07.08.2014, 11:31 Uhr | 0 |

LEDs im Asphalt Kopenhagen verwöhnt Radfahrer mit Grünen Wellen

In in der Hauptstadt Dänemarks müssen Radfahrer nur auf ein konstantes Tempo von 20 km/h achten und schon ist ihnen die Grüne Welle im Straßenverkehr sicher. Sie brauchen dafür nichtmals einen Tacho: LEDs im Asphalt signalisieren das Idealtempo.  

Kopenhagen ist die Europäische Umwelthauptstadt 2014 und zu seinen Fahrradfahrern besonders gut
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Kopenhagen ist die Europäische Umwelthauptstadt 2014 und zu seinen Fahrradfahrern besonders gut: Die 35 Prozent der Bürger, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, können sich auf Grüne Wellen verlassen. Neben den LEDs im Boden signalisieren Leuchttafeln auf der Strecke, in wieviel Sekunden die nächste Ampel umspringt. 

Foto: Cycling Embassy of Denmark

Ampeln sind in Kopenhagen morgens und abends während des Berufsverkehrs so geschaltet, dass Radler, die mit 20 km/h unterwegs sind, sich auf grünes Licht verlassen können. Das Durchschnittstempo der Kopenhagener Radler beträgt zwar nur 16 km/h, aber so sollen die Langsamen ermutigt werden, etwas stärker in die Pedale zu treten und die rasanten Radler sollen sich etwas zurücknehmen bei der Geschwindigkeit.

Um die richtige Geschwindigkeit zu signalisieren, haben die Planer grüne LED-Leuchten in den Asphalt eingelassen. Ist der Radfahrer mit 20 km/h unterwegs, leuchtet die Lichtspur auf und er weiß, dass er auf der Grünen Welle fährt.

Sensoren in Ampeln erkennen Gruppen von Fahrradfahrern

Und es läuft sogar schon das Pilotprojekt zur Grünen Welle 2.0, das zurzeit im Stadtteil Osterbro getestet wird. Das System beruht nicht nur auf einer festgelegten Ampelschaltung, sondern erkennt durch Sensoren im Radweg, wenn sich eine Radlergruppe der Kreuzung nähert. Entdecken die Sensoren mindestens fünf Fahrradfahrer, die mehr der weniger eng zusammen radeln, bleibt die Ampel automatisch länger auf grün stehen.

Die Grüne Welle ist aber längst nicht das einzige Mittel, wie das Leben von Fahrradfahrern in Kopenhagen leichter gemacht wird. Im Stadtteil Frederiksberg begegnen dem Radler auf dem Fahrradweg Leuchttafeln, die anzeigen, in wie viel Sekunden die nächste Ampel umspringen wird. So kann er entweder losstrampeln, um das grüne Licht noch zu erwischen, oder langsamer fahren, um nicht bei Rot nicht anhalten zu müssen.

Die Stadt hat außerdem in manchen Straßen Kopenhagens das alte, grobe Kopfsteinpflaster, auf dem sich mit dem Fahrrad schwer fahren lässt, ausgetauscht. Dort liegt nun, nur an einem Streifen nahe des Gehwegs und nicht besonders auffällig, neues glattes Pflaster. Zu den kleinen, aber ungemein praktischen Erleichterungen für Radfahrer gehören auch die Mülltonnen. Entlang der Radwege sind sie nicht in senkrechter Position aufgestellt, sondern recken sich dem Radler so entgegen, dass er ohne weiteres während der Fahrt seinen Müll entsorgen kann.

Kopenhagen ist Europäische Umwelthauptstadt 2014

Kopenhagen hat seine Prioritäten klar gesetzt. Die dänische Hauptstadt, die in diesem Jahr den Titel Europäische Umwelthauptstadt tragen darf, will die fahrradfreundlichste Metropole der Welt werden. Damit das gelingt, werden die Fahrradfahrer unter den knapp 750.000 Einwohnern Kopenhagens im öffentlichen Verkehr konsequent bevorzugt.

Dafür investiert Kopenhagen massiv in die Infrastruktur und baut zum Beispiel Highways für Radler aus den Vororten in die Stadt, damit Pendler kreuzungsfrei und schnell zur Arbeit kommen. Die Begeisterung nicht nur der Bevölkerung, sondern auch von Planern und Ingenieuren geht sogar soweit, dass amerikanischen Ingenieure am Senseable City Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT) anlässlich der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen einen Pedelec-Antrieb zum Nachrüsten entwickelt haben. Die rote Scheibe lässt sich in praktisch jeden Fahrrad nachrüsten.

Schon jetzt radeln 35 Prozent der Kopenhagener mit dem Rad zur Arbeit. Diese Quote soll bis zum nächsten Jahr auf 50 Prozent steigen. Um die Fahrradwege noch attraktiver zu machen, lässt die Stadt sich einiges einfallen. Die Stadt investiert nicht nur in den Bau von 17 neuen Metrostationen, sondern plant sechs neue Rad- und Fußgängerbrücken im Hafen und legt 26 neue Schnellstraßen für Fahrradfahrer an.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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