Entwicklungshilfe 21.12.2012, 18:28 Uhr

„Technik ohne Grenzen“ (TeoG): Ehrenamt für Ingenieure

Ingenieur und Entwicklungshelfer – das passt zusammen. In Bayern gründeten 17 technisch versierte Personen vor zwei Jahren den Verein Technik ohne Grenzen, in dem Studenten Praxiserfahrung sammeln, berufstätige Ingenieure sich privat engagieren und Pensionäre ihr Wissen einbringen können. Sie alle eint das Bedürfnis, Menschen unbürokratisch zu helfen.

TeoG-Vereinsmitglieder reisen regelmäßig nach Afrika.

TeoG-Vereinsmitglieder reisen regelmäßig nach Afrika.

Foto: Werkfoto

In der Weihnachtszeit besinnen sich die Menschen in den westlichen Industriestaaten darauf, Gutes zu tun. Zahlreiche Spendenaufrufe erinnern daran, dass sich anderswo auf der Welt humanitäre Missstände und Elend breit machen. Die Mitglieder von Technik ohne Grenzen (TeoG) benötigen für diese Erkenntnis nicht das Fest der Liebe. Mit gesundem Menschenverstand und ihrem technischen Fachwissen setzen sie sich das ganze Jahr über dafür ein, Menschen in strukturschwachen Gebieten das Leben zu erleichtern.

„Wir sind ein unabhängiger Verein“, erklärt der Vorsitzende Frank Neumann, „der es sich zum Ziel gemacht hat, die ethischen Motive im technischen Bereich voranzubringen.“

2010 gründet sich der Verein „Technik ohne Grenzen“ (TeoG)

Seit 2010 gibt es den Verein TeoG. Gegründet wurde er von 17 Personen, mehrheitlich VDI-Mitgliedern. Ansprechen soll er aber jeden, der sich für Technik engagieren möchte, ob Bauingenieur, Techniker oder Kaufmann.

Wichtig ist allein das Ziel. „Wir wollen vor Ort weder beglücken noch bedienen“, nennt Neumann das.

TeoG möchte den Menschen weder deutsche Ideen oktroyieren noch ihnen die Verantwortung nehmen, sich um ihre Projekte zu kümmern. „Wir wollen dort helfen, wo Hilfe angebracht ist.“

Dafür reisen regelmäßig Vereinsmitglieder mit ihrem Fachwissen im Gepäck nach Afrika, um die Menschen vor Ort zu schulen und auf diese Weise humanitäre Hilfe zu leisten.

Im Fall von Veronika Birk und Daniel Schaffert ging es zum Holy Family Hospital ins ghanaische Techiman. Dort bemühten sich die beiden um eine Lösung zur umweltfreundlichen Entsorgung des Krankenhausmülls.

Was sich zunächst unspektakulär anhört, hat einen ernsten Hintergrund: In Ländern der Dritten Welt gibt es meist keine öffentliche Müllentsorgung, stattdessen verbrennen die Menschen ihre Abfälle auf offenem Feld. Dioxine und andere toxische Rückstände gelangen ins Grundwasser und machen es ungenießbar. So auch in Techiman.

Die German Rotary Volunteer Doctors (GRVD) machten Frank Neumann auf diesen Missstand aufmerksam. Die Planungsphase lief an. Obwohl alle acht Mitglieder des Teams ehrenamtlich tätig sind, machten sich Bork und Schaffert bereits nach einem halben Jahr mit einem Konzept auf die Reise nach Ghana.

Verein TeoG: Abfallentsorgungskonzept für Holy Family Hospital in Ghana

„Gemeinsam mit den Menschen vor Ort adaptieren wir das Konzept zur sinnvollen Trennung, Verwertung und Verbrennung des Mülls“, erklärt Veronika Birk, Mechatronikerin und Leiterin des Projekts. Im Vordergrund stehe dabei der Wissenstransfer, fügt Daniel Schaffert, Student der Energietechnik, hinzu: „Die Ghanaer sollen nach unserer Abreise wissen, wie sie mit einfachen Mitteln einen wirkungsvollen Müllverbrennungsofen bauen und durch Mülltrennung ein wenig Geld verdienen können.“

Ein Arbeitsalltag in Ghana ist eine Herausforderung. Da es früh dunkel wird, beginnt der Tag um 5 Uhr in der Früh, dann sei es auch noch relativ kühl, versichert Schaffert. Wenn Strom und Wasser vorhanden sind, kann es losgehen. Vereinbarungen werden per Handschlag bestätigt. Verlass ist jedoch weder auf die Teammitglieder noch auf das Material, weswegen Birk jedem Helfer Flexibilität und Improvisationstalent empfiehlt.

An die Projektpartner kommt TeoG meist über die German Rotary Volunteer Doctors. Die Mitglieder dieser unabhängigen humanitären Vereinigung, die von Ärzten und Rotary Clubs getragen wird, reisen während ihrer Einsätze von einem Krankenhaus zum nächsten und kennen die Notstände vor Ort. Bei Bedarf nehmen sie Kontakt zu Frank Neumann auf. Im Falle Techimans stellten sie den Kontakt zwischen TeoG und der Krankenhausleitung her.

Veronika Birk warnt, die Verantwortlichen des Krankenhauses wie in Deutschland als höchste Instanz anzusehen. „Allein der Bischof entscheidet“, sagt sie, „ob die Öfen gebaut werden oder nicht. Sein Segen darf auf gar keinen Fall fehlen.“ Die deutschen Helfer müssen sich auf diese ghanaische Denkweise einstellen können, um erfolgreich zusammenzuarbeiten. „Die deutsche Pünktlichkeit sollte man auch über Bord werfen“, rät Birk und erntet Zustimmung von Kollege Schaffert.

In Ghana lernte er, seine Planung flexibel zu gestalten und einen Gang herunterzuschalten. Das Leben in Ghana verlaufe eben gemächlicher und wenn dann auch der Letzte eingetrudelt sei, ginge der Hürdenlauf erst los: die Verständigung. „Das unterschiedliche Bildungsniveau der Menschen in Ghana stellt eine große Hürde dar. Viele können nur wenig Englisch und wenige können deutsche Gedankengänge nachvollziehen“, berichtet Schaffert.

Jeden Tag sollten sich die Helfer ins Gedächtnis rufen, dass sie zwar helfen, nicht aber bedienen wollen. „Wenn die unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen, bedarf es größeren Geschicks, um als ,White‘ nicht unhöflich zu wirken“, so Schaffert. Die ersten Tage müssten genutzt werden, um sich kennenzulernen und gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Gelingt dies, profitieren beide Seiten gleichermaßen. Die deutschen Helfer lernen, sich völlig neu zu organisieren und bauen interkulturelle Kompetenzen auf. Den Ghanaern werden in Schulungen die Vorteile und die Bauweise einer Müllverbrennungsanlage vermittelt. „Im optimalen Fall“, erklärt Birk, „können unsere Partner das Gelernte auch nach der Projektphase einsetzen, um damit Geld für den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen“. Diesen Mikrobusinessansatz verfolgt TeoG bei all seinen Projekten.

Verein TeoG bindet seine Projektpartner vor Ort in die Finanzierung ein

Um das Ideal erreichen zu können, bindet TeoG seine Projektpartner vor Ort in die Finanzierung mit ein: Sie übernehmen 10 % bis 15 % der Kosten. In Techiman war das Krankenhaus sogar mit 4300  € an den Gesamtkosten von 25 500 € beteiligt. Den Hauptanteil trägt jedoch TeoG – über Spenden von Privatpersonen oder Vereinigungen wie den GRVD.

Birk und Schaffert sind dem Studentenstatus entwachsen, TeoG wollen sie aber trotzdem die Treue halten. Schaffert leitet inzwischen das Nachfolgeprojekt in Berekum, Birk ist Mitglied des TeoG-Vorstandes. Obwohl der Verein sehr jung und deutlich kleiner als der große Bruder Ingenieure ohne Grenzen ist, bestärken die beiden jeden, der helfen möchte, sich ihnen anzuschließen. „Gerade weil TeoG klein ist, können sich neue Mitglieder schnell in Projekte einbringen.“ 

Von Lisa Schneider Tags:

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