Vorfall 15.09.2026, 08:30 Uhr

Russische Fregatte erneut in Vorfall mit scharfer Munition involviert?

Russische Fregatte feuert vor Dänemark Leuchtkugeln auf Militärhubschrauber. Kopenhagen bestellt Botschafter ein – laut Medien handelt es sich um das Kriegsschiff „Neustraschimi“.

Symbolbild: Schießübungen im Ärmelkanal

Foto: watman/Smarterpix.com

Eine russische Fregatte hat vor der dänischen Küste in internationalen Gewässern offenbar Leuchtkugeln auf einen dänischen Militärhubschrauber abgefeuert. Die Geschosse verfehlten den Helikopter nur knapp.

Laut verschiedenen Medien spricht einiges dafür, dass es sich um dieselbe Fregatte handelt, die bereits im Juli im Ärmelkanal scharfe Munition abgefeuert hatte: die „Neustraschimi“ (Neustrashimy, Kennnummer 772). Denn die Bewegungen des Schiffes lassen sich nach dem Vorfall weiterverfolgen. Die Royal Navy berichtete Anfang August, dass die Neustraschimi im Juli wiederholt im britischen Verantwortungsbereich unterwegs gewesen war und unter anderem Tanker der russischen Schattenflotte eskortiert hatte. Noch am 13. September wurde das Schiff in der südlichen Nordsee beobachtet.

Am 14. September meldete nun das dänische Militär den neuen Vorfall vor Gedser, dem südlichsten Punkt Skandinaviens und wichtigen Fährhafen für den Verkehr über die Ostsee zwischen Deutschland und Skandinavien. Ein Fennec-Hubschrauber fotografierte routinemäßig eine russische Fregatte in internationalen Gewässern. Diese feuerte zwei Flares in Richtung des Hubschraubers; eine davon passierte ihn in geringer Entfernung. Die offizielle dänische Mitteilung nennt in dem bislang veröffentlichten Text allerdings nicht explizit den Namen des russischen Schiffes.

Bei der Munition handele es sich um Pyrotechnik, die auf See üblicherweise als Warnsignal eingesetzt werde. Dennoch stuft Dänemark den Vorfall offenbar als diplomatisch relevant ein: Die Regierung will den russischen Botschafter einbestellen.

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Betagtes Kriegsschiff „Neustraschimi“ feuerte scharfe Munition: Das ist die Technik dahinter

Wir schauen nun, was vor einigen Monaten an einem anderen Ort passierte. Juli 2026:

Bevor im Ärmelkanal die ersten Schüsse fielen, warnte die russische Besatzung das patrouillierende britische Schiff „HMS Tyne“ der Royal Navy und forderte es auf, auf Abstand zu gehen. Auch ein französisches Militärflugzeug überwachte die Lage. Militärexperten werten den Vorfall mit dem Kriegsschiff als gezielte Provokation und Machtdemonstration des Kremls. Das Manöver wurde offenbar bewusst auf den Amtsantritt der neuen britischen Regierung abgestimmt.

Der Ärmelkanal ist eine der am stärksten befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt. Schießübungen sind hier äußerst ungewöhnlich. Der Vorfall reiht sich jedoch in eine Serie aktueller Spannungen ein. Erst im Vormonat gab ein anderes russisches Kriegsschiff im Kanal Warnschüsse auf eine britische Segeljacht ab. Zudem eskortieren russische Kriegsschiffe, wie die „Neustraschimi“, immer wieder umstrittene Öltanker der russischen Schattenflotte durch das Gewässer.

Das Kriegsschiff „Neustraschimi“ im Detail

Die „Neustraschimi“ ist das Typschiff der gleichnamigen Neustraschimy-Klasse (Projekt 11540). Sie trägt denselben Nato-Codenamen. Solche Codenamen vergibt das westliche Verteidigungsbündnis für Militärtechnik aus Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes.

Mitte der 1970er-Jahre begann die Entwicklung des Typs des jetzt gesichteten Schiffs zunächst als leichte U-Boot-Jagd-Korvette mit einer Tonnage von rund 1500 t. Die Anforderungen stiegen jedoch im Laufe der Zeit. Durch zusätzliche Waffensysteme und ein Helikopterdeck entstand eine moderne Mehrzweckfregatte. Sie sollte die ältere Kriwak-Klasse ablösen. Von den drei in der Kaliningrader Jantar-Werft auf Kiel gelegten Schiffen wurden letztlich nur zwei fertiggebaut. Die Bauzeit erstreckte sich von 1987 bis 2009. Die „Neustraschimi“ selbst lief am 25. Mai 1988 vom Stapel.

Konstruktion und Antrieb

Der Rumpf und die Aufbauten bestehen vollständig aus Stahl. Beim Bau kamen spezielle Technologien zum Einsatz, um die akustische Signatur zu verringern. Das Schiff ist so für feindliche U-Boote schwerer ortbar. Die Fregatte ist exakt 129,6 m lang und misst 15,6 m in der Breite. Bei einer Verdrängung von 3800 t weist das Kriegsschiff einen Tiefgang von 5,6 m auf.

Der Antrieb erfolgt über ein COGAG-System, das aus insgesamt vier Gasturbinen besteht. Zwei dieser Turbinen leisten jeweils 10.000 PS, die beiden anderen kommen auf jeweils 18.500 PS. Zusammen erzeugen sie eine Gesamtleistung von 57.000 PS, was etwa 41.923 kW entspricht. Diese Kraft wird über zwei Wellen an die Schiffsschrauben übertragen. Damit erreicht die Fregatte eine Höchstgeschwindigkeit von 29 Knoten. (ca. 54 km/h). Fährt das Schiff mit einer sparsameren Geschwindigkeit von 16 Knoten, kann es eine Reichweite von rund 4500 Seemeilen zurücklegen.

Altes Schiff – schwere Bewaffnung

Die Fregatte ist schwer bewaffnet und primär auf die U-Boot-Jagd sowie die Abwehr von Luft- und Seezielen ausgelegt. Am Bug befindet sich ein 100-mm-Geschütz vom Typ AK-100. Es bekämpft Flugzeuge, Überwasser- und Küstenziele auf bis zu 20 km Entfernung. Gesteuert wird das Geschütz durch ein modernes Computersystem. Dieses System kombiniert Radar und optische Zielerfassung für ein automatisches Feuer. Zur U-Boot-Jagd nutzt das Kriegsschiff einen Bordhubschrauber vom Typ Kamow Ka-27. Ergänzt wird dieser durch einen zwölfrohrigen Wasserbombenwerfer auf dem Oberdeck, der mit insgesamt 96 Geschossen ausgerüstet ist. Für den passiven Eigenschutz verfügt das Schiff über mehrere Täuschkörperwerfer. Acht Systeme vom Typ PK-10 und zwei vom Typ PK-16 werfen Radar-, Infrarot- und optische Täuschkörper ab, um anfliegende feindliche Raketen abzulenken.

Ein Beitrag von:

  • Folker Lück

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