Premiere beim DLR: Dieses Forschungsschiff testet Wasserstoff, Batterien und Ammoniak
Das DLR baut ein Schiff, auf dem neue Antriebe auch mal ausfallen dürfen: Drei Hauptmotoren sichern den Betrieb, während Wasserstoff, Methanol oder Ammoniak im Maschinenraum getestet werden. Zudem erprobt das DLR autonome Navigation ohne Satellitensignal. In Flensburg ist der Rohbau jetzt zu Wasser gelassen worden.
Erstmals im Wasser: Die DLR-Forschungsplattform MODULARIS wurde am 17. September 2026 in Flensburg zu Wasser gelassen. Nun folgt der weitere technische Ausbau.
Foto: DLR (CC BY-NC-ND 3.0), Original: https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2026/dlr-forschungsplattform-modularis-erstmals-zu-wasser-gelassen, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de
Auf dem Forschungsschiff Modularis des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollen künftig neue Antriebe, alternative Kraftstoffe und autonome Systeme unter realen Bedingungen auf See getestet werden.
Dafür ist es am Donnerstag, 17. September 2026, auf der FSG Shipyard in Flensburg erstmals zu Wasser gelassen worden. Damit ist zunächst der Rohbau fertig. In den kommenden Wochen soll das Schiff über den Nord-Ostsee-Kanal nach Bremerhaven geschleppt und dort technisch ausgerüstet werden. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Modularis?
Modularis ist das neuste Forschungsschiff des DLR, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Messfahrten aufs Meer bringen soll.
Auf die Besonderheit des Schiffes deutet bereits der Name hin. Er verbindet „modular“ mit dem lateinischen „maris“ für „des Meeres“. Technische Systeme können an Bord eingebaut, unter realen Bedingungen erprobt und anschließend wieder gegen andere Lösungen ausgetauscht werden.
Das Spektrum reicht von neuen Energie- und Antriebssystemen über Sensoren bis hin zu Navigations-, Kommunikations- und Automatisierungstechnik. Damit soll die Plattform eine wichtige Lücke zwischen Labor und Praxis schließen.
Warum braucht es die Modularis?
Ob eine neue Technologie an Bord eines Schiffes funktioniert, zeigt sich nicht immer im Labor. Auf See kommen Faktoren hinzu, die sich dort nur schwer nachstellen lassen: Das Schiff bewegt sich, Wind und Wetter ändern sich und zahlreiche technische Systeme müssen gleichzeitig zuverlässig zusammenspielen.
Neue Technik lässt sich aber oft nicht ohne Weiteres in ein bestehendes Schiff einbauen. Gerade Systeme, die sich noch in der Entwicklung befinden und noch nicht vollständig zertifiziert sind, lassen sich dort nur eingeschränkt unter realen Bedingungen erproben, ohne die Sicherheit der Besatzung zu gefährden.
Hier setzt Modularis an. Die Forschungsplattform verfügt über redundante Sicherheits- und Steuerungssysteme. Fällt ein System aus oder befindet sich eine neue Technologie noch in der Erprobung, stehen immer unabhängige Systeme zur Absicherung bereit.
So können Forschende beispielsweise neue Energie-, Navigations- oder Kommunikationssysteme Schritt für Schritt auf See testen und weiterentwickeln. Die Erkenntnisse aus diesen Versuchen sollen dabei helfen, Technologien aus dem Entwicklungsstadium näher an einen späteren zertifizierten Einsatz auf regulären Schiffen zu bringen.

Drei Motoren sorgen für Sicherheit
Wie dieses Sicherheitsprinzip funktioniert, zeigt unter anderem der Antrieb. Modularis verfügt über drei Hauptmotoren. Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Leistung bereitzustellen, sondern darum, wichtige Funktionen mehrfach abzusichern. Fällt ein Motor aus, können die anderen den Antrieb übernehmen.
Für die Forschung ist diese Absicherung besonders wichtig. Zusätzlich zu den bewährten Hauptmotoren können neue Energie- und Antriebstechnologien an Bord integriert und unter realen Bedingungen erprobt werden. Funktioniert eine Versuchsanlage nicht wie geplant oder muss sie abgeschaltet werden, bleibt das Schiff über sein Basissystem weiterhin betriebsfähig.
Wasserstoff, Methanol und Ammoniak im Test
Interessant wird das Projekt vor allem mit Blick auf die Antriebe der Zukunft. Das DLR will an Bord Brennstoffzellen- und Batteriesysteme untersuchen und verschiedene Kraftstoffe erproben: Wasserstoff, Methanol und Ammoniak. Dafür bekommt das Schiff einen experimentellen Maschinenraum, in dem die Anlagen gewechselt werden können.
Die eigentliche Forschungsfrage ist dabei nicht, ob diese Stoffe sich verbrennen lassen – das können sie. Vielmehr fragen sich die Forscher, welcher Energiewandler zu welchem Kraftstoff passt: Verbrennungsmotor oder Brennstoffzelle, reiner Betrieb oder Beimischung. Für große Handelsschiffe gebe es derzeit keine echte Alternative zum Verbrennungsmotor, sagte Sören Ehlers, Direktor des DLR-Instituts für Maritime Technologien und Antriebssysteme, im Februar dem Weser-Kurier. Die Modularis soll zeigen, wie sich die Wandler für die verschiedenen Treibstoffe am effizientesten einsetzen lassen – und wie sicher und zuverlässig das im Betrieb auf See ist.
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Auch autonome Schiffe stehen im Fokus
Modularis soll aber nicht nur neue Antriebstechnik erproben. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf automatisierten und autonomen Schiffssystemen.
Damit ein Schiff zumindest teilweise selbstständig fahren kann, muss es jederzeit wissen, wo es sich befindet und was um es herum passiert. Dafür kommen unterschiedliche Sensoren sowie Navigations- und Kommunikationssysteme zum Einsatz. Ihre Daten müssen zusammengeführt werden, damit das Schiff beispielsweise andere Schiffe oder Hindernisse erkennt und darauf reagieren kann.
Eine besondere Herausforderung entsteht, wenn die gewohnte Satellitennavigation nicht zuverlässig verfügbar ist. Das DLR erforscht deshalb unter anderem Verfahren, mit denen Schiffe auch dann sicher navigieren können, wenn Satellitensignale gestört oder gezielt manipuliert werden.
Auch unbemannte Systeme sollen Teil dieser Versuche werden. So können beispielsweise Drohnen von der Forschungsplattform aus eingesetzt und in die Erprobung eingebunden werden.
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Ein digitaler Zwilling fährt virtuell mit
Ergänzt werden die Tests auf See durch einen digitalen Zwilling. Mit ihm können die Forschenden Systeme und Betriebszustände simulieren und analysieren.
Tests können beispielsweise zunächst virtuell vorbereitet und anschließend auf dem Schiff durchgeführt werden.
48 m lang und Platz für 20 Personen
Mit 48 m Länge und 11,5 m Breite bleibt Modularis vergleichsweise kompakt. Während der Forschungsfahrten können sich bis zu 20 Personen gleichzeitig an Bord befinden.
Ausgelegt ist das Schiff vor allem für ein- bis mehrtägige Versuchsfahrten. Bis zu sieben Tage soll das Schiff unterwegs sein können. Zum Einsatz kommen soll die Forschungsplattform insbesondere in Nord- und Ostsee, aber auch im Mittelmeer.
Für den Bau und die Ausrüstung stellt der Bund insgesamt 36 Mio. € bereit. Nach der Fertigstellung wird Modularis in Kiel stationiert.

Vom Rohbau zum schwimmenden Forschungslabor
Mit dem Stapellauf ist Modularis allerdings noch nicht einsatzbereit. Bis die ersten Technologien auf See erprobt werden können, muss aus dem schwimmfähigen Rohbau zunächst ein vollständig ausgerüstetes Forschungsschiff werden.
Dafür steht als Nächstes ein Ortswechsel an. Mehrere Schlepper bringen Modularis von Flensburg durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Bremerhaven. Auf der dortigen Lloyd Werft beginnen anschließend der Innenausbau und die weitere technische Ausrüstung.
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