08.09.2016, 09:46 Uhr | 2 |

Fahrradantrieb Cyfly Dieses ovale Kettenblatt holt ein Drittel mehr Kraft aus den Beinen

Es sieht sehr komisch aus, dieses Kettenblatt. Es eiert, wenn es sich dreht. Und genau deshalb ist es so effektiv. Ingenieure in Thüringen haben einen Antrieb fürs Fahrrad entwickelt, der die Kraft der Beine deutlich besser überträgt. Die Idee vom besseren Drehmoment geht sogar in Serie.

Die Kraft eines Radfahrers wird nur auf das Kettenblatt übertragen, wenn sich die Beine in der Abwärtsbewegung befinden. Überträgt man das bildlich auf das Ziffernblatt einer Uhr, bekommt das Rad nur dann Schub, wenn sich die Kurbel zwischen zwei und vier Uhr bewegt.

Ist der Schuh fest mit dem Pedal verbunden, also bei Klickpedalen, kommt noch der Bereich zwischen acht und zehn Uhr dazu, in dem der Radler das Pedal nach oben zieht. Die übrigen Beinbewegungen sind mehr oder weniger auch anstrengend, aber für das Vorankommen wirkungslos. Zwei Drittel der Kraft wird verpulvert.

Ovales Kettenblatt mit besserem Drehmoment

Auf der Eurobike in Friedrichshafen hat das 1897 gegründete und zwischendurch als VEB überlebende Thüringer Unternehmen Möve Bikes ein neues, rein mechanisches Antriebssystem vorgestellt, das die Beinkraft über einen erweiterten „Uhrzeigerbereich“ in Vortrieb umwandelt. Das Kettenblatt ist nicht wie üblich rund, sondern leicht ellipsenförmig. Und die Tretkurbel ist nicht nur mittig befestigt, sondern hat noch eine zweite Verbindung zum Kettenblatt.

Damit wird die folgenlose Anstrengung über einen weiten Bereich des „Zifferblatts“ in Kraft umgewandelt, die das Fahrrad voranbringt. Cyfly nennen die Ingenieure aus Mühlhausen ihr neues System, das bei gleicher Geschwindigkeit wenigstens ein Drittel der bei einem normalen Fahrrad nötigen Kraft einspart oder das Tempo bei gleicher Anstrengung deutlich erhöht. Der Radler bewältigt Anstiege auch viel leichter.

Die Tretkurbel ist scheinbar länger

„Sie erreichen bessere Leistungen als mit herkömmlichen Tretkurbel-Antrieben“, so  Möve. „Und das rein mechanisch durch Ihre eigene Kraft, wobei Sie den permanenten Schub eines E-Bikes nicht spüren, wahrscheinlich aber auch nicht vermissen werden.“

 

 

Ingenieurmäßig ausgedrückt klingt das so: „Mit dem Cyfly-Antrieb bewegen wir uns auf dem Weg einer 166,5 mm langen Tretkurbel und erzeugen das Drehmoment einer 223,9 mm langen Kurbel.“ Das bedeutet: Das Gesamtdrehmoment nimmt um ein Drittel zu. Das Rad wird durch Cyfly allerdings schwerer, um genau 1950 g, wenn man das eingesparte Gewicht des herkömmlichen Antriebs abzieht.

„Im Schnitt 4 km/h schneller soll es sich mit dem Cyfly-Antrieb fahren lassen, außerdem knie- und gelenkschonend“, verspricht Möve-Geschäftsführer Tobias Spröte.

Ingenieure wollen den Antrieb leichter machen

Anfang 2017 sollen die ersten Premium-Räder mit Cyfly in den Handel kommen. Dann soll der Werbespruch aus dem Jahr 1930 wieder gelten: „Im Flug durchs Land mit Möve“. Allerdings baut das Unternehmen, ein Ingenieursdienstleister und Prototypenfertiger, das Antriebssystem nicht selbst. Das übernimmt der Autozulieferer Mitec Automotive aus Eisenach.

Die Antriebstechnik besteht derzeit aus hochfestem Aluminium und hochlegierten Stählen. Aber die Ingenieure arbeiten daran, den Antrieb leichter zu machen. „Dank unserer Forschungskooperation mit der Fachhochschule Schmalkalden werden wir in Zukunft Cyfly-Komponenten aus Materialien wie Karbon- oder Naturfasern mit Hilfe von 3D-Druckverfahren bei uns in Deutschland herstellen können“, so das Unternehmen, das sein System mit zahlreichen Patenten abgesichert hat. Eine Nachrüstung herkömmlicher Räder ist vorerst nicht möglich, aber angedacht.

Eine nicht minder spannende Antriebstechnik hat der Industriedesigner Florian Mayer entwickelt. Er hat sein E-Bike Urban Rush mit zwei Motoren ausgestattet. Neben dem unsichtbaren Heckmotor gibt es einen weiteren Motor in der Vorderradnabe, der Bremsenergie speichert und beim Anfahren wieder abgibt.

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Von Wolfgang Kempkens
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kommentare
15.09.2016, 15:18 Uhr Maschero
Die Idee mit dem ovalen Kettenrad ist schon uralt. Ich hatte vor vielen Jahren ein Kettler Bike mit Biopace von Shimano (https://de.wikipedia.org/wiki/Biopace). Der Effekt war gut spürbar. Nicht nur ging das Treten leichter sondern die Bewegung war irgendwie auch viel harmonischer, das heisst ergonomischer. Das merkte man insbesondere beim Umstieg zurück auf ein normales Fahrrad. Da war die Tretbewegung irgendwie viel abgehackter und mühsamer. Ich würde sofort wieder so ein Fahrrad mit Biopace kaufen, wenn es sowas noch geben würde. Es braucht nämlich nicht unbedingt noch eine zusätzliche Mechanik, welche nur zusätzliches Gewicht bringt.

23.09.2016, 14:31 Uhr fschupp
Finde ich super

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