30.08.2017, 13:46 Uhr | 3 |

Fahrradantrieb Cyfly Dieses ovale Kettenblatt holt ein Drittel mehr Kraft aus den Beinen

Es sieht sehr komisch aus, dieses Kettenblatt. Es eiert, wenn es sich dreht. Und genau deshalb ist es so effektiv. Ingenieure in Thüringen haben einen Antrieb fürs Fahrrad entwickelt, der die Kraft der Beine deutlich besser überträgt. Die Idee vom besseren Drehmoment geht sogar in Serie.

Auf der Eurobike 2016 in Friedrichshafen hat das 1897 gegründete Thüringer Unternehmen Möve Bikes ein neues, rein mechanisches Antriebssystem vorgestellt, das die Beinkraft über einen erweiterten „Uhrzeigerbereich“ in Vortrieb umwandelt. Auf der Eurobike 2017präsentiert Möve Bikes nun das MÖVE Franklin – das erste Serienfahrrad mit Cyfly-Antrieb.

Wie dieses innovative System funktioniert?

Zwei Drittel der Kraft beim Radfahren wird verschwendet

Die Kraft eines Radfahrers wird nur auf das Kettenblatt übertragen, wenn sich die Beine in der Abwärtsbewegung befinden. Überträgt man das bildlich auf das Ziffernblatt einer Uhr, bekommt das Rad nur dann Schub, wenn sich die Kurbel zwischen zwei und vier Uhr bewegt.

Ist der Schuh fest mit dem Pedal verbunden, also bei Klickpedalen, kommt noch der Bereich zwischen acht und zehn Uhr dazu, in dem der Radler das Pedal nach oben zieht. Die übrigen Beinbewegungen sind mehr oder weniger auch anstrengend, aber für das Vorankommen wirkungslos. Zwei Drittel der Kraft wird verpulvert.

Ovales Kettenblatt mit besserem Drehmoment

Was ist bei dem cyfly-Antrieb besonders? Das Kettenblatt ist nicht wie üblich rund, sondern leicht ellipsenförmig. Und die Tretkurbel ist nicht nur mittig befestigt, sondern hat noch eine zweite Verbindung zum Kettenblatt.

Damit wird die folgenlose Anstrengung über einen weiten Bereich des „Zifferblatts“ in Kraft umgewandelt, die das Fahrrad voranbringt. Cyfly nennen die Ingenieure aus Mühlhausen ihr neues System, das bei gleicher Geschwindigkeit wenigstens ein Drittel der bei einem normalen Fahrrad nötigen Kraft einspart oder das Tempo bei gleicher Anstrengung deutlich erhöht. Der Radler bewältigt Anstiege auch viel leichter.

Die Tretkurbel ist scheinbar länger

„Sie erreichen bessere Leistungen als mit herkömmlichen Tretkurbel-Antrieben“, so  Möve. „Und das rein mechanisch durch Ihre eigene Kraft, wobei Sie den permanenten Schub eines E-Bikes nicht spüren, wahrscheinlich aber auch nicht vermissen werden.“

Ingenieurmäßig ausgedrückt klingt das so: „Mit dem Cyfly-Antrieb bewegen wir uns auf dem Weg einer 166,5 mm langen Tretkurbel und erzeugen das Drehmoment einer 223,9 mm langen Kurbel.“ Das bedeutet: Das Gesamtdrehmoment nimmt um ein Drittel zu. Das Rad wird durch Cyfly allerdings schwerer, um genau 1950 g, wenn man das eingesparte Gewicht des herkömmlichen Antriebs abzieht.

„Im Schnitt 4 km/h schneller soll es sich mit dem Cyfly-Antrieb fahren lassen, außerdem knie- und gelenkschonend“, verspricht Möve-Geschäftsführer Tobias Spröte.

Montage in Mühlhausen

Sein System hat das Unternehmen mit zahlreichen Patenten schon abgesichert. Die Montage der Fahrräder erfolgt in der Manufaktur in Mühlhausen. Die Einzelteile des innovativen Fahrrads werden von Top-Zulieferer bezogen. Für die Schaltung, Bremsen und Nabendynamo wird zum Beispiel die Gruppe Deore XT von Shimano eingesetzt, der Lenker und die Sattelstütze sind von Syntace. 

Der Vertrieb erfolgt auf einer besonderen Art und Weise. Der Kunde hat die Möglichkeit MÖVE franklin bei ausgewählten Fachhändlern live zu sehen und Probe zu fahren. Die Konfiguration und die Bestellung erfolgen dann online. Zwei Ausstattungsvarianten stehen zur Verfügung – PURE und PRO.

Eine nicht minder spannende Antriebstechnik hat der Industriedesigner Florian Mayer entwickelt. Er hat sein E-Bike Urban Rush mit zwei Motoren ausgestattet. Neben dem unsichtbaren Heckmotor gibt es einen weiteren Motor in der Vorderradnabe, der Bremsenergie speichert und beim Anfahren wieder abgibt.

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Von Wolfgang Kempkens / ingenieur.de
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kommentare
15.09.2016, 15:18 Uhr Maschero
Die Idee mit dem ovalen Kettenrad ist schon uralt. Ich hatte vor vielen Jahren ein Kettler Bike mit Biopace von Shimano (https://de.wikipedia.org/wiki/Biopace). Der Effekt war gut spürbar. Nicht nur ging das Treten leichter sondern die Bewegung war irgendwie auch viel harmonischer, das heisst ergonomischer. Das merkte man insbesondere beim Umstieg zurück auf ein normales Fahrrad. Da war die Tretbewegung irgendwie viel abgehackter und mühsamer. Ich würde sofort wieder so ein Fahrrad mit Biopace kaufen, wenn es sowas noch geben würde. Es braucht nämlich nicht unbedingt noch eine zusätzliche Mechanik, welche nur zusätzliches Gewicht bringt.

23.09.2016, 14:31 Uhr fschupp
Finde ich super

05.09.2017, 11:36 Uhr drpietrzak
Auch ich habe mit meinem Rennrad und Biopace sehr positive Erfahrungen gemacht. Leider gabs dann irgendwann keine Ersatzteile mehr für den ungewöhnlichen Antrieb. Ich teile die Ansicht, dass die zusätzliche Mechanik verzichtbar ist.

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