CO2-Fußabdruck beim Einkauf 17.07.2013, 11:15 Uhr

Studie: Biomarkt-Kunden verursachen hohe Kohlendioxid-Emissionen

Der Ausstoß von Kohlendioxid auf dem Weg zum Supermarkt trägt erheblich zum „CO2-Fußabdruck“ des Kunden bei. Eine Studie in Hessen zeigt nun, dass Kunden von Biomärkten mit rund 1000 Gramm CO2 pro Kilogramm Bioprodukt mehr als dreimal so viel Kohlendioxid verursachen wie im deutschen Durchschnitt.

Studienergebnis: Beim Einkauf im Biomarkt verursachen Kunden mehr als dreimal so viel Kohlendioxid wie im deutschen Durchschnitt. Schuld daran ist die mangelnde Infrastruktur. Wegen großer Entfernungen zum Bioladen fahren die Konsumenten meist mit dem Auto dorthin.

Studienergebnis: Beim Einkauf im Biomarkt verursachen Kunden mehr als dreimal so viel Kohlendioxid wie im deutschen Durchschnitt. Schuld daran ist die mangelnde Infrastruktur. Wegen großer Entfernungen zum Bioladen fahren die Konsumenten meist mit dem Auto dorthin.

Foto: dpa/David Ebener

Ausgerechnet diejenigen, die sich um die Umweltfreundlichkeit ihrer Lebensmittel besonders viele Gedanken machen, sollen dem Klima mit ihrem Einkaufsverhalten besonders schaden. Doch zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie zum CO2-Fußabdruck von Biomarkt- im Vergleich zu Supermarkt-Kunden.

Wie umweltfreundlich ist der Einkauf im Biomarkt, bezogen auf den Einkaufsweg, also die sogenannte „letzte Meile“? Eine Arbeitsgruppe von Elmar Schlich, Professor für Prozesstechnik in Lebensmittel- und Dienstleistungsbetrieben an der Justus-Liebig-Universität Gießen, ist dieser Frage speziell für den Raum Mittelhessen nachgegangen.

Biomarkt-Kunden kaufen weniger und haben längere Anfahrtswege

Das Ergebnis war deutlich: Im Durchschnitt haben Kunden von Biomärkten in mittelhessischen Städten einen deutlich höheren „Endverbraucher-CO2-Fußabdruck“ als diejenigen, die in Gießener Supermärkten einkaufen. Frühere Studien der Arbeitsgruppe Schlich hatten bereits gezeigt, dass Lebensmittel in Deutschland durch den Weg zum Einkauf zusätzlich im Schnitt mit etwa 300 Gramm Kohlendioxid pro Kilogramm belastet werden.

In Gießen liegt die Belastung mit nur durchschnittlich 124 Gramm allerdings deutlich darunter. Die Forscher führen das darauf zurück, dass Gießen einen besonders hohen Anteil an Studenten besitzt. Diese würden häufig mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren, ihr Semesterticket nutzen oder zu Fuß gehen.

Bei der aktuellen Befragung von 275 Biomarkt-Kunden in mittelhessischen Städten verursachten diese für ihre Einkaufswege im Schnitt rund 1000 Gramm CO2 pro Kilogramm Bioprodukt. Das ist mehr als das Dreifache des deutschen Durchschnitts und i mehr als das Achtfache der befragten Gießener Supermarkt-Kunden. Als Grund nennt die Studie die deutlich längeren Einkaufswege, die Biomarkt-Kunden zurücklegen müssen, denn Biomärkte sind nicht so flächendeckend vorhanden wie Supermärkte. Außerdem würden Biomarkt-Kunden signifikant weniger einkaufen pro Besuch. Beides führe zu einer deutlichen Erhöhung der spezifischen CO2-Emissionen auf Konsumentenseite.

Schlich: „Veränderung des eigenen Handelns kann viel bewirken“

Allerdings dürften diese Mittelwerte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei den Biomarkt-Kunden sehr große individuelle Unterschiede gebe. Die liegen zwischen 0 und beträchtlichen 38 900 Gramm CO2 pro Kilogramm Einkauf. Zudem gelten die Daten nur für die Untersuchung im Raum Mittelhessen, weitere Erhebungen seien daher notwendig.

Für Professor Schlich ist aber auch jetzt schon deutlich, dass alle Verbraucher in unserer mobilen Gesellschaft ein größeres Bewusstsein für ihren eigenen Beitrag zur CO2-Einsparung entwickeln sollten. „Die Veränderung des eigenen Handelns kann viel mehr bewirken als der Ruf nach einem möglichst geringen ‚Product Carbon Footprint‘ in der Primärproduktion, in der Lebensmittelwirtschaft und im Transportwesen.“ Es müsse zu denken geben, dass der Transport von Tafeläpfeln globaler Herkunft per Schiff und LKW über Entfernungen von 16 000 Kilometern weniger CO2 pro Kilogramm Lebensmittel verursache als die sogenannte „letzte Meile“, die im Verantwortungsbereich der Endkunden liegt. „Wer mit seinem Auto etliche Kilometer in die Stadt zum Biomarkt oder weit ins Umland zum Hofladen fährt, um dort ‚Bio‘ zu kaufen, tut der Umwelt keinen Gefallen“, sagt Schlich. „Eine effizientere Logistik der Distribution von Bioprodukten bis zur Haustür der Verbraucherinnen und Verbraucher ist dringend geboten.“

Von Gudrun von Schoenebeck

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