Tanker in Straße von Hormus schwer beschädigt – Öl tritt aus
Ein Öltanker ist in der Straße von Hormus schwer beschädigt worden und in Brand geraten. Öl gelangte ins Meer, zwei Seeleute werden vermisst. Während der Iran von einem Minentreffer spricht, macht das US-Militär einen iranischen Drohnenangriff verantwortlich.
Zwischenfall in der Straße von Hormus - ein großer Tanker geriet in Brand und schlug leck. Die Ursache ist noch unbekannt.
Foto: picture alliance / Sipa USA | Jonathan Raa
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Der schwer beschädigte Öltanker „El Gaia“ wird in einen Hafen im Oman geschleppt. Zuvor war auf dem unter Panama-Flagge fahrenden Schiff ein Feuer ausgebrochen. Bei der Havarie trat Öl aus. Wie groß die Verschmutzung ist, bleibt bislang offen.
Die nautische Warnmeldung NAVAREA IX 319/26 vom 13. September nennt ausdrücklich einen „oil spill“. Demnach war die „El Gaia“ nach einem Sicherheitsvorfall in Brand geraten und anschließend manövrierunfähig abgetrieben. Als Position wurde 26°26,50′ N, 056°30,10′ E angegeben, rund 3,6 Seemeilen nordwestlich der omanischen Halbinsel Musandam. Hinweise auf eine größere Ölkatastrophe gibt es bislang nicht. Weder zur Menge des ausgetretenen Öls noch zur Größe eines möglichen Ölteppichs liegen belastbare Angaben vor.
23 Besatzungsmitglieder gerettet
Inzwischen ist das Feuer offenbar gelöscht. Nach Angaben des Maritime Security Centre des Oman konnte ein Brand im Maschinenraum unter Kontrolle gebracht werden. Ein Schiff der Royal Navy of Oman evakuierte 23 Besatzungsmitglieder. Zwei weitere Seeleute werden noch vermisst. Frühere Meldungen hatten lediglich 14 Seeleute genannt. Dabei handelte es sich um den indischen Teil der Besatzung. Nach Angaben der indischen Regierung konnten 13 von ihnen gerettet werden, ein indischer Seemann wird vermisst.
Die „El Gaia“ ist ein unter Panama-Flagge fahrender Produktentanker. Das 2005 gebaute Schiff ist rund 180 m lang, 32 m breit und besitzt eine Tragfähigkeit von knapp 48.000 t. Was den Tanker tatsächlich schwer beschädigte, ist dagegen umstritten.
Iran spricht von einer Seemine
Nach Darstellung der iranischen Revolutionsgarden (Islamic Revolutionary Guard Corps, IRGC) versuchte die „El Gaia“, eine gesperrte Route im südlichen Bereich der Straße von Hormus zu passieren. Dabei sei das Schiff auf eine Seemine gelaufen und anschließend in Brand geraten.
Der Iran nutzt den Vorfall zugleich als Warnung an die internationale Schifffahrt. Die Revolutionsgarden erklärten erneut, dass die Meerenge geschlossen sei und unter iranischer Kontrolle stehe. Das US-Militär widerspricht dieser Darstellung ausdrücklich.
CENTCOM: Iran griff Tanker mit Drohne an
Nach Angaben des United States Central Command (Centcom) wurde die „El Gaia“ bereits im vergangenen Monat von einer iranischen Rakete getroffen und dadurch manövrierunfähig. Am vergangenen Wochenende habe der Iran das Schiff erneut angegriffen – diesmal mit einer Drohne.
Die Behauptung eines Minentreffers weist Centcom zurück. Die Revolutionsgarden verbreiteten nach US-Angaben diese Darstellung, um Handelsschiffe einzuschüchtern. Unabhängig davon lässt sich derzeit weder die iranische noch die amerikanische Darstellung des konkreten Schadenshergangs unabhängig bestätigen. Gesichert sind dagegen das Feuer, der Ölaustritt und die Evakuierung eines großen Teils der Besatzung.
Schiffsverkehr durch Hormus bricht ein
Der Zwischenfall trifft eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Vor Beginn des Krieges wurde rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung durch die Straße von Hormus transportiert. Auch große Mengen Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) und petrochemischer Produkte passieren die Meerenge.
Der Verkehr ist inzwischen massiv eingebrochen. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler, über die Reuters berichtet, durchquerten am Montag nur noch vier mit Rohstoffen beladene Frachtschiffe die Meerenge. Am Sonntag waren es zehn. Vor Beginn des Krieges registrierte Kpler durchschnittlich rund 125 Passagen großer Handelsschiffe pro Tag. Ein Teil des tatsächlichen Verkehrs kann allerdings höher liegen: Schiffe, die ihre AIS-Transponder abschalten, werden von entsprechenden Tracking-Systemen nicht vollständig erfasst.
Die Unsicherheit macht sich auch am Ölmarkt bemerkbar. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Dienstag zeitweise mehr als 107 $. Zusätzlich verschärft eine Störung der saudischen Ost-West-Pipeline die Lage. Über sie kann Saudi-Arabien Rohöl vom Persischen Golf zum Roten Meer transportieren und damit die Straße von Hormus umgehen.
Eine Mine müsste den Tanker nicht berühren
Sollte sich die iranische Darstellung bestätigen, hätte der Vorfall noch eine weitere Dimension. Denn moderne Seeminen müssen nicht zwangsläufig durch direkten Kontakt mit einem Schiff ausgelöst werden. Je nach Bauart reagieren sogenannte Einflussminen beispielsweise auf Veränderungen des Magnetfelds, auf charakteristische Schiffsgeräusche oder auf Druckänderungen im Wasser. Damit können sie auch unterhalb der Wasseroberfläche detonieren, wenn ein großes Schiff vorbeifährt. Für eine Wasserstraße wie die von Hormus ist bereits der Verdacht auf solche Minen problematisch. Die Meerenge ist an ihrer schmalsten Stelle rund 33 km breit, die von Handelsschiffen genutzten Verkehrskorridore sind deutlich schmaler. Minensuche und -räumung könnten den Verkehr weiter verlangsamen und umfangreiche militärische Sicherungsmaßnahmen notwendig machen.
Ob tatsächlich eine Mine die „El Gaia“ beschädigte, bleibt allerdings unbewiesen. Sicher ist bislang etwas anderes: Der Tanker wurde schwer beschädigt, brannte und verlor Öl – mitten in einer Wasserstraße, deren Schiffsverkehr ohnehin auf einen Bruchteil des früheren Niveaus gefallen ist.
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