Nachrichten aus der Antike 22.01.2015, 08:51 Uhr

Mit speziellem Röntgenlicht Schrift auf verkohlter Papyrusrolle entziffert

Als der Vesuv vor beinahe 2000 Jahren ausbrach, verschüttete er auch die Bibiothek „Villa dei Papiri“ in Herculaneum. Dort wurden hunderte Papyrusrollen gefunden, die allesamt sehr stark verkohlt sind und somit bisher nicht lesbar waren. Einem italienischen Forscherteam ist es jetzt gelungen, die antike Botschaft wieder sichtbar zu machen.

Papyrus erfüllte vor allem in der Antike eine ähnliche Funktion wie heute Papier.

Papyrus erfüllte vor allem in der Antike eine ähnliche Funktion wie heute Papier.

Foto: Wikimedia

Im Jahr 79 nach Christi Geburt verschwand die antike Stadt Pompeji in Kampanien an der Westküste Italiens unter einer riesigen Schicht aus Vulkangestein und Asche, die der Vulkan Vesuv in einer sehr heftigen Eruption in die Umgebung geschleudert hatte. Erst im 18. Jahrhundert wurde Pompeji wieder entdeckt. Auch die Stadt Herculaneum wurde von den Gesteinsmassen des Vesuvs verschüttet. Die dortige Bibliothek „Villa dei Papiri“ ist dadurch die einzige, die samt Büchern bis heute erhalten blieb.

Rollen erinnern an Grillwürstchen

Vor etwa 260 Jahren wurden in dieser Bibliothek, die Julius Cäsars Schwiegervater gehört haben soll, hunderte Papyrusrollen aus der Antike entdeckt. Archäologen brannten lange darauf, diese studieren zu können. Denn jede von ihnen ist so etwas wie eine Zeitkapsel, in der ein Stück antiker Literatur konserviert ist. Doch durch die Hitze des Vulkanausbruchs sind diese antiken Schätze stark verkohlt und sehen aus wie auf dem heißen Rost vergessene Grillwürstchen. 

Brechung der Röntgenstrahlen ausgenutzt

Es verbietet sich, zu versuchen diese aufzurollen. Denn daran würden sie zerbrechen. Einem Forscherteam um den italienischen Physiker Vito Mocell vom Consiglio Nazionale delle Ricerche ist nun das Unmögliche gelungen: Sie haben die Schrift in einer besonders schlimm verkohlten Rolle lesbar gemacht.

Kaum zu glauben, dass sich aus dieser besonders schlimm verkohlten Papyrusrolle noch etwas herauslesen lässt. 

Kaum zu glauben, dass sich aus dieser besonders schlimm verkohlten Papyrusrolle noch etwas herauslesen lässt. 

Foto: Bibliothèque de l'Institut de Fr

Im Fachblatt „Nature Communications“ haben sie ihr Verfahren vorgestellt. Sie bedienten sich eines speziellen Computertomographen. Dieses Gerät nutzt das sogenannte Phasenkontrast-Verfahren. Das recht neue Verfahren nutzt die Brechung der Röntgenstrahlen der Reise durch eine Objekt und nicht – wie beim konventionellen Röntgen – die Abschwächung der Strahlen, die entsteht weil zum Beispiel Knochen dichter sind als das umliegende Gewebe.

Phasenunterschied macht die Buchstaben sichtbar

Genau darin bestand das Problem mit den verkohlten Papyrusrollen. Denn in der Antike wurde Papyrus mit einer Tinte auf Kohlebasis beschrieben, deren Dichte sich kaum von dem verkohlten Papyrus unterscheidet. Deshalb konnten Forscher den Rollen mit der konventionellen Röntgentechnik nicht beikommen.

Hunderte solcher Papyrusrollen aus der Antike wurden vor 260 Jahren in der Bibliothek Villa die Papyri in der Stadt Herculaneum entdeckt. Durch die Hitze des Vesuv-Ausbruchs im Jahr 79 nach Christus sind sie stark verkohlt. 

Hunderte solcher Papyrusrollen aus der Antike wurden vor 260 Jahren in der Bibliothek Villa die Papyri in der Stadt Herculaneum entdeckt. Durch die Hitze des Vesuv-Ausbruchs im Jahr 79 nach Christus sind sie stark verkohlt. 

Foto: E. Brun/dpa

Das jetzt verwendete Phasenkontrast-Verfahren misst die minimalen Unterschiede einer Röntgenwelle, die nur durch den Papyrus raste und einer Röntgenwelle, die durch Papyrus und zusätzlich durch eine Tintenschicht musste. Und dieser winzige Phasenunterschied lässt die Buchstaben wie durch Zauberhand wieder entstehen. „Wir waren ehrlich gesagt erstaunt, als wir bereits bei einer der ersten Messungen die ersten Buchstaben klar erkennen konnten“, so Mocella.

Beschrieben von Philodemus von Gadara

Dieses Phasenkontrast-Verfahren hat eine Auflösung von etwa 100 Mikrometer. Das entspricht in etwa der Dicke eines menschlichen Haares. Diese Auflösung ist so gut, dass die Wissenschaftler sich in der Lage sehen, aus dem sichtbar gemachten Schriftbild Rückschlüsse auf den Autoren zu wagen. Die jetzt entzifferten Buchstabenfolgen ordnen sie dem Philosophen und Dichter Philodemus von Gadara zu, der auch viele andere Papyrusrollen beschriftet hat und höchstwahrscheinlich in Hercuaneium starb.

Neues archäologisches Zeitalter

Der deutsche Papyrologe Jürgen Hammerstaedt von der Universität Köln findet die Ergebnisse der Gruppe um Vito Mocella „sensationell“. Für ihn öffnet sich da ein ganz neues archäologisches Zeitalter. Denn bisher hätten ihn als Wissenschaftler immer nur die wenig verkohlten Papyrusrollen interessiert. „Nun bietet sich aber die Chance, selbst schwer verkohlte Rollen zu lesen, und davon gibt es immer noch einige Hundert.“

Von Detlef Stoller

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