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Einmal erhöhen pro Tag: Was die neue Spritpreis-Regel wirklich bringt

03. April 2026

Hohe Spritpreise und ein Stopschild
Stopp den hohen Spritpreisen. Die Tankstellenregel soll die Preise dämpfen, bislang funktioniert das nur bedingt. Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON
Seit April dürfen Tankstellen Spritpreise nur noch einmal täglich erhöhen. Doch hohe Ölpreise und Nahost-Krise treiben Benzin und Diesel weiter nach oben.
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Die Spritpreise kennen seit einigen Wochen vor allem eine Richtung: nach oben. Ein wesentlicher Treiber ist die angespannte Lage im Nahen Osten. Die Bundesregierung hat darauf reagiert und die sogenannte Tankstellenregel beschlossen. Der Bundestag stimmte dem Maßnahmenpaket zu, auch den Bundesrat hat es bereits passiert.

Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr mittags anheben. Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich. Die Regel orientiert sich am österreichischen Modell. Bislang konnten Tankstellenbetreiber ihre Preise beliebig häufig ändern – teils mehr als 20-mal pro Tag. Verstöße gegen die neue Vorgabe können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 € geahndet werden.

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Inhaltsverzeichnis

Welche Effekte kann die Tankstellenregel bewirken?

Insgesamt verschärft die Bundesregierung damit die kartellrechtliche Aufsicht in der Branche. Bei Verdacht auf überhöhte Preise kann eingegriffen werden. Unternehmen müssen in solchen Fällen gegenüber den Behörden darlegen, wie ihre Preisgestaltung zustande kommt. Das Bundeskartellamt kann so gegen mögliche Wettbewerbsverzerrungen vorgehen.

Ziel ist es unter anderem, den sogenannten „Raketen-und-Feder-Effekt“ abzuschwächen. Dabei steigen Preise bei steigenden Rohölkosten schnell, sinken bei fallenden Kosten jedoch deutlich langsamer. Ob die neue Regel dieses Verhalten tatsächlich durchbricht, ist offen. Nach einem Jahr soll eine erste Bilanz gezogen werden.

Die Tankstellenregel setzt am Ende der Preisbildungskette an – an der Zapfsäule. Sie kann kurzfristige Preisspitzen glätten und die Transparenz erhöhen. Auf das eigentliche Preisniveau hat sie jedoch nur begrenzten Einfluss. Dieses wird maßgeblich durch Rohölpreise, Raffineriekapazitäten, Wechselkurse und Steuern bestimmt.

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Fakt ist: Seit Einführung der neuen Regelung sind die Preise zunächst weiter gestiegen. Das überrascht kaum, da die zentralen Preistreiber außerhalb des nationalen Einflussbereichs liegen.

Wie genau hängt der Irankonflikt mit den Spritpreisen zusammen?

Das Kriegsgeschehen im Nahen Osten wirkt sich direkt auf die globalen Energiemärkte aus. Besonders sensibel reagiert der Markt auf die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge wird ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Rohöls transportiert.

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Bereits die Gefahr von Störungen oder einer möglichen Blockade reicht aus, um die Preise deutlich steigen zu lassen. Händler kalkulieren Risiken ein, Versicherungsprämien steigen und Lieferketten geraten unter Druck. In der Folge verteuert sich Rohöl auf dem Weltmarkt – und damit auch Benzin und Diesel.

Deutschland importiert zwar nur rund 6 % seines Rohöls direkt aus dieser Region, doch die globalen Märkte sind eng verflochten. Preisbewegungen wirken sich daher weltweit aus.

Asien zahlt höhere Preise – Tanker ändern ihre Routen

Hinzu kommt ein globaler Verdrängungswettbewerb. Europa und Asien konkurrieren um verfügbare Lieferungen. Anbieter liefern bevorzugt dorthin, wo höhere Preise erzielt werden können.

So kam es zuletzt vor, dass einzelne Tanker ihre ursprünglich geplanten Routen änderten und Ladungen in andere Märkte umleiteten. Für Europa bedeutet das: weniger Angebot bei gleichzeitig hoher Nachfrage – ein zusätzlicher Preistreiber.

Gibt es denn tatsächlich weniger Öl?

Ein physischer Mangel ist derzeit nicht zwingend der Hauptgrund für steigende Preise. Entscheidend ist vielmehr die Unsicherheit im Markt. Die Mitgliedsstaaten der OPEC beeinflussen das Angebot weiterhin über Förderquoten.

Zwar bleiben die Fördermengen bislang relativ stabil, doch geopolitische Risiken führen dazu, dass Marktteilnehmer vorsichtiger agieren. Schon die Erwartung möglicher Engpässe kann die Preise deutlich steigen lassen.

Ölreserven als zeitlich befristete Übergangslösung

Die G7-Staaten haben daher eine Freigabe strategischer Ölreserven beschlossen. Die International Energy Agency koordiniert diese Maßnahmen. Ziel ist es, kurzfristige Engpässe abzufedern und Preisspitzen zu dämpfen.

Deutschland stellt dabei rund 2,6 Millionen Tonnen Rohöl zur Verfügung, was etwa 19,5 Millionen Barrel entspricht. Solche Maßnahmen wirken jedoch nur temporär. Sie verschaffen Zeit, lösen aber nicht die strukturellen Probleme des Marktes.

Sind weitere Maßnahmen neben der Tankregel erforderlich?

Viele Fachleute gehen davon aus, dass die Tankstellenregel allein nicht ausreichen wird, um die Preise spürbar zu senken. Diskutiert werden unter anderem:

  • Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe
  • Eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne
  • Anpassungen bei Abgaben und Umlagen
  • Weitere steuerliche Entlastungen für Pendlerinnen und Pendler
  • Eine temporäre Reduzierung der Lkw-Maut

Per Beschluss wurde erst Anfang des Jahres die Pendlerpauschale angepasst. Für Strecken ab dem 21. Kilometer gelten derzeit 38 Cent pro Kilometer. Eine weitere temporäre Anpassung wird diskutiert.

Die neue Tankstellenregel – sinnvolles Instrument oder Augenwischerei?

Die Bundesregierung sieht in der neuen Regel ein geeignetes Instrument, um direkt auf die Preisbildung an den Tankstellen einzuwirken. Ob sich dieser Effekt tatsächlich einstellt, wird sich jedoch erst in den kommenden Monaten zeigen.

Das Nachbarland Österreich dient als Vorbild. Dort gilt seit Jahren eine vergleichbare Regelung zur Begrenzung von Preiserhöhungen.

Klar ist: Die Maßnahme greift nur auf der letzten Stufe der Preisbildung. Solange geopolitische Risiken und hohe Rohölpreise den Markt dominieren, bleibt der Einfluss nationaler Regulierung begrenzt.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher wären zusätzliche Entlastungen daher relevant – ebenso für Unternehmen. Analysten gehen davon aus, dass der Konflikt im Nahen Osten die wirtschaftliche Entwicklung spürbar belasten könnte. Sinkende Wachstumsprognosen und steigende Inflationsrisiken deuten darauf hin, dass sich die Belastungen weiter verstärken könnten.



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