Truthahn zu Weihnachten 02.11.2015, 13:49 Uhr

Erste Weltraum-WG zog vor 15 Jahren in die ISS ein

Die ISS feiert Geburtstag: Heute vor 15 Jahren bezog die erste Weltraum-WG der Menschheitsgeschichte ihr Domizil in 400 km Höhe über der Erde. Ein US-Astronaut und zwei russische Kosmonauten bildeten für 136 Tage die erste Langzeitbesatzung auf der ISS. Zu Weihnachten gab es als Festessen hydrierten Truthahn.

Blick in das russische Service-Modul der ISS am 10. Dezember 1997 im russischen Raumfahrtzentrum in Moskau: Im Hintergrund zu sehen ist US-Astronaut William Shepherd. Das Element wurde im Dezember 1998 ins All gebracht. Am 2. November 2000 – heute vor 15 Jahren – bezog die erste Crew die Internationale Raumstation. 

Blick in das russische Service-Modul der ISS am 10. Dezember 1997 im russischen Raumfahrtzentrum in Moskau: Im Hintergrund zu sehen ist US-Astronaut William Shepherd. Das Element wurde im Dezember 1998 ins All gebracht. Am 2. November 2000 – heute vor 15 Jahren – bezog die erste Crew die Internationale Raumstation. 

Foto: Nasa

Als die erste Crew zur ISS flog, hatte die Station mit der heutigen nur wenig gemein. Das Wohn- und Navigationsmodul Swesda, welches übersetzt Stern bedeutet, war nur 13,1 m lang bei einem maximalen Durchmesser von 4,15 m. Die außerirdische WG hauste 136 Tage lang fast ohne Privatsphäre in der kosmischen Enge zwischen Computern und Kabel.

Die erste Crew der ISS am 3. Oktober 1997 bei Übungen am Schwarzen Meer: Juri Gidsenko (l.), William Shepherd (m.) und Sergei Krikaljow.

Die erste Crew der ISS am 3. Oktober 1997 bei Übungen am Schwarzen Meer: Juri Gidsenko (l.), William Shepherd (m.) und Sergei Krikaljow.

Foto: Nasa

Inzwischen sind zahlreiche Forschungs- und Wohnmodule hinzugekommen. Die ISS hat inzwischen eine maximale Ausdehnung von 110 mal 100 mal 30 m. Und sie bietet damit viel Platz für die Nachfolger der ersten Crew, zum Beispiel den deutschen Astronauten Alexander Gerst, oder ungewöhnliche Experimente wie den Anbau von Salat im All. Am längsten war übrigens bislang der Astronaut Scott Kelly im All.

„Unsere Mission war, die Weltraumstation betriebsfähig zu machen“

Die ISS-Expedition Nr. 1 startete am 31. Oktober 2000 in einer Sojus TM-31-Rakete und bestand aus dem US-amerikanischen Astronauten William Shepherd als Kommandant und den beiden russischen Kosmonauten Juri Gidsenko und Sergei Krikaljow. Der Kommandant erinnert sich: „Unsere Mission war, die Weltraumstation betriebsfähig zu machen und dazu zählte, alle Systeme zu konfigurieren, die in den Weltraum gebracht wurden. Diese waren noch nicht einsatzfähig, als wir ankamen.“

Die ISS am 18. November 2000: Die Station war erst im Aufbau und war nur 13 m kurz. Privatsphäre für die erste Besatzung gab es überhaupt nicht. Im Bild ist auch der angedockte Progress-Transporter zu sehen, der zwei Tonnen Nahrung, Kleidung, Hardware und Weihnachtsgeschenke zur ISS brachte.

Die ISS am 18. November 2000: Die Station war erst im Aufbau und war nur 13 m kurz. Privatsphäre für die erste Besatzung gab es überhaupt nicht. Im Bild ist auch der angedockte Progress-Transporter zu sehen, der zwei Tonnen Nahrung, Kleidung, Hardware und Weihnachtsgeschenke zur ISS brachte.

Foto: Nasa

Die ersten Arbeiten der ISS-Expedition 1 waren die Aktivierung lebenswichtiger Systeme, wie die Wasseraufbereitung, die Küche und die Toilette. So wird im Weltraum ein simpler Toilettengang zum komplizierten Akt. Aufgrund der fehlenden Erdanziehung müssen die Bewohner der Weltraum-WG ihre Beine an der Toilette festklemmen. Unterdruck saugt die Ausscheidungen der Astronauten in einen 20-Liter-Behälter und dann in einen Raumtransporter. Die Weltraum-Toilette kostete rund 14 Mio. €.

Eines der ersten Bilder aus der ISS: Am 8. November 2000 arbeiten die beiden russischen Kosmonauten Sergei Krikaljow (l.) und Juri Gidsenko im Swesda-Servicemodul. 

Eines der ersten Bilder aus der ISS: Am 8. November 2000 arbeiten die beiden russischen Kosmonauten Sergei Krikaljow (l.) und Juri Gidsenko im Swesda-Servicemodul. 

Foto: Nasa

Erstes Experiment war der Plasma-Kristall

Neben all der Aufbauarbeit blieb aber auch etwas Zeit übrig, um ein Experiment in der Schwerelosigkeit durchzuführen, ein Experiment deutscher und russischer Wissenschaftler. „Es hieß Plasma-Kristall – das war so etwas wie die erste echte Wissenschaft, die auf der Raumstation durchgeführt wurde“, erinnert sich Shepherd. „Es war ein kleiner Container, in dem Gase und Plasma erzeugt und fotografiert wurden. Ein wissenschaftlicher Zweck der Weltraumstation ist Grundlagenforschung, und das war das erste Mal, dass genau das gemacht wurde.“

Spielerei an Bord der ISS: Der amerikanische Astronaut William Shepherd (m.) bildete mit den russischen Kosmonauten Juri Gidsenko (l.) und Sergei Krikaljow (r.) die erste Langzeitcrew der Internationalen Raumstation ISS. Am 31. Oktober 2000 startete das Team mit dem Space Shuttle Discovery und zog am 2. November 2000 in die ISS als Expedition 1 ein.

Spielerei an Bord der ISS: Der amerikanische Astronaut William Shepherd (m.) bildete mit den russischen Kosmonauten Juri Gidsenko (l.) und Sergei Krikaljow (r.) die erste Langzeitcrew der Internationalen Raumstation ISS. Am 31. Oktober 2000 startete das Team mit dem Space Shuttle Discovery und zog am 2. November 2000 in die ISS als Expedition 1 ein.

Foto: Nasa

„Am Anfang standen wir uns als Mannschaft nicht besonders nahe

Der Kommandant erinnert sich vor allem an den Teamgeist der ersten Crew, der im Missionsverlauf entstanden ist: „ Am Anfang standen wir uns als Mannschaft nicht besonders nahe, aber wir haben im Trainingsverlauf schnell gemerkt, dass wir sehr kompatibel sind und uns extrem gut verstehen. Eine Sache, die mich überrascht hat, als wir in den Weltraum geflogen sind, war, dass unser Gespür dafür, als Team zusammen zu arbeiten, immer stärker wurde, die ganze Zeit, in der wir in der Umlaufbahn waren“, so Shepherd. „Wir hatten eine wirklich großartige Expedition. Als wir sie beendet haben, waren wir uns nicht sicher, ob es irgendwas im Weltall gibt, dass wir nicht schaffen können.“

1997, drei Jahre vor ihrem Flug zur ISS, trainierte Crew Nr. 1 im Schwarzen Meer Überlebensmaßnahmen für den Fall, dass die Sojus-Rakete nicht auf Land, sondern auf Wasser landen sollte.

1997, drei Jahre vor ihrem Flug zur ISS, trainierte Crew Nr. 1 im Schwarzen Meer Überlebensmaßnahmen für den Fall, dass die Sojus-Rakete nicht auf Land, sondern auf Wasser landen sollte.

Foto: Nasa

Ach ja, und Weihnachten wurde auf der ISS auch gefeiert. Die Geschenke hatte kurz zuvor der russische Frachter Progress M1-4 zur ISS gebracht. Dabei war auch das Festessen: hydrierter Truthahn.

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