
Ein Bus, der selbstständig durch den Münchner Stadtverkehr fährt, auf Ampeln reagiert und an Haltestellen hält. Seit September ist ein automatisierter Elektrobus von MAN auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs. Bislang allerdings ohne reguläre Fahrgäste.
Das soll sich ab dem 17. November 2026 ändern. Dann dürfen erstmals ausgewählte Testpersonen mitfahren. Der Bus ist montags bis freitags als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie unterwegs. Bis Juni 2027 soll der Testbetrieb laufen. Bereits mehr als 2000 Menschen haben sich für eine Mitfahrt angemeldet.
Ganz ohne Menschen kommt das Fahrzeug allerdings noch nicht aus. Sicherheitspersonal bleibt an Bord und kann bei Bedarf eingreifen. Ob die Technik langfristig auch ohne diese Absicherung funktioniert, ist eine der zentralen Fragen des Forschungsprojekts.
Inhaltsverzeichnis
MINGA: Wie München den Nahverkehr verändern will
MINGA steht für „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“. Hinter dem Namen steckt ein Forschungsprojekt, das seit 2023 untersucht, wie sich autonome Fahrzeuge in den öffentlichen Nahverkehr integrieren lassen.
Die autonomen Fahrzeuge sollen bestehende Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen nicht ersetzen, sondern das Angebot ergänzen. So könnten künftig zusätzliche Verbindungen entstehen, Wartezeiten verkürzt und Fahrten flexibler angeboten werden. Gleichzeitig könnten die Fahrzeuge helfen, den zunehmenden Personalmangel im öffentlichen Nahverkehr abzufedern.
Das Projekt läuft bis Mitte 2027 und wird vom Bundesverkehrsministerium mit rund 13 Mio. € gefördert. Insgesamt sind 16 Partner aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft beteiligt. Die Leitung liegt beim Mobilitätsreferat der Stadt München. Weitere Partner sind unter anderem die Stadtwerke München (SWM), die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), MAN, Ebusco, die Technische Universität München und die Universität Stuttgart.
Erforscht werden drei unterschiedliche Fahrzeugkonzepte: ein autonomer Linienbus, digital miteinander gekoppelte Busse, sogenannte Bus-Platoons, und kleinere Fahrzeuge, die sich bei Bedarf bestellen lassen.
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Wie funktioniert der autonome Bus von MAN?
Im Mittelpunkt des Projekts steht ein 12 m langer Elektrobus vom Typ MAN Lion’s City 12 E. Er wurde gemeinsam mit dem Technologieunternehmen ADASTEC für das automatisierte Fahren ausgerüstet.
Damit sich der Bus selbstständig durch den Stadtverkehr bewegen kann, benötigt er ein möglichst genaues Bild seiner Umgebung. Dafür sind insgesamt 19 Kameras, Radar- und Lidarsensoren verbaut. Konkret handelt es sich um acht Kameras, sechs Radarsensoren und fünf Lidarsensoren.
Die Kameras liefern Bilder der Umgebung und helfen beispielsweise dabei, Fahrbahnmarkierungen, Ampeln und Verkehrsschilder zu erkennen. Die Radarsensoren erfassen unter anderem die Entfernung und Geschwindigkeit anderer Fahrzeuge. Lidarsensoren wiederum tasten das Umfeld mithilfe von Laserlicht ab und erstellen daraus ein räumliches Bild.
Zusätzlich nutzt der Bus eine satellitengestützte Positionsbestimmung sowie digitale Kartendaten. Dafür wurde die Strecke bereits im Vorfeld vermessen und erfasst.
Die Linie 178 eignet sich laut den Projektpartnern besonders gut für die Erprobung. Auf der Strecke trifft der Bus auf unterschiedliche Verkehrssituationen, darunter mehrspurige Hauptverkehrsstraßen, Tempo-30-Zonen, Unterführungen und Parkgebiete.
Level 4: Wie autonom fährt der Bus wirklich?
Die Fahrzeuge des MINGA-Projekts orientieren sich an Funktionen des Automatisierungsgrads Level 4. Das bedeutet grundsätzlich, dass ein Fahrzeug innerhalb eines festgelegten Einsatzbereichs sämtliche Fahraufgaben selbstständig übernehmen kann.
Der Mensch muss das Fahrzeug dabei nicht dauerhaft überwachen. Auch bei Problemen muss ein Level-4-System innerhalb seiner vorgesehenen Betriebsbedingungen selbstständig einen sicheren Zustand erreichen können.
Noch sitzt geschultes Personal mit im Bus
Obwohl der Bus einen Großteil der Fahraufgaben selbstständig übernimmt, sitzt während der Testfahrten weiterhin geschultes Sicherheitspersonal im Fahrzeug. Es überwacht den Betrieb und kann jederzeit eingreifen.
Zusätzlich gibt es eine technische Aufsicht, die den Fahrzeugbetrieb aus einer zentralen Leitstelle überwacht. Dort laufen wichtige Betriebsinformationen zusammen. Perspektivisch könnte die Leitstelle auch als Ansprechpartner für Fahrgäste dienen, wenn irgendwann kein Personal mehr an Bord ist.
Zwei Busse, ein Fahrer: Was steckt hinter dem Bus-Platoon?
Neben dem einzelnen Elektrobus testet MINGA ein weiteres Konzept: das sogenannte Bus-Platooning. Dabei fahren zwei Busse dicht hintereinander und sind elektronisch miteinander gekoppelt.
Im Münchner Projekt wird der vordere Bus von einem Menschen gesteuert. Der zweite Bus folgt ihm automatisiert und passt seine Fahrbewegungen entsprechend an. Für die Erprobung werden zwei Elektrobusse des Herstellers Ebusco umgerüstet.
Ein entscheidender Punkt ist dabei die Sicherheit. Das System muss nicht nur die Bewegungen des vorausfahrenden Busses erkennen, sondern auch den Abstand zwischen beiden Fahrzeugen überwachen.
Langfristig könnten solche Buskolonnen dort eingesetzt werden, wo kurzfristig besonders viele Menschen befördert werden müssen. Denkbar wäre das beispielsweise bei Großveranstaltungen oder im Schienenersatzverkehr.
Die ersten Tests finden auf einem abgesperrten Gelände statt. Ab Frühjahr 2027 soll das System auch auf der Buslinie 197 im Bereich Neuperlach Zentrum erprobt werden, sofern die erforderlichen Genehmigungen vorliegen.
On-Demand-Ridepooling: Wenn der Bus auf Bestellung kommt
Der dritte Projektbereich beschäftigt sich mit sogenannten On-Demand-Shuttles. Hierfür kommen drei umgerüstete VW ID. Buzz zum Einsatz, die im Münchner Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg getestet werden.
Anders als herkömmliche Linienbusse sollen diese Fahrzeuge nicht nach einem festen Fahrplan unterwegs sein. Stattdessen können Fahrgäste ihre Fahrt bei Bedarf über eine App buchen.
Das Prinzip nennt sich On-Demand-Ridepooling. Dabei werden mehrere Fahrtwünsche mit ähnlichen Strecken und Zielen gebündelt. Wer beispielsweise in einem Wohngebiet abgeholt werden möchte, könnte sich eines der autonomen Fahrzeuge mit anderen Personen teilen, die in dieselbe Richtung fahren.
Die Software berechnet dafür passende Routen und versucht, die einzelnen Fahrtwünsche möglichst effizient miteinander zu verbinden.
Auch diese Fahrzeuge werden schrittweise erprobt. Zunächst stehen technische Tests und Fahrten auf vorbereiteten Strecken im Mittelpunkt. Später sollen die Buchung per App und die automatisierte Fahrzeugsteuerung zusammenarbeiten.
Ein solches Angebot könnte insbesondere dort interessant werden, wo sich ein klassischer Linienbus aufgrund geringer Nachfrage nur eingeschränkt lohnt. Ob die Lösung tatsächlich wirtschaftlicher ist, gehört zu den offenen Fragen des Projekts.
Kostenlos mitfahren: So kann man den autonomen Bus in München testen
Wer den automatisierten Bus selbst ausprobieren möchte, kann sich über die offizielle Anmeldeseite der MVG als Testperson registrieren.
Dafür werden unter anderem Kontaktdaten, mögliche Anforderungen an die Barrierefreiheit und das gewünschte Testfahrzeug abgefragt. Nach der Registrierung erhält man zunächst eine Bestätigung per E-Mail.
Eine garantierte Mitfahrt ist damit allerdings noch nicht verbunden. Interessierte werden zunächst in einen Teilnehmerpool aufgenommen. Sobald entsprechende Testfahrten verfügbar sind, verschickt die MVG gesonderte Einladungen mit Informationen zur Buchung.
Die Mitfahrt ist kostenlos. Der 12 m lange MAN-Bus verfügt über rund 30 Sitzplätze sowie einen Rollstuhlplatz. Sowohl der Solobus als auch das Bus-Platoon sind barrierefrei zugänglich. Anders sieht es bei den drei VW ID. Buzz aus. Diese Forschungsfahrzeuge verfügen derzeit nicht über einen barrierefreien Zugang.
Der Versuch mit Fahrgästen auf der Linie 178 soll ab dem 17. November 2026 beginnen und bis Juni 2027 laufen. Bis dahin wollen die Projektpartner weitere Erkenntnisse darüber sammeln, wie sich die automatisierten Fahrzeuge im Alltag bewähren.
































