Fraunhofer-Studie 19.02.2026, 06:58 Uhr

Wovon hängt die Akzeptanz beim automatisierten Fahren ab?

Wenn neue Fahrfunktionen mehr leisten sollen, als zu lenken oder zu bremsen, kommt es vor allem darauf an, dass der Mensch das System kennenlernt, um ihm zu vertrauen zu können. Für eine Studie ist es dem Fraunhofer IAO gelungen, das Gefühl beim automatisierten Fahren zu vermitteln, lange bevor es auf die Straße geht.

automatisiertes Fahren

Automatisiertes Fahren verlangt dem Menschen einiges ab, er muss die Macht aus den Händen geben. Das Fraunhofer IAO ist dem in einer Studie nachgegangen.

Foto: Smarterpix / NewAfrica

Automatisiertes Fahren verschiebt die Aufgaben im Auto: Die fahrende Person wird zeitweise zur Begleitung und kann die Zeit zum Arbeiten, Lesen oder Entspannen nutzen. Gleichzeitig bleibt sie in der Verantwortung, das Fahrgeschehen zu überwachen und im Notfall die Kontrolle über das Auto zu übernehmen. Langfristig wird voraussichtlich auch das autonome Fahren ganz ohne diesen Sicherheitsaspekt erlaubt sein.

In jedem Fall rückt mit den veränderten Rollen im Fahrzeug die Akzeptanz der dafür notwendigen Systeme zunehmend in den Mittelpunkt. Forschende am Fraunhofer Institut Ergonomics and Vehicle Interaction, IAO, sehen deshalb einen großen Bedarf an Nutzerstudien. Doch wie soll es diese geben, wenn es zwar passende Fahrzeuge gibt, aber rechtliche Vorgaben und Rahmenbedingungen größtenteils fehlen?

Ein Team hat die flexible Forschungsinfrastruktur des Fraunhofer IAO genutzt und eine realitätsnahe Testumgebung geschaffen.

Laborumgebung macht automatisiertes Fahren erfahrbar

Um das Henne-Ei-Problem zu lösen, setzte das Fraunhofer IAO eine abgestufte Landschaft aus Laboren und Simulationsumgebungen ein. Physische und Mixed-Reality-Mock-ups erlaubten schnelle, kostengünstige Tests neuer Bedienkonzepte für Cockpits und Innenräume. Ein spezieller Fahrsimulator bildete komplexe Szenarien und verschiedene Automatisierungslevel ab.

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Das sogenannte Wizard-of-Oz-Fahrzeug ergänzte diese Setups durch realistische Fahrten im Straßenverkehr oder auf Teststrecken, bei denen ein menschlicher „Wizard“ das automatisierte Fahren simulierte. Dieser saß dafür in einem abgetrennten Bereich des Fahrzeugs und war für andere Passagiere somit nicht sichtbar.

Messmethoden rund um automatisiertes Fahren

Im Fahrzeug haben die Forschenden ein breites Spektrum an objektiven und subjektiven Messverfahren zur Bewertung der Mensch-Fahrzeug-Interaktion verwendet. Physiologische Signale wie Herzaktivität oder Hautleitfähigkeit sowie Eye-Tracking wurden erfasst und bildeten unbewusste Reaktionen während der Fahrten ab.

Ergänzend fragten sie Daten zu Wohlbefinden, Akzeptanz und Nutzungserlebnis ab. Ein modularer Datenerhebungs- und Synchronisierungsprozess ermöglicht es, diese Informationen für KI-basierte Assistenzsysteme aufzubereiten.

Hinzu kamen Interviews mit Fachleuten aus Automobilunternehmen, Zulieferindustrie und angewandter Forschung. Sie benannten zentrale Einflussfaktoren, etwa Fahrstil, Transparenz des Systems oder die Gestaltung von Human-Machine-Interfaces.

Erfolgsfaktoren für die Akzeptanz des automatisierten Fahrens

In der Studie ist unter anderem klar geworden, dass Erfahrungen mit Systemfehlern sowie die Erwartungshaltungen und das subjektive Sicherheitsgefühl maßgeblichen Einfluss darauf haben, ob Funktionen dauerhaft aktiviert bleiben oder abgeschaltet werden.

„Wir erleben häufig, dass unsere Probanden genervt von zu vielen Meldungen sind“, erklärt Lesley-Ann Mathis, eine der Autorinnen. Bereits wenige Fehlalarme würden reichen, um das Vertrauen in ein automatisiertes System in kürzester Zeit zu erschüttern. Gleichzeitig dauere es deutlich länger, dieses Vertrauen wieder aufzubauen, weshalb eine sorgfältige Kalibrierung von Systemmeldungen erforderlich ist.

Wohlbefinden und Sicherheit beim automatisierten Fahren

Die Studie hat zudem gezeigt, dass automatisiertes Fahren zwar zusätzliche Freizeit bietet, aber auch neue Belastungen mit sich bringt. Das kann zum Beispiel eine Reisekrankheit sein, die entsteht, weil Personen den Blick von der Straße abwenden. Auch Fahrstil, Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie kurvige Strecken verstärken Symptome wie Schwindel oder Übelkeit und mindern das Wohlbefinden.

Gleichzeitig kann es zu Stress kommen. Unter anderem ausgelöst durch Lesen oder die Nutzung des Handys. Denn dadurch verlagert sich automatisch die Aufmerksamkeit, und Fahrerinnen und Fahrer befürchten, dass sie es zu spät mitbekommen, falls sie die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen müssen.

Wahrgenommene Sicherheit im Fahrzeug sowie ein ruhiger, vorhersehbarer Fahrstil erhöhen dagegen Komfort und Akzeptanz bei Passagierinnen.

Bessere Schnittstellen für automatisiertes Fahren

Human-Machine-Interfaces (HMI) im Fahrzeug sollen klar vermitteln, welche Automatisierungsstufe aktiv ist und wer im Moment die Verantwortung trägt. Laut Studie fehlen bislang überzeugende Lösungen, die Rollenverteilung und Systemgrenzen im Alltag verständlich darstellen.

Visuelle Anzeigen im Lenkrad, Icons im Instrumentencluster oder KI-gestützte Sprachassistenzen werden deshalb gezielt erprobt. Ziel ist ein HMI, das die Komplexität automatisierter Fahrfunktionen reduziert, ohne abzulenken oder Nutzende zu bevormunden.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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