Neue Akkutechnik 22.04.2020, 08:52 Uhr

E-Bikes: Darauf achten gerade jetzt viele Radfahrer

Neue Akkutechnik macht innovative Designs bei E-Bikes möglich. Start-Up-Gründer Can Öcal aus Wuppertal sieht gerade jetzt in der Krise eine Chance für den E-Bike-Markt.

E-Bike

E-Bike ist nicht von sportlichem Cityrad zu unterscheiden. (Symbolfoto)

Foto: PantherMedia / AndreyPopov

Einer der viele Nebeneffekte von Corona: Man will raus. Seit Wochen ist es da ganz im Kontrast zur Krise nämlich wunderschön. Viele entdecken jetzt das zugestaubte Fahrrad im Keller wieder, mit dem sich der eingeengte Lebensradius wenigstens ein bisschen erweitern lässt.

Can Öcal glaubt, dass das für seine Branche eine Chance sein kann. Öcal entwickelt seit 2018 innovative E-Bikes in Wuppertal, “Citypanta” heißt seine Firma mit dem stilisierten Raubkatzenkopf im Logo. In kleiner Stückzahl verkauft er die Räder über seinen Webshop. “Die Menschen haben Zeit, sich sportlich zu betätigen und sind im Freien unterwegs. Ich glaube, diese Lust am Radfahren wird sich halten”, sagt er.

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E-Bikes: Neue Käuferschicht entsteht

Einerseits treffe die Krise jetzt gerade Start-Ups hart. “Viele Messen wie jetzt die Cycling in Düsseldorf fallen aus.” Dort wollte sich der Jungunternehmer erstmals präsentieren. Andererseits könnte eine ganz neue Käuferschicht entstehen: Menschen, die jetzt entdecken, dass E-Bikes längst keine schweren Räder mit riesigen Batterie-Brocken sein müssen, sondern auch schicke alltagstaugliche City-Flitzer sein können.

Viele Hersteller legen zunehmend Wert auf das sportliche Design, auch um dem E-Bike das Klischee des eher gemütlichen Seniorenrads auszutreiben. “In Klischees steckt ja oft ein Fünkchen Wahrheit”, sagt Öcal. “Natürlich schätzen auch ältere Menschen den Komfort von E-Bikes, mit dem man auch längere Touren gut bewältigen kann. Aber gerade in der Stadt macht so ein 30 Kilo schweres Rad wenig Spaß.”

E-Bike ist nicht von sportlichem Cityrad zu unterscheiden

Öcal studiert eigentlich noch Wirtschafsmathematik. Die Idee, ein Start-Up zu gründen, kam ihm, weil ihm selbst etwas fehlte: ein stadttaugliches E-Bike. “Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und wollte das in meinen Alltag integrieren. In Wuppertal kommt man von A nach B aber nicht, ohne ins Schwitzen zu kommen.” Viele der E-Bikes, die es auf dem Markt gab, seien ihm zu klobig gewesen. Die Modelle, die Öcal entwickelt, sind äußerlich von sportlichen Stadträdern nicht zu unterscheiden. Die Stromquelle etwa ist unsichtbar: Denn der 36V-Lithium-Ionen-Akku mit einer Ladung von 10,5 Ah sitzt beim neuesten Modell “Icon” im Unterrohr. “ Die Akkus sind inzwischen so klein, dass man sie unauffällig verbauen kann”, sagt Öcal. Der 250-Watt-Motor ist im Hinterrad verbaut. Und das Display fügt sich wie aus einem Guss in den Lenker ein.

80 Kilometer Reichweite hat der Akku mit einer Ladung: Für Stadtfahrten und gelegentliche Überlandtrips reicht das locker. 800 Ladezyklen soll die Batterie mindestens aushalten. Danach sei sie innerhalb einer Stunde bei jeder Fahrradwerkstatt austauschbar. Kosten für einen neuen Akku: Etwa 250 bis 300 Euro. Bei der Entwicklung der Bikes sei ein enger Kontakt zu den Kunden für ihn sehr wichtig geworden, sagt der Jungunternehmer.Feedback helfe ihm, seine Modelle an die Bedürfnisse seines Kundenkreises anzupassen.

“Die Leute wollen ein E-Bike, das immer noch ein echtes Fahrrad ist”, sagt der Bike-Entwickler.

Deshalb hat er in das zweite Modell im Gegensatz zum Vorgänger eine Shimano-Gangschaltung mit 9 Gängen integriert. “Das Rad lässt sich auch völlig ohne Elektroantrieb gut fahren, zumal es auch nur 17 Kilo wiegt.” Ein nettes Extra, das man bislang nur von wenigen Herstellern wie etwa dem niederländischen Unternehmen Cortina kennt: Ein USB-Port, über den Radfahrer ihre Smartphones laden können.

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Carbonriemen: wartungsarm im Flachland unterwegs

Neben der 9-Gang-Variante gibt es auch ein Modell mit Carbonriemenantrieb: Der ist eher für Fahrer geeignet, die nicht viel im hügeligen Gelände, sondern im Flachland und in der Stadt unterwegs sind. Der Riemenantrieb soll das Rad besonders wartungsarm machen, denn der Riemen braucht im Gegensatz zur Kette kein Öl und ist beim Fahren nahezu geräuschlos. “Es gibt natürlich noch leichtere E-Bikes, aber das sind dann eben keine voll ausgestatteten Cityräder”, sagt Öcal.

Er habe festgestellt: Seinen Kunden sei es sehr wichtig, Fahrräder zu haben, die der Straßenverkehrsordnung entsprechen, aber trotzdem minimalistisch im Design sind. Deshalb sitzt das Rücklicht beim “Icon” in der Sattelstütze in Form von 5 Dioden: Das sieht einerseits futuristisch-schick aus, andererseits ist es damit straßentauglich. Denn durch den 220-Grad-Leuchtwinkel der oberen beiden Dioden ist die Beleuchtung auch von der Seite sichtbar.

Etwa 100 Räder will Öcal in diesem Jahr produzieren, die meisten Teile kommen aus Europa und Taiwan, dort hat er vor Jahren bei einer Reise Kontakte zu Herstellern und Ingenieuren geknüpft. Die Endmontage passiert in Deutschland.

Derzeit hat der Student noch ein Gründungstipendium für besonders innovative Start-Ups. Langfristig will er seine Produktion spätestens nach dem Studium ausbauen. „Darin sehe ich die Zukunft“, sagt Öcal.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs.

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