Mehr Schiffe reichen nicht – Deutschland braucht eine andere Marine
Die Marine bekommt acht neue Fregatten, TKMS liefert sie in Rekordzeit. Aber der Ukrainekrieg zeigt: Nicht Großkampfschiffe entscheiden künftig auf See, sondern Drohnen und Vernetzung. Und die Technik sollte aus Europa kommen, nicht aus Trumps USA. Ein Kommentar.
Die Korvette Köln liegt zur Reparatur in Dock 10 der Hamburger Werft Blohm + Voss. Die Köln wurde 2019 auf Kiel gelegt.
Foto: picture alliance/dpa/Markus Scholz
Es geht also doch. Zwei Jahre Entwicklung, weitere zwei Jahre bis zur Auslieferung des ersten Schiffes: Was TKMS für die neue Fregatte Meko A-200 ankündigt, klingt für deutsche Beschaffungsverhältnisse beinahe revolutionär. Noch bei der Korvette „Köln“ lagen sieben Jahre zwischen Kiellegung und Indienststellung. Die Vorplanungen und Entwürfe nicht mal mitgerechnet.
Kleine Boote gegen große Flotten
Der Zeitdruck hat einen Namen: Russland. Doch die eigentliche Zeitenwende auf See reicht tiefer. Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie schnell sich die Seekriegsführung verändert. Ausgerechnet ein Land, das praktisch über keine klassische Hochseeflotte verfügt, hat mit kleinen unbemannten Booten, Drohnen und vernetzter Aufklärung Russlands weit überlegene Schwarzmeerflotte empfindlich getroffen.
Damit verändert sich auch die Rechnung, nach der Marinen aufgebaut werden. Milliardenteure Fregatten bleiben zwar unverzichtbar. Doch künftig operieren sie im Verbund mit vergleichsweise preiswerten autonomen Systemen. Die Kraken-Boote, die Rheinmetall in Hamburg fertigt, geben einen Vorgeschmack darauf.
„Amerikanisch“ darf nicht mehr „alternativlos“ heißen
Bemerkenswert ist auch, woher die Technik für Deutschlands neue Schiffe kommen soll. Radare und Führungssysteme sollen voraussichtlich aus Schweden stammen, das Schleppsonar kommt aus Deutschland. Europa entdeckt seine eigenen Fähigkeiten. Das ist auch eine Folge veränderter politischer Realitäten.
Jahrzehntelang waren amerikanische Systeme für Europas Streitkräfte quasi gesetzt. Dafür gab es gute Gründe: Die USA waren technologisch führend und politisch der verlässlichste Verbündete.
Donald Trump hat zumindest die zweite Gewissheit nachhaltig erschüttert. Wer heute ein Kriegsschiff für Europa plant, das bis in die 2060er-Jahre fahren soll, muss sich fragen, wie abhängig dessen zentrale Fähigkeiten noch von Washington sein dürfen. Amerikanische Technik deshalb grundsätzlich auszuschließen, wäre der falsche Weg. Aber „amerikanisch“ darf nicht länger „alternativlos“ bedeuten.
Vielleicht ist das die eigentliche Zeitenwende auf See: Deutschland braucht nicht einfach mehr Schiffe, sondern eine andere Marine – schneller beschafft, stärker vernetzt, mit bemannten und unbemannten Systemen. Und mit Technik aus Europa, wo immer das militärisch sinnvoll ist.
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