Eurobike 2015 02.09.2015, 06:55 Uhr

E-Bike aus Berlin lässt sich mit Smartphone fernsteuern

Das Berliner Start-up Comodule hat ein E-Cargo-Bike entwickelt, das sich mit einem Android-Smartphone fernsteuern lässt. Zu sehen war das Gefährt auf der Fachmesse Eurobike 2015 in Friedrichshafen. Zukünftig soll es sogar autonom fahren können. 

Steuern lässt sich das E-Cargo-Bike mit dem Smartphone: Das Lenkrad folgt den Kippbewegungen. Mit dem Daumen kann man auf dem Touchdisplay Gas geben.

Steuern lässt sich das E-Cargo-Bike mit dem Smartphone: Das Lenkrad folgt den Kippbewegungen. Mit dem Daumen kann man auf dem Touchdisplay Gas geben.

Foto: Welix Klaas

Besucher der Fachmesse Eurobike in Friedrichshafen staunten nicht schlecht, als ein E-Cargo-Bike wie von Geisterhand gesteuert durch die Messehalle fuhr. Ein Geist saß aber nicht im Sattel. Die jungen Ingenieure des Berliner Start-ups Comodule steuerten das Fahrrad mit einem Android-Smartphone.

Und das ist laut Comodule kinderleicht: Aktivieren lässt sich das Fahrrad per Fingerdruck auf einen roten Punkt auf dem Touchdisplay. Verschiebt man den Punkt nach vorne, setzt sich das E-Bike in Bewegung. Drehungen des Smartphones nach links oder rechts führen zu entsprechenden Lenkerbewegungen. Das Ganze ist eine Mischung aus Videospiel und ferngesteuertem Auto.

E-Cargo-Bike von Comodule: Angeblich soll es bald mit programmierten GPS-Koordinaten autonom fahren können. 

E-Cargo-Bike von Comodule: Angeblich soll es bald mit programmierten GPS-Koordinaten autonom fahren können.

Foto: Welix Klaas

Das Fahrrad selbst existierte schon: Es handelt sich um das dreirädrige Veleon E-Lastenrad mit Heinzmann Motor und 350-Wh-Batterie, das auch die Deutsche Post einsetzt. Die jungen Ingenieure haben es allerdings mit allerlei Zusatztechnik ausgestattet – mit Motoren, die das Lenkrad bewegen, und einer Elektronikzentrale mit Bluetooth, GPS und GSM/Gprs zur Steuerung aus der Ferne. Laut Comodule seien jetzt nur noch wenige Entwicklungsschritte notwendig, um das Fahrrad mit programmierten GPS-Koordinaten autonom fahren zu lassen – ganz ohne Eingreifen des Menschen.

Autonome Fahrräder könnten Medikamente in Kriegszonen bringen

Und wozu das Ganze? „Wir haben den Prototypen eines selbstfahrenden Fahrrads gebaut, weil wir es können“, sagt Comodule-Geschäftsführer Kristjan Maruste. Und dann ernster: „Es demonstriert die Fähigkeiten unserer Technologie und hilft dabei, die Zukunft leichter, elektrischer Vehikel zu erschließen.“

Spaziergang mit ferngesteuertem E-Cargo-Bike: Es könnte künftig Postboten und Straßenkehrer bei der Arbeit unterstützen. 

Spaziergang mit ferngesteuertem E-Cargo-Bike: Es könnte künftig Postboten und Straßenkehrer bei der Arbeit unterstützen.

Foto: Welix Klaas

Anwendungen gibt es laut Maruste genügend: „Es könnte Fahrräder für Straßenfeger und Postboten geben, die ihnen selbstständig folgen. Oder Fahrräder, die Essen und Medikamente in Kriegszonen schaffen.“

Comodule tüftelt an interaktiven E-Bike-Plattformen

Drei junge Mechatroniker der Technischen Universität Talinn in Estland haben Comodule 2014 gegründet. Mittlerweile haben sie ihr Büro in Berlin und tüfteln mit zehn Ingenieuren an interaktiven Plattformen für E-Bikes. „Die meisten E-Bikes sind nur ein unintelligentes Stück Metall“, ist Welix Klaas, Mitgründer von Comodule, überzeugt. „Sie arbeiten primitiv und geben keine Information über den Zustand der Batterie, die verfügbare Reichweite oder Standort.“

Die von Comodule entwickelte Hardware hingegen überwacht das E-Bike und sendet Daten direkt auf das Smartphone des Nutzers ­– eine Karte stellt dann beispielsweise dar, wie weit die Batterie den Fahrer noch bringen wird.

 

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