Autobranche im Umbruch 02.02.2026, 17:30 Uhr

Studie: Was braucht die Automobilindustrie zum Überleben?

Für die Autoindustrie wird vor allem eines immer wichtiger: die Restrukturierung. Nur mit ihr könne die Branche den starken Umsatzrückgängen, neuen Wettbewerberinnen und Wettbewerbern sowie politischen Risiken begegnen. Nun gilt es, die Krise zu nutzen, um wieder zukunftsfähig zu werden. Details verrät eine aktuelle Studie.

Blick in die Produktionsstraße eines Autoherstellers.

Die Autobranche muss etwas tun, wenn sie zukunftsfähig bleiben will. Das belegt eine aktuelle Studie.

Foto: Smarterpix / fotoevent.stock

Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer tiefgreifenden Strukturkrisen, geprägt von schrumpfender Nachfrage, hoher Kostenlast und wachsendem Wettbewerb, vor allem aus China. Eine Restrukturierung in der Autoindustrie wird überlebenswichtig, weil viele Unternehmen keine tragfähigen Anpassungskonzepte besitzen und ihre langfristige Existenz infrage steht.

Wie kann es weitergehen? Mögliche Lösungen zeigt eine Studie der Porsche Consulting GmbH auf. Die Tochtergesellschaft des Sportwagenherstellers Porsche AG hat die Analyse in Zusammenarbeit mit der Executive Interim Partners GmbH und dem IfUS-Institut durchgeführt. Befragt wurden Expertinnen und Experten, die als Führungskraft oder Beraterin oder Berater für Unternehmen der deutschen Automobilindustrie arbeiten.

Autoindustrie kann nur durch Restrukturierung überleben: die Lage 2026

Die Studie zeigt, dass die deutsche Automobil- und Zulieferbranche nicht mehr von einer konjunkturellen Delle, sondern von einer strukturellen Krise betroffen ist. 98 Prozent der Expertinnen und Experten bewerten den Transformationsdruck als hoch oder sehr hoch, und mehr als die Hälfte der Unternehmen befindet sich demnach bereits in einer akuten Ertrags‑, Liquiditäts‑ oder strategischen Krise.

Für 2026 erwarten 89 Prozent der befragten Unternehmen sinkende Umsätze, 85 Prozent rechnen mit weniger Aufträgen und 57 Prozent mit einer rückläufigen EBIT-Marge. Sechs bis acht Prozent sehen sich sogar schon auf dem Weg in eine Insolvenz. Die Produktion verlagert sich ins Ausland, während die heimische industrielle Basis erodiert und sich der Transformationsdruck durch Elektromobilität, Überkapazitäten und schwache Profitabilität weiter erhöht.

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Ursachen für die Krise in der Autobranche

Als zentrale Belastungsfaktoren identifiziert die Untersuchung neue Wettbewerber wie chinesische Marken und Tesla, strukturelle Überkapazitäten und stark schwankende Verkaufszahlen. Hinzu kämen geopolitische Konflikte, fragile Lieferketten, steigende Material-, Energie‑ und Personalkosten, Finanzierungsengpässe, regulatorische Vorgaben sowie der Fachkräftemangel. In Deutschland seien dabei die Standortkosten besonders hoch. Auch seien Banken bei Finanzierungen deutlich sensibler, was die Liquidität beschränkt und dadurch Veränderungen erschwert.

Die neue US-Zoll- und Handelspolitik unter Präsident Donald Trump wird mehrheitlich als massiver Eingriff in Absatz- und Wertschöpfungsketten gewertet. 83 Prozent der Befragten sehen erhebliche Risiken, erwarten geringere Exporte, Margendruck und Investitionsverlagerungen in die USA, was die ohnehin angespannte Lage der Branche zusätzlich verschärft.

Strategische Antworten auf die Krise in der Automobilindustrie

Restrukturierung in der Autoindustrie wird überlebenswichtig, weil klassische Marktmechanismen die Krise nicht mehr abfedern. Rund 38 Prozent der Unternehmen nutzen oder planen ein Sanierungsgutachten nach IDW S6, während viele Zulieferer Rightsizing, Standortanpassungen und eine Bereinigung unprofitabler Produkte als Kern von Sanierungsprogrammen einsetzen.

In der Studie wird betont, dass eine strategische Fokussierung auf rentable Angebote und ein breiteres Kundenportfolio die Resilienz stärken. 93 Prozent der Befragten befürworten eine konsequente Portfoliobereinigung, 79 Prozent wollen Abhängigkeiten von einzelnen Großkundinnen und -kunden reduzieren und setzen dafür auf Diversifizierung.

Ansätze, wie die Autobranche überleben kann

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau von Transformations- und Restrukturierungskompetenzen in den Führungsetagen. 90 Prozent der Befragten fordern Managerinnen und Manager mit mehr Erfahrung in der Bewältigung von Krisen, häufig in Form von CROs oder CTOs, um die notwendige Restrukturierung in der Autoindustrie professionell steuern und nachhaltige Turnarounds umsetzen zu können.

Operativ sehen die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer die Automatisierung, flexible Produktionskonzepte und eine effizientere Logistik als wichtige Faktoren. Investitionen in vernetzte, KI-gestützte Fertigung, digitale Zwillinge und End-to-End‑Optimierungen entlang der Wertschöpfungskette sollen Kosten senken, Durchlaufzeiten verkürzen und Nachhaltigkeitsanforderungen besser erfüllen

Mehr Digitalisierung als Schlüssel

84 Prozent halten moderne IT-Systeme und 73 Prozent KI-Anwendungen für entscheidend, um die Transparenz zu erhöhen, Prognosen in Entwicklung, Supply Chain und Vertrieb zu verbessern und Entscheidungen datenbasiert treffen zu können. Insgesamt sei der Einsatz von KI der zentrale Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Die Umsetzung digitaler und KI-basierter Lösungen erfordert laut der Studie jedoch hohe Investitionen und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Neue Kompetenzen sind gefragt. Pilotprojekte, der Abbau von Datensilos, Kooperationen mit Forschung und Start-ups sowie eine bessere Qualifizierung der Mitarbeitenden gelten als Erfolgsfaktoren.

Neue Märkte für die Autobranche

Zur Stärkung der Wettbewerbsposition sei es unerlässlich, neue Märkte zu erschließen. Vor allem die Zulieferer könnten sich stärker Richtung Luftfahrt, Medizintechnik und erneuerbare Energien orientieren. Die Wachstumsmärkte in Asien und Amerika sollten die Unternehmen ebenfalls angehen.

Dabei sei es entscheidend, sich vom reinen Teilelieferanten zum strategischen Partner der Produkt-Hersteller zu entwickeln. 80 Prozent bewerten diese Rolle als wichtig, weil Systemkompetenz und frühzeitige Einbindung in Entwicklungsprozesse die Bindung zu Herstellern stärke und neue Geschäftsmodelle ermögliche.

Blick auf die Finanzen

Die Restrukturierung in der Autoindustrie müsse auch im finanziellen Bereich stattfinden, da viele Unternehmen ihre Kapitalbasis stärken müssten. 73 Prozent planen eine finanzielle Neuaufstellung mit zusätzlichem Eigen- und Fremdkapital, neuen Eigentümerinnen oder Eigentümern sowie transparenter Steuerung.

Welche Rahmenbedingungen die Autoindustrie benötigt

Die Branche formuliert umfangreiche Erwartungen an die Politik. Sie soll Transformationen und Restrukturierungen in der Autoindustrie unterstützen. Gefordert werden unter anderem ein Abbau der Bürokratie, eine verlässliche Energie‑ und Steuerpolitik, technologieoffene Klimaziele, Fachkräfteförderung, Digitalisierung der Verwaltung, Schutz vor unfairem Wettbewerb sowie offene Märkte.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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