Das Dilemma der Fahrer 11.02.2026, 18:27 Uhr

Psychologe glaubt: Unser Gehirn ist nicht bereit fürs autonome Fahren

Autonome Autos fordern vom Menschen Daueraufmerksamkeit. Warum unser Gehirn dafür schlecht geeignet ist und was sich ändern muss.

Man sitzt in einem autonomen Fahrzeug und schaut auf sein Smartphone

Mit dem Smartphone spielen, während das Auto autonom fährt. Ganz so einfach ist das für das Gehirn nicht, dieses ist im Dauerstress.

Foto: Smarterpix / MarkoAliaksandr

Autonomes Fahren verspricht mehr Sicherheit und Komfort. Die Technik greift ein, bevor Menschen Fehler machen. Doch genau hier entsteht ein Widerspruch. Denn viele Systeme verlangen vom Menschen eine Rolle, für die sein Gehirn schlecht geeignet ist. Statt aktiv zu fahren, sollen Fahrerinnen und Fahrer überwachen. Und genau daran scheitern wir regelmäßig.

Der Ingenieurpsychologe Ronald McLeod beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit sogenannten Human Factors. Er untersucht, wie Menschen mit automatisierten Systemen umgehen – in der Industrie, in Flugzeugen und zunehmend auch im Auto. Seine zentrale These: Fahrzeuge mit autonomen Funktionen stellen psychologische Anforderungen, auf die Menschen nicht vorbereitet sind.

Vom Fahrer zum Aufpasser

In seinem Buch Transitioning to Autonomy fasst McLeod zahlreiche Studien zusammen. Der entscheidende Impuls kam jedoch aus dem Alltag. Beim Kauf eines Autos mit Assistenzfunktionen erhielt er kaum Einweisung.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
ERGO Group AG-Firmenlogo
Technischer Objektmanager (m/w/d) ERGO Group AG
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Maschinenbauingenieur (m/w/d) im Bereich Digitale LED-Anlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Office Group Planen & Bauen GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Office Group Planen & Bauen GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Bauleiter*in Tiefbau / Fahrleitung Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Maschinenbau Silberhorn GmbH-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) (Sonder-)Maschinenbau Maschinenbau Silberhorn GmbH
Parsberg (Lupburg) Zum Job 
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
ai6 SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
Entwickler Mechanik / Konstruktion (m/w/d) ai6 SOLUTIONS GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Key Account Manager Sicherheit und Verteidigung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 

„Ich bekam die Schlüssel ohne jegliche Einweisung und wurde in den Berufsverkehr von Glasgow entlassen“, erinnert er sich. „Keine Forschungsethikkommission würde jemals ein solches Experiment zulassen, doch genau das passiert jeden Tag Fahrern auf der ganzen Welt.“

Moderne Fahrzeuge übernehmen heute Teile der Fahraufgabe. Spurhalteassistenten lenken mit. Automatische Notbremsungen greifen ein. Tempolimits werden erkannt. Diese Systeme senken nachweislich das Unfallrisiko. Gleichzeitig verändern sie die Rolle der Fahrenden grundlegend.

Wer Assistenzsysteme aktiviert, wird nicht zum Passagier. Er oder sie wird zur Aufsichtsperson. Die Aufgabe lautet: beobachten, ob das System korrekt arbeitet, und im Zweifel eingreifen. Psychologisch ist das eine klassische Wachsamkeitsaufgabe.

Warum Aufmerksamkeit versagt

Wachsamkeit klingt simpel, ist es aber nicht. Menschen können ihre Aufmerksamkeit nur begrenzte Zeit aktiv aufrechterhalten. Besonders dann, wenn wenig passiert.

„Wir sind nicht in der Lage, unsere Aufmerksamkeit bewusst über einen längeren Zeitraum als relativ kurze Zeiträume aufrechtzuerhalten“, sagt McLeod. „Doch genau das erwarten diese Systeme von uns.“

Paradoxerweise steigt die geistige Belastung oft sogar. Beim manuellen Fahren handeln Menschen direkt. Beim teilautonomen Fahren müssen sie ständig einschätzen, was das System „sieht“, was es kann und wo seine Grenzen liegen. Dieses mentale Modell kostet Energie. Gleichzeitig fehlt die körperliche Rückmeldung durch Lenken oder Bremsen. Das Gehirn wird passiv, aber nicht entlastet.

Alter, Erfahrung, Müdigkeit und Persönlichkeit verstärken das Problem. Ein müder Mensch überwacht schlechter. Ein übermäßig vertrauender Mensch greift zu spät ein. Ein skeptischer Mensch greift zu früh ein und deaktiviert Systeme, die eigentlich helfen könnten.

Wenn Vertrauen kippt

Besonders kritisch wird es, wenn Fahrerinnen und Fahrer nicht wissen, was das Auto gerade wahrnimmt. McLeod schildert eine alltägliche Situation: dichter Verkehr, das Auto hält die Geschwindigkeit.

„Ich konnte die Gefahr vor mir sehen, hatte aber keine Möglichkeit zu wissen, ob das Fahrzeug sie wahrnahm“, sagt er. „Diese Unsicherheit erzeugt Angst – wie lange sollte ich warten, bevor ich die Kontrolle übernehme?“

Hier liegt ein Kernproblem heutiger Fahrzeuge. Viele Schnittstellen zeigen nicht klar, in welchem Modus sich das System befindet. Sie erklären nicht, welche Sensoren aktiv sind oder welche Situationen das System nicht beherrscht. Diese Informationen verstecken sich oft im Handbuch oder in kryptischen Symbolen.

McLeod formuliert es grundsätzlich: „Die Automatisierung verändert die Rolle der beteiligten Personen. Neue Technologien, für die es keine Schulungen oder sogar keine Warnungen gibt, lassen den Menschen im Unklaren und oft unfähig, sich anzupassen – was zu Sicherheitsvorfällen führen kann.“

Ein bekanntes Muster

Das Problem ist nicht auf Autos beschränkt. McLeod verweist auf zahlreiche Vorfälle in anderen Bereichen. Dazu zählen Flugzeugabstürze, Schiffsunfälle, Störungen in Kraftwerken oder Eisenbahnunfälle. Immer wieder zeigte sich dasselbe Muster: Technik übernahm Aufgaben, der Mensch sollte überwachen – und war darauf nicht vorbereitet.

„Organisationen scheinen nicht in der Lage zu sein, zu erkennen, wie neue Systeme die Anforderungen an den Menschen verändern“, sagt McLeod.

Die Lehre daraus: Mehr Automatisierung macht Systeme nicht automatisch sicherer. Sicherheit entsteht erst dann, wenn Technik und menschliche Fähigkeiten zusammenpassen.

Was sich ändern muss

McLeod plädiert nicht gegen autonomes Fahren. Er fordert ein Umdenken bei der Einführung. Systeme müssen verständlicher werden. Schnittstellen sollten klar zeigen, was das Fahrzeug erkennt und was nicht. Schulungen dürfen kein optionales Extra sein.

Denkbar sind simulationsbasierte Trainings, die gezielt das Überwachen und Eingreifen üben. Auch Fahrprüfungen müssten angepasst werden. Wer ein teilautonomes Fahrzeug nutzt, braucht andere Kompetenzen als beim klassischen Fahren.

„Wir müssen die psychologische Dimension genauso ernst nehmen wie die Hardware- und Softwareentwicklung“, argumentiert McLeod. „Autonome Funktionen können nicht als ‚Zusatz‘ betrachtet werden – die gesamte Benutzererfahrung muss entsprechend den neuen kognitiven Anforderungen neu gestaltet werden.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.