Boeing

Triebwerk Flugzeug
Foto: panthermedia.net/KirillM

Als einer der größten Unternehmen in der Luft- und Raumfahrtindustrie gilt Boeing aus den USA. Im Portfolio der bekannten Firma finden sich neben zivilen Flugzeugen auch Helikopter und Jets für den militärischen Einsatz sowie Raumfähren. Hier blicken wir auf die lange Geschichte von Boeing und die Innovationen des amerikanischen Flugzeugbauers.

Die Geschichte von Boeing

Die Geschichte von Boeing beginnt mit William Edward Boeing, dem Sohn eines deutschen Bergbau-Ingenieurs. Der Vater Wilhelm Böing wandert aus Limburg an der Lenne nach Detroit aus und kommt dort zu beträchtlichem Vermögen. William studiert in Yale und eignet sich umfassendes Wissen über die Holzverarbeitung an, die er später im Flugzeugbau einbringen kann. 1915 bauen er und George Conrad Westervelt gemeinsam das Wasserflugzeug B & W Seaplane dessen Konstruktion unter anderem aus Holz besteht. Am 15. Juni 1916 nimmt Boeing selbst den ersten Flug vor und gründet sein Unternehmen auf den Tag einen Monat später. Pacific Aero Products Company wird ein Jahr später zu Boeing Airplane Company. Während des Ersten Weltkrieges liefert das Unternehmen Trainingsflugzeuge für die Militärs und konzentriert sich nach dem Krieg auf Passagier- und Frachtflugzeuge. Im März 1919 sind Conrad Westervelt und William Boeing für den ersten Luftpostflug zwischen den USA und Kanada verantwortlich. Acht Jahre später gründet Boeing eine eigene Airline unter dem Namen Boeing Air Transport. Im Jahr 1929 folgt der Zusammenschluss mit dem Triebwerkhersteller Pratt & Whitney und weiteren Unternehmen. Aus dieser Verbindung entsteht die United Aircraft and Transport Corporation.

Postflüge und Skandale

Das neue Unternehmen gewinnt zahlreiche Ausschreibung des Staates für Postflüge. Mitte der 30er-Jahre wird bekannt, dass hinter der Ausschreibung Korruption und Bestechung stecken. Der sogenannte Luftpost-Skandal von 1934 sorgt dafür, dass Boeing die Aufträge für die Luftpost in den USA wieder verliert. Der Air Mail Act von 1934 soll monopolistische Strukturen in der Luftpost auflösen und sorgt dafür, dass die United Aircraft and Transport Corporation aufgespalten wird. William Edward Boeing verlässt sein Unternehmen im Zuge dieses Vorgangs.

Vom Zweiten Weltkrieg in die Gegenwart

Während des Zweiten Weltkrieges versorgt Boeing die amerikanischen Streitkräfte mit Bombenflugzeugen. Besonders bekannt ist die B-17. Mit dem KC-135, einem Tankflugzeug, erweitert Boeing die Reichweite dieser Bombenflugzeuge und entwickelt gleichzeitig die Blaupause des zivilen Flugzeuges Boeing 707. Hier liegt der der Beginn der Ära der zivilen Luftfahrt für das amerikanische Unternehmen. In den folgenden Jahren wird das Unternehmen zum größten Betreiber ziviler Luftfahrt. Neuland betritt das Unternehmen mit der Herstellung der ballistischen Interkontinentalrakete Minuteman. Sie ebnet Boeing den (technischen) Weg in die Raumfahrt. Das Unternehmen ist unter anderem an der Herstellung der Mondrakete Saturn V beteiligt. Die Wende für den anhaltenden Erfolg des Unternehmens bringen die Terroranschläge des 11. Septembers, die die Abnahme des Sonic Cruisers einbrechen lassen, was den Abbruch der Konzeption mit sich bringt. Wegbrechende Aufträge im militärischen Sektor und der Vorwurf der Mitschuld am Columbia-Unglück sorgen für weitere wirtschaftliche Probleme. Die mangelnde Nachfrage nach Flugzeugen in der zivilen Luftfahrt hält sich auch Jahre nach dem 11. September. Erst im Jahr 2005 nimmt die Nachfrage nach neuen Modellen wieder zu. Die nächsten Probleme bringen mehrere Abstürze von Flugzeugen des Unternehmens.

Warum die Boeing 737-MAX-8 abgestürzt ist

Im Oktober 2018 und im März 2019 stürzen Flugzeuge des Typs Boeing-737-MAX-8 ab. Grund ist ein Sensorfehler der in die Maneuvering Characteristics Augmentation Systems (MCAS) einspeist. Die Steuerung des Flugzeuges wird dadurch überschrieben. In der Folge wird die Nase des Flugzeuges nach unten gedrückt. Grund für die Probleme ist eine übereilte Entwicklung dieser neuen 737-Variante als Reaktion auf Airbus. Die Konkurrenz bringt im Jahr 2010 die Modelle der A-320-Famillie auf den neuesten Stand und Boeing entschließt sich, mit seinem 737 ähnlich vorzugehen. Im Zentrum der Erneuerung steht der Einsatz von effizienteren LEAP-Triebwerken und weiteren Veränderungen, die ursprünglich für ein komplett neues Modell geplant sind.

Um den Vorsprung von Airbus einzuholen, beschleunigt Boeing die Zertifizierung der neuen 737-MAX-Modelle. Die Ingenieure der FAA werden von ihren Vorgesetzten gedrängt, die wichtigen Sicherheitstests an Boeing abzugeben und diese im Nachhinein schnell abzusegnen. Veränderungen am Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) werden dadurch nicht eingehend getestet. Piloten werden ebenfalls nicht auf die Arbeit mit dem neuen System vorbereitet, um die Zeit bis zum ersten Einsatz der neuen Flugzeuge zu verkürzen. In den Handbüchern zu den MAX-Modellen taucht die Funktion nicht auf und auch die Möglichkeit diese abzuschalten, wird nicht erwähnt. Infolge der Abstürze werden der Einsatz und Verkauf der Flugzeuge untersagt. Erst nach zahlreichen Verbesserungen finden seit Juni 2020 wieder Testflüge der 737 MAX statt. Derzeit steht eine erneute Erlaubnis für den Einsatz des Flugzeugtyps noch aus.

Boeing während Corona

Parallel wird das Unternehmen, wie alle von der COVID-19-Pandemie getroffen, die einen Einbruch im Flugverkehr hervorruft. Über Anleihen konnte das Unternehmen sich 25 Milliarden US-Dollar sichern und auf staatliche Hilfen verzichten. Trotzdem folgt die Streichung von zehn Prozent der Stellen und die Situation bleibt weiterhin kritisch. Das wirkt sich auch auf den deutschen Markt aus, wo Boeing ebenfalls aktiv ist. Besonders zu erwähnen ist Jeppesen, wo mehr als 500 Mitarbeiter an Flugnavigationslösungen und weiteren informationstechnischen Dienstleistungen arbeitet. Auch Forschung betreibt der Flugzeugbauer an zwei Standorten in Deutschland.

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