Schiffbaumesse SMM 02.09.2026, 13:10 Uhr

China baut die Schiffe, doch die Technik kommt oft aus Deutschland

Deutsche Schiffszulieferer liefern Technik für den Weltmarkt: Auf der SMM stehen Cybersicherheit, Digitalisierung und Marineaufträge im Fokus.

Containerfrachter Maersk Seletar auf dem Weg nach Bremerhaven, Deutschland, Europa. Foto: picture alliance / imageBROKER/alimdi/Günter Franz

Auf hoher See werden die Themen Cybersicherheit und Echtzeitdatenaustausch mit Landstellen und Reedern immer wichtiger.

Foto: picture alliance / imageBROKER/alimdi/Günter Franz

Maritime Ausrüstung und technisches Schiffszubehör aus Deutschland sind gefragt wie nie zuvor. Nachdem die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zuliefererindustrie ihren Umsatz in 2025 um 5,2% auf 12,5 Mrd. Euro steigern konnte, rechnen die deutschlandweit rund 400 Betriebe für 2026 mit einem ähnlich hohen Wachstum.

„Der Branche geht es exzellent“, lautet die Bilanz von Martin Johannsmann, Geschäftsführer der SKF Marine GmbH in Hamburg und Vorsitzender der VDMA-Sparte Marine Equipment and Systems: „Die Reeder verdienen immer noch gutes Geld und investieren es zum großen Teil wieder in die fahrende Flotte.“

Dennoch sei der Erfolg kein Selbstgänger, betont Johannsmann und definiert damit die fortlaufenden Aufgaben für die Branche: „Wir müssen uns weiter mit technischen Innovationen befassen und in unsere Standorte investieren.“ Auf der weltgrößten Schiffbaumesse SMM in Hamburg breiteten die Zulieferer ihr Produktportfolio aus und untermauerten so ihren Anspruch auf eine weiterhin führende Rolle im internationalen Schiffbau.

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Deutsches Zubehör im Schiffbau weltweit gefragt

Dass die europäischen Werften mittlerweile nur noch einen Anteil von 7 % am Weltschiffbau haben, nehmen die deutschen Zulieferer gelassen zur Kenntnis. Ihr Portfolio vom Antriebsstrang über Bordelektronik oder Detaillösungen wie vibrationsdämpfende Motorenlager bis zur Navigationstechnik und kompletten Brückenausstattung ist weltweit gefragt. Die Exportquote liegt bei 80 %. Ein gutes Drittel (35,7 %) der Gesamtproduktion geht an Kunden in der EU; 28 % werden auf chinesischen Werften verbaut. Mit einem Anteil von 9 % kommt die drittgrößte Käufergruppe aus Nordamerika, also aus Kanada und den USA; 5,1 % landen bei Werften in Südkorea.

Dass die meisten Schiffe zwar in China gebaut werden (aktueller Marktanteil 64 %), ihre Ausstattung aber vor allem aus Europa und zu einem großen Teil aus Deutschland kommt, hat einen Grund: Über die technische Ausstattung eines Schiffes entscheidet der Auftraggeber und nicht die Werft. Die Reeder verlassen sich nach Überzeugung des VDMA zum einen auf die Qualität der deutschen oder europäischen Zulieferer. Zum anderen zählen sie auf den After-Sales-Service, der etwa 25 % des Gesamtgeschäftes der Zulieferer ausmacht: „Für die Werften gehört ein Schiff mit der Ablieferung zur Vergangenheit“, erläutert Hauke Schlegel, Geschäftsführer des VDMA Marine Equipment and Systems, „die Zulieferer kümmern sich dagegen ein ganzes Schiffsleben um ihre Produkte.“

Cybersecurity und Datensicherheit rücken auf Schiffen immer mehr in den Fokus

Allerdings wandeln sich derzeit die Themen in der weltweiten Schifffahrt so schnell wie selten zuvor. 2024 lag der Fokus der im Zwei-Jahresrhythmus veranstalteten SMM auf dem Weg der Branche zu klimafreundlichen Antriebssystemen. „Die Technologie ist da“, betonte Uwe Lauber, CEO des Motoren- und Antriebsherstellers Everllence (bis 2025 MAN Energy Solutions) zur Eröffnung der SMM. Zu den in Hamburg gezeigten Innovationen gehören neue Abgassreinigungssysteme genauso wie Motoren für den Betrieb mit Methanol und Ammoniak sowie Komponenten für Hybrid- und vollelektrische Antriebe.

Aber: „Der Markt redet jetzt über andere Themen, insbesondere über Fragen der Sicherheit“, hat Lauber beobachtet. Neben aktuellen Ereignissen wie die Blockade der Straße von Hormuz bewegen Fragen rund um Cybersecurity und Datensicherheit sowohl Reeder als auch Schiffbauer. Dazu kommen für Lauber genau wie für die Vorsitzende des Verbands deutscher Reeder zwei Grundprobleme bei der Einführung „sauberer Schiffsmotoren“: „Es mangelt an der notwendigen Infrastruktur und den erforderlichen Treibstoffen. Und es fehlt ein gemeinsames, internationales Regelwerk, das Wettbewerbsverzerrungen verhindert.“

Innovative Lösungen im scharfen Wettbewerb gegen chinesische Schiffskomponenten

Der Zuliefererindustrie ist bewusst, dass das Vertrauen in die Qualität ihrer Produkte kein Garant für die Zukunft ist. China zeigt wachsende Aktivitäten auf dem Markt für hochwertige Schiffskomponenten. „Der Abstand zu Europa ist deutlich kleiner geworden; der Wettbewerb wird schärfer“, beschreibt Schlegel den zunehmenden Wettbewerb. Die deutsche Zulieferindustrie setzt dem innovative Ideen entgegen. Eines der zentralen Themen ist die Digitalisierung des Schiffsbetriebs insbesondere mit Blick auf die Prozesssteuerung an Bord und im Austausch mit dem Landbetrieb.

Bislang gibt es in diesem Bereich fast nur individuelle Lösungen, die auf anderen Schiffen nicht reproduzierbar sind. Die Zukunft lautet „Module Type Package“ (MTP): „Unser Ziel ist es, gemeinsame Standards für die Integration von Teilsystemen in die Schiffsautomation zu schaffen“, sagt Schlegel zu dem vom VDMA koordinierten Projekt „MTP im Schiffbau“, in dem Zubehörindustrie, Werften, Wissenschaft und Reeder zusammenarbeiten. Solche Netzwerk-Arbeit zählen die Schiffszulieferer im VDMA zu den Stärken insbesondere der deutschen Unternehmen. „Das kann man im Fernen Osten nicht so schnell aufbauen“, ist Schlegel überzeugt.

Cybersicherheit als Innovationstreiber in Zeiten globaler Krisen

Dass sich das Thema Cybersicherheit innerhalb der Innovationsstrategien immer schneller in den Vordergrund schiebt, hat einen klaren Grund. Schiffe und Meerestechnik zählen zur kritischen Infrastruktur. Komplett autonom fahrende oder von Land gesteuerte Schiffe werden auch in den nächsten Jahrzehnten nur in Nischenmärkten in Fahrt kommen. Aber die Satelliten-gestützte Kommunikation zwischen Schiffen und ihren Landbetrieben nimmt rasant an Bedeutung zu – immer häufiger nehmen Leitzentralen in den Reedereien direkten Einfluss auf den Schiffsbetrieb.

Zudem wollen die Kunden von Containerreedereien zunehmend in Echtzeit die Position und den Zustand ihrer Ladung an Bord verfolgen. Entsprechend ist die Datenübertragung via Satellit  von Schiffen an Land besonders verletzlich und nur schwer zu schützen: „Hier sind der Innovationsbedarf und die Bereitschaft zu Innovationen besonders groß“, ist Schlegel überzeugt.

Marineschiffbau wichtiger Absatzmarkt für Zulieferer

Mit dem Thema Sicherheit ist die Zulieferindustrie ohnehin eng verbunden. Im Marineschiffbau erzielt die Branche 19 % ihrer Umsätze, wobei der Anteil einzelner Unternehmen stark zwischen 0 und beinahe 100 variiert. Dass Kanada beim Marineschiffbau-Unternehmen TKMS in Kiel und Wismar vor wenigen Wochen 12 U-Boote im Gesamtwert von bis zu 37 Mrd. € bestellt hat, wird sich nach Überzeugung des VDMA auf die Zulieferer positiv auswirken.

Der wenige Tage zuvor vom Bundesverteidigungsministerium verkündete Stopp für den Bau von sechs neuen Fregatten schockte die Branche dagegen nur wenig. Die jetzt alternativ geplanten Mehrzweck-Kampfschiffe Meko-A-200 benötigen ebenfalls umfassendes Equipement von deutschen Zulieferern. Wie wichtig die Branche das Thema Marine-Schiffbau nimmt, zeigte sich auch im Programm der SMM: Zwei Tage lang befasste sich eine eigene Konferenz innerhalb der Messe mit den künftigen militärischen Strategien und den für die deren Umsetzung erforderlichen Technologien.

Die Marine-Aufträge haben aus Sicht der Zulieferer einen besonderen Charme: „Wenn man einmal als Auftraggeber dabei ist, kann davon ausgehen, dass er auch an den nächsten Neubauten einer solchen Serie beteiligt ist“, sagte Martin Johannsmann. Allerdings beklagen die am Rüstungsgeschäft beteiligten Unternehmen, dass Marine-Aufträge im Vergleich zu zivilen Bestellungen mit einem ungleich höheren Aufwand für die Spezifizierung, Dokumentation und Abnahme von Produkten verbunden sind. Auch vor diesem Hintergrund begleiten die Zulieferer den Trend zu „Dual-Use-Schiffen“ mit großem Interesse.

Solche Wasserfahrzeuge werden für zivile Zwecke in Auftrag gegeben, können dank einer zusätzlichen Ausrüstung aber auch militärisch genutzt werden. Wie wichtig die Zulieferer diese und die anderen Trends nehmen, zeigte der besondere Charakter der diesjährigen SMM (noch bis zum 4. September in Hamburg). In der Vergangenheit diente die Veranstaltung vor allem der Kontaktpflege. Mittlerweile werde die Messe durch eine Besonderheit geprägt, beobachtete Martin Johannsmann: „Jedes Gespräch drehte sich sofort um Projekte und mögliche Aufträge.“

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Heumer

    Der Autor hat mehr als zehn Jahre als Redakteur und Redaktionsleiter für verschiedene Tageszeitungen gearbeitet. Seit 1998 ist er freiberuflich mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Technik und Wissenschaft für Magazine, Agenturen, Tageszeitungen und fachlich geprägte Medien tätig.

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