26.11.2015, 13:09 Uhr | 0 |

DLR simuliert Ein Stück Mars in Köln

Astrobiologen suchen nach irdischen Überlebenskünstlern, die eventuell auch auf dem Mars eine Chance hätten. In Köln werden dafür die lebensfeindlichen Bedingungen auf dem Mars simuliert.

Ausschnitt Marsoberfläche
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Das Foto zeigt einen Ausschnitt der Marsoberfläche, den westlichen Ausläufer von Aurorae Chaos. Auf dem Roten Planeten herrschen lebensfeindliche Bedingungen. In seiner Planeten- und Weltraumsimulationsanlage untersucht das DLR aktuell, wie Organismen, die an einen bestimmten Stressfaktor angepasst sind, auf den Einfluss weiterer auf dem Mars auftretender Stressfaktoren reagieren.

Foto: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

Für Astrobiologen, die auf der Suche nach ehemaligem, oder noch immer vorhandenem Leben im Universum sind, kann auch die Erde spannend sein. Und hier insbesondere diejenigen irdischen Überlebenskünstler, die sich in sehr lebensfeindlichen Umgebungen angepasst haben. Im internationalen Forschungsprojekt MASE suchen Wissenschaftler nach Mikroorganismen, die derart widerstandsfähig sind, dass sie vielleicht sogar auf dem Mars überleben könnten. In Köln werden deshalb die klimatischen Bedingungen auf dem Mars simuliert.

Stressiger Mars

Bei der Erforschung unseres Nachbarplaneten Mars nimmt die Suche nach Leben einen besonderen Stellenwert ein. Das ist nicht einfach, denn um Spuren des Lebens zu erkennen, muss man wissen wonach man suchen muss. Dieses Wissen wollen die Astrobiologen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die gemeinsam mit internationalen Kollegen im Rahmen des Projektes MASE (Mars Analogues for Space Exploration) forschen, vertiefen. Jetzt tagten die Wissenschaftler beim DLR in Köln und stellten Teilergebnisse ihres insgesamt vier Jahre laufenden Forschungsprojektes vor.

Die klimatischen Bedingungen auf dem Mars unterscheiden sich deutlich von denen auf der Erde. Die Atmosphäre ist sehr dünn, die Temperaturen extrem niedrig, die Strahlung hoch, es gibt keinen Sauerstoff und die Trockenheit ist sehr ausgeprägt. Dennoch gibt es Orte auf der Erde, an denen Organismen an derart harsche Umweltbedingungen angepasst sind. Zwar sind sie dort nicht all diesen Stressfaktoren, die auf dem Mars vorherrschen, gleichzeitig ausgesetzt. Trotzdem lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Überlebensfähigkeit von Organismen ziehen.

Tests in Weltraumsimulationsanlage

In der Planeten- und Weltraumsimulationsanlage stellen die Astrobiologen des DLR um Projektleiterin Petra Rettberg die Bedingungen auf dem Mars nach. Im Mittelpunkt der Forschung steht dabei die Frage, wie Organismen, die an einen bestimmten Stressfaktor angepasst sind, auf den Einfluss weiterer auf dem Mars auftretender Stressfaktoren reagieren.

Die im Kölner Labor untersuchten Proben stammen aus verschiedenen Teilen Europas und Kanada. Organismen, die besonders an ein stark säurehaltiges Milieu angepasst sind, kommen beispielsweise aus dem Rio Tinto in Spanien und aus einem See auf Island. Im Sippenauer Moor in Deutschland hingegen herrscht ein anaerobes sulfidreiches Umfeld vor. Die russischen und kanadischen Permafrostböden lieferten Proben aus einem dauerhaft kalten Klima.

Ergebnisse wichtig für zukünftige Missionen zum Mars

„In der ersten Phase des MASE-Projekts konnten wir schon sehr interessante Mikroorganismen mit ungewöhnlichen Eigenschaften isolieren, die unser Verständnis der Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit von Lebewesen erheblich erweitern“, erklärt Rettberg.

Der Mars hatte in seiner Vergangenheit vermutlich Phasen, in denen die Bedingungen für Leben besser waren als heute. Deshalb untersuchen die Astrobiologen auch den Prozess der Fossilienbildung, damit eventuelle Spuren verwandter Organismen in Proben vom Mars identifiziert werden können.

Die zu erwartenden Ergebnisse sind auch von Bedeutung für künftige Missionen zur Erkundung des Roten Planeten wie zum Beispiel ExoMars, an der auch deutsche Wissenschaftler beteiligt sind. Im Vorfeld der Mission müssen die Astrobiologen vom DLR durch die Erfassung der biologischen Kontamination der Raumfahrzeuge sicherstellen, dass die Messergebnisse auf dem Planeten nicht durch biologische Spuren von der Erde beeinflusst werden.

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Von Gurdrun von Schoenebeck
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