4,25 Gigaelektronenvolt 12.12.2014, 06:55 Uhr

Tischgroßer Teilchenbeschleuniger knackt Weltrekord

Mit einem tischgroßen Laser-Teilchenbeschleuniger haben US-Wissenschaftler Elektronen auf 4,25 Gigaelektronenvolt beschleunigt. Weltrekord. Und Grund zur Hoffnung, in Zukunft eine Alternative zu kilometerlangen Teilchenbeschleunigern zu etablieren. 

Mit ihrem tischgroßen Kielfeld-Beschleuniger Bella haben kalifornische Wissenschaftler ultrakurze Laserpulse durch ein strohhalmdünnes, etwa neun Zentimeter langes Röhrchen mit Plasma geschickt. Die mitgerissenen Elektronen wurden dabei auf 4,25 Gigaelektronenvolt beschleunigt.

Mit ihrem tischgroßen Kielfeld-Beschleuniger Bella haben kalifornische Wissenschaftler ultrakurze Laserpulse durch ein strohhalmdünnes, etwa neun Zentimeter langes Röhrchen mit Plasma geschickt. Die mitgerissenen Elektronen wurden dabei auf 4,25 Gigaelektronenvolt beschleunigt.

Foto: Roy Kaltschmidt/Berkeley Lab

Eindrucksvoll sind sie, die riesigen Teilchenbeschleuniger, in denen elektrisch geladene Teilchen auf annähernde Lichtgeschwindigkeit gebracht werden, um den Aufbau der Materie zu erforschen. Der Beschleunigerring des Large Hadron Colliders (LHC) der europäischen Organisation für Nuklearforschung CERN etwa hat einen Umfang von über 26 Kilometern. 9300 Magnete bringen die Teilchen in mehreren Umläufen durch den Ring in Schwung, bevor sie mit extrem hoher kinetischer Energie zur Kollision gebracht werden.

Kielfeld-Beschleuniger nutzt Laser statt Magnete

Durch ihre Größe stoßen solche herkömmlichen Teilchenbeschleuniger allerdings immer mehr an praktische und letztlich auch finanzielle Grenzen. Mehr als 100 Megaelektronenvolt pro Meter Strecke können in ihnen nicht erreicht werden. Soll die Leistungsfähigkeit steigen, müssen sie also immer länger und größer gebaut werden.

Mit dem sogenannten Kielfeld-Beschleuniger ist in den vergangenen zehn Jahren aber eine interessante Alternative zu den herkömmlichen Teilchenbeschleunigern aufgetaucht. Wim Leemans vom Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien und seine Kollegen haben mit ihrer nur tischgroßen Anlage namens Bella jetzt sogar einen Weltrekord aufgestellt.

Austausch eines riesigen Magneten im Teilchenbeschleuniger LHC am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf. Mit 9300 Magneten und einem Umfang von 26 Kilometern ist LHC derzeit der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt. 

Austausch eines riesigen Magneten im Teilchenbeschleuniger LHC am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf. Mit 9300 Magneten und einem Umfang von 26 Kilometern ist LHC derzeit der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt.

Quelle: Maximilien Brice/CERN

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* im Anforderungsmanagement DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Stadt Weinheim-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) im Bereich Landschaftsarchitektur, Landschafts- oder Freiraumplanung für die Gestaltung städtischer Außen- und Freianlagen Stadt Weinheim
Weinheim Zum Job 
Stadt Norderstedt-Firmenlogo
Ingenieur/in / Technische/r Mitarbeiter/in (w/m/d) Bereich Verkehrswesen Stadt Norderstedt
Norderstedt Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d) WipflerPLAN Planungsgesellschaft
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz Zum Job 
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg-Firmenlogo
Leitung des Rechenzentrums der Universität Freiburg (m/w/d) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Freiburg Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Information Security Manager (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Professur "Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 
Mehrer Compression GmbH-Firmenlogo
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d) Mehrer Compression GmbH
Balingen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamm, Münster Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg Die Autobahn GmbH des Bundes
Dillenburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamm, Münster, Gelsenkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück Die Autobahn GmbH des Bundes
Osnabrück Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
SCHEIDL-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau SCHEIDL
Moosburg/Landshut Zum Job 

Der Kielfeld-Beschleuniger nutzt keine Magnete, um die Teilchen zu beschleunigen, sondern extrem energiereiche Laserpulse. Die werden in einen Kanal mit Plasma geschossen, wodurch sich Elektronen lösen und eine Plasmawelle angeregt wird, in der hohe elektrische Feldstärken herrschen. Diese Welle wandert mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch das Plasma. Ein entsprechend schneller Teilchenstrahl kann daher wie ein Surfer auf der Welle reiten und wird kontinuierlich beschleunigt. Kilometerlange Beschleunigerringe sind für solche Laser-Plasma-Beschleuniger nicht mehr notwendig.

Leistung entspricht dem eines großen herkömmlichen Teilchenbeschleunigers

Mit ihrem Kielfeld-Beschleuniger Bella, der auf einen Tisch passt, haben die kalifornischen Wissenschaftler ultrakurze, nur 40 Femtosekunden lange Laserpulse von 300 Terawatt Leistung, was 300 Billionen Watt entspricht, durch ein strohhalmdünnes, etwa neun Zentimeter langes Röhrchen mit Plasma geschickt. Die mitgerissenen Elektronen wurden dabei auf 4,25 Gigaelektronenvolt beschleunigt. Das ist mehr als je in einem Laser-Plasma-Beschleuniger erreicht worden ist und entspricht ungefähr dem, was im größten deutschen Teilchenbeschleunigerring DESY in Hamburg erreicht wird.

Als Nächstes soll die Zehn-Gigaelektronenvolt-Marke fallen

Als Schlüssel zu ihrem Erfolg führen die Wissenschaftler an, dass sie den Weg, den die Welle durch das Plasma gehen sollte, durch einen elektrischen Impuls, der vor dem Laserpuls erfolgte, gewissermaßen vorgezeichnet hätten. Der Laserpuls wurde auf diese Weise beinahe ungebrochen durch das Plasma geführt. Weitere Parameter, die die Physiker für ihr erfolgreiches Experiment mithilfe von Computersimulationen optimierten, waren die ideale Dichte des Plasmas sowie die Größe des Laserpuls-Fokus. Als Nächstes will Wim Leemans mit seinem Team und einem weiter verbesserten Laser-Beschleuniger die Marke von zehn Gigaelektronenvolt knacken.

 

Ein Beitrag von:

  • Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck ist seit 2001 journalistisch unterwegs in Print- und Online-Medien. Neben Architektur, Kunst und Design hat sie sich vor allem das spannende Gebiet der Raumfahrt erschlossen.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.