des digitalen Mobilfunks: Die SIM-Karte. Hier werden gleich zwei Formate bedient, außen die größere, innen herausgebrochen die kleinere Form.

Foto: PantherMedia / Martin Konopka

Mit den digitalen Mobilfunknetzen betrat vor 30 Jahren auch eine neue Komponente die Mobilfunkwelt: Die SIM-Karte. Anfangs noch Checkkartengroße ist diese Chipkarte der Schlüssel zum mobilen Telefonieren und Internetsurfen. Sie speichert Daten wie die Telefonnummer und Tarifinformationen. Im Laufe der Jahre hat sie sich stetig verkleinert bis hin zum Nano-Format.

Die modernste Form der SIM-Karte, die eSIM, verbraucht überhaupt kein Plastik mehr, sie wird als kleiner Chip fest in das Smartphone oder andere Geräte eingebaut. Denn längst telefonieren ja nicht nur Menschen mobil. Immer mehr Maschinen und Alltagsgegenstände wie Getränkeautomaten, Aufzüge, Straßenlaternen und Autos haben eingebaute Mobilfunkmodule und benötigen damit natürlich auch eine SIM-Karte für die Kommunikation. Allein im deutschen Vodafone-Netz sind mehr als 65 Millionen SIM-Karten aktiv. Viele davon in diesem „Internet der Dinge“ – englisch Internet of Things, kurz IoT.

Vodafone: Premiere mit 5G+

5G-Mobilfunk

Mit der 5. Mobilfunkgeneration wird auch eine Maschine-zu-Maschine-Kommunikation ohne größe Verzögerungszeiten möglich.

Foto: J. D. Billerbeck

Und die Entwicklung hört nicht auf. Mit der fünften Mobilfunkgeneration wurde ein Problem adressiert, dass vor allem bei der Steuerung von Maschinen oder beim Autonomen Fahren von Bedeutung ist: Die Verzögerungszeit oder Latenz. Sie ist bei allen Vor-Standards so hoch gewesen, dass diese für eine echte Steuerung von kritischen Funktionen nicht geeignet waren. Das soll mit 5G anders werden.

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Vodafone hat nach eigenen Angaben als erster Netzbetreiber in Deutschland sogar schon erste Stationen mit 5G+ in Betrieb genommen. Damit sieht sich der Konzern 30 Jahre nach dem Start der digitalen Mobilfunknetze in der Echtzeitkommunikation angekommen. Und natürlich arbeiten Netzbetreiber weltweit bereits an der nächsten Generation Mobilfunk. Bei Vodafone forscht z.B. ein Stiftungslehrstuhl in Dresden an 6G.

Ein Beitrag von:

  • Jens D. Billerbeck

    Jens D. Billerbeck

    Leiter Content Management im VDI Verlag. Studierte Elektrotechnik in Duisburg und arbeitet seit seiner Schulzeit jounalistisch. Nach Volontariat und Studienabschluss Redakteur der VDI nachrichten u. a. für Mikroelektronik, Hard- und Software, digitale Medien und mehr.

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