Dreiräder für Berlin 30.09.2014, 11:45 Uhr

Elektrisches Lastenrad transportiert sogar Europalette und 250 kg

Sogar eine Europalette passt hinein in die Lastenräder mit dem eckigen Aufbau, die derzeit durch Berlin kurven. Unterstützt von einem Elektromotor können die Fahrer 250 kg transportieren. Das reicht auch für eine Waschmaschine, den Getränkebedarf einer Party oder eine Palette Kartoffeln.

Beladen eines Lastenrades mit einer Europalette voller Kartoffeln: Das Lastenrad Musketier kann eine Palette mit 250 kg Gewicht aufnehmen. Es wird mit Muskelkraft und einem Radnabenmotor angetrieben.

Beladen eines Lastenrades mit einer Europalette voller Kartoffeln: Das Lastenrad Musketier kann eine Palette mit 250 kg Gewicht aufnehmen. Es wird mit Muskelkraft und einem Radnabenmotor angetrieben.

Foto: Radkutsche

Das Start-up Velogista in Berlin hofft, dass bald nicht mehr nur zwei, sondern Dutzende von den rollenden Lasteseln unterwegs sind. Derjenige, der dafür arbeitet, ist Martin Seißler, Vorstand und Gründer der vor einem Jahr in Berlin gegründeten Firma Velogista. Seine Idee: Lastenräder müssen mehr transportieren können als ein paar Bücherkisten oder Postpakete.

Lastenrad wird zusätzlich von Radnabenmotor angetrieben

Das Lastrad von Velogista kann in seinem Kastenaufbau sogar eine komplette Europalette aufnehmen. Das Maximalmaß im verschließbaren Aufbau aus Aluminium ist 135 mal 95 mal 135 Zentimeter. Stolze 250 Kilogramm an Ladekapazität. Und damit es zügig voran geht und die Kunden rasch beliefert werden, hat das Lastenrad zusätzlich einen Elektroantrieb mit einer Reichweite von 100 Kilometern.

Das Berliner Start-up Velogista will in Berlin eine Vielzahl von Elektro-Lastenrädern betreiben, um besonders in den Citylagen Waren zuzustellen.

Das Berliner Start-up Velogista will in Berlin eine Vielzahl von Elektro-Lastenrädern betreiben, um besonders in den Citylagen Waren zuzustellen.

Foto: Velogista

Die Räder sind mit einem leistungsstarken 250 Watt Radnabenmotor bestückt und haben neben einem Gasgriff auch einen fünfstufigen Tempomat, mit dem die elektrische Unterstützung einfach gesteuert werden kann. Der Akku hat eine Größe von 14 Amperestunden.

Die Prototypen basieren auf dem Trike Musketier des Herstellers Radkutsche aus Mössingen bei Tübingen. Das Musketier verfügt grundsätzlich über eine Ladefläche von der Größe einer Europalette und kann verschiedenste Aufbauten tragen.

Der Stahlrohrrahmen ist besonders stabil, die Schweißnähte besonders üppig. „Die Gabel ist rund zehnmal so stark wie eine Standardgabel“, schildert Seißler einem Reporter des Tagespiegel. Eine Federung hat das Musketier, das ein Eigengewicht von 80 Kilogramm auf die Waage bringt, nicht. Für ein bisschen Komfort sorgen allein die 24-Zoll-Laufräder mit extra dicken Ballonreifen.

Elektrolastenräder können ein Auto ersetzen

Ein solches Lastenrad ersetzt ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Vergleicht man zwei der Elektrolastenräder des Berliner Start-ups mit Fahrzeugen, die in der Stadt mit Diesel-Kraftstoff fahren, so werden in nur einem halben Jahr mehr als 5000 Kilogramm Kohlendioxid eingespart. Welche Potentiale solche Lastenräder in der Citylogistik haben, hatte erst vor kurzem das Deutsche Zentrum für Luft und  Raumfahrt (DLR) untersucht. In den Städten könnten sie etwa die Hälfte des Warenverkehrs übernehmen. In Köln hat sich gerade erst ein Verein gegründet, der zum Beispiel Gewerbetreibenden Lastenräder für Transporte zur Verfügung stellt.

Lastentransport direkt vom Feld zum Verbraucher: Das Lastenrad kann sogar ins Gewächshaus hineinfahren und den frischen Salat verladen.

Lastentransport direkt vom Feld zum Verbraucher: Das Lastenrad kann sogar ins Gewächshaus hineinfahren und den frischen Salat verladen.

Foto: Radkutsche

Die elektrisch unterstützten Lastenräder haben in den verstopften Innenstädten ziemlich viele Vorteile gegenüber Autos. Sie können Abkürzungen nehmen, im Stau überholen, notfalls auf Radwege ausweichen und brauchen keinen Parkplatz. Sie können punktgenau vor der Zieladresse halten und sogar in den dritten Berliner Hinterhof hineinfahren.

Derzeit transportiert Velogista vor allem Lebensmittel für Bioläden und Restaurants, beliefert Kunden des Getränkegroßhandels und liefert die Produkte von Manufakturen aus. Sogar ein Sofa und 23 Kisten Wasser wurden schon ausgeliefert.

Im Oktober startet Crowdfunding-Kampagne

Doch die zwei Räder, die aktuell 35 Kunden versorgen, sind in Berlin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis zum Sommer 2015 sollen zunächst vier weitere Lastenfahrräder hinzukommen. Zwei sollen in Kürze gekauft werden. „Unser Ziel ist es, zwei weitere Elektrolastenräder über das Crowdfunding zu finanzieren“, sagt Martin Seißler. „Dafür sind 20.000 Euro als erstes Ziel der Kampagne definiert.“

Lastenräder haben keine Parkprobleme und stehen auch nie im Stau, da sie auf Radwege ausweichen können.

Lastenräder haben keine Parkprobleme und stehen auch nie im Stau, da sie auf Radwege ausweichen können.

Foto: Velogista

Zwei Jahre später sollen dann bereits 25 E-Bikes Güter transportieren. „Die Zukunftsvision ist es, Zweigstellen von Velogista in München, Hamburg, Köln und Nürnberg zu eröffnen“, erklärt Sabine Föppl, Vorstand und Mitgründerin von Velogista. In Berlin soll ein großes Lastenradzentrum entstehen mit zwei bis drei Lagerstellen am S-Bahnring und fünf Verteilzentren im Citybereich von Berlin.

Velogista ist eine Genossenschaft

Seißler und die etwa zehn Mitstreiter beim Berliner Start-up arbeiten derzeit unentgeltlich. Dagegen sind alle Fahrer sozialversicherungspflichtig angestellt und bekommen den Mindestlohn. Seit Mai 2014 ist Velogista zudem als Genossenschaft unterwegs. Alle Fahrer können als gleichwertige Mitglieder der Genossenschaft an Entscheidungen und Gewinnen teilhaben.

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