26.02.2015, 10:35 Uhr | 0 |

EIGENE RAUMSTATION GEPLANT Russland will doch bis 2024 auf ISS bleiben

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat angekündigt, ihre Beteiligung an der ISS nicht schon 2020, sondern erst 2024 zu beenden. Dann aber will Russland definitiv die eigenen Module nutzen, um eine selbstständige Raumstation aufzubauen.

Astronaut James H. Newman bei einem Weltraumeinsatz im Dezember 1998 vor dem russischen ISS-Modul Zarya
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Der amerikanische Astronaut James H. Newman bei einem Weltraumeinsatz im Dezember 1998 vor dem russischen ISS-Modul Zarya: Russland will die russischen Module der Internationalen Raumstation nutzen, um ab 2024 eine russische Weltraumstation aufzubauen.

Foto: NASA

Ist das jetzt Zurückrudern oder eine erneuerte Drohung? Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konfliktes steht wohl keine Äußerung Russland zur Zusammenarbeit mit den USA und Europa einfach nur für sich. Die Ankündigung, schon in fünf Jahren aus der ISS auszusteigen, hatte im vergangenen Jahr für einige Unruhe bei NASA und ESA gesorgt. Nun erklärt die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos, man wolle bis 2024 auf der Raumstation ISS bleiben – und sich dementsprechend auch an der Finanzierung beteiligen.

Rund drei Milliarden Dollar kostet der Betrieb pro Jahr. Technisch wäre die ISS bis mindestens 2028 funktionsfähig. Dass Russland das Thema seiner Beteiligung nun wieder auf den Tisch bringt, kommt in jedem Fall nicht von ungefähr: Selbstbewusst kündigt Roskosmos an, man werde die eigenen Module von der Station abkoppeln und dafür nutzen, eine eigene Raumstation aufzubauen. Damit will Moskau Prestige gewinnen und anknüpfen an die glorreichen, vor mehr als 20 Jahren im Meer versunkenen Zeiten, als Russland mit der „Mir“ die einzige Raumstation alleine betrieb.

Nur Sojus-Kapseln bringen Astronauten zur ISS 

Die Reaktionen bei ESA und NASA zeigen jedenfalls Erleichterung. Die Partner haben Zeit gewonnen. Gleichwohl sagt Russland damit erneut: Wir können ohne Euch. Dabei schwingt immer auch mit: Aber Ihr könnt nicht ohne uns. Ohne die russischen Sojus-Kapseln können auf absehbare Zeit jedenfalls keine Astronauten sicher zur ISS gebracht und von dort abgeholt werden, denn ein anderes Transportmittel gibt es nach dem Ende des US-Raumfährenprogramms einfach nicht.

Inzwischen erinnert der technische Wettlauf an die Zeiten des Kalten Krieges, an die Konkurrenz der politischen Systeme. Die Sowjetunion hatte die erste Rakete in eine Erdumlaufbahn gebracht, die USA mit Neil Armstrong den ersten Menschen auf den Mond. Nun will Russland erneut seine Stärke demonstrieren.

Zugleich arbeiten die USA mithilfe privater Unternehmen daran, von den russischen Sojus-Modulen unabhängig zu werden. SpaceX hat bereits im vergangenen Jahr einen Frachttransporter zur Raumstation gebracht, und Boeing hat inzwischen den offiziellen Auftrag für einen Raumtransporter. In zwei Jahren soll die Entwicklung so weit gediehen sein, dass man den Transport von Menschen zur ISS riskieren kann. Das Problem: Die USA haben Zeitdruck, können sich aber eine erneute Katastrophe wie mit der Challenger unmöglich leisten.

Hat Russland überhaupt die Mittel für eine eigene Raumstation?

Ob Russland wirklich in der Lage sein wird, eine eigene Station zu errichten und zu betreiben, ist indes zweifelhaft. Nicht nur die technische Machbarkeit steht in Frage. Aktuell steckt das Land in einer schweren Wirtschaftskrise. Und wenn es vor allem den Europäern gelingt – wie gerade erst in einer EU-Strategie angekündigt – , von russischem Gas weitgehend unabhängig zu werden, könnte eine wichtige Einnahmequelle wegbrechen.

Aber zum Schwur kommt es ja erst in einigen Jahren. Heute geht es darum, Stärke zu zeigen. Echte oder vermeintliche.

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Von Werner Grosch
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