Private Raumstation 26.02.2018, 13:14 Uhr

Bigelows aufblasbares Weltraumhotel nimmt erste Reservierungen entgegen

Die ersten Vorbestellungen für seine geplante Weltraumstation mit „Hotel“ nimmt Robert Bigelow schon an. Der amerikanische Hotelunternehmer will ab 2021 zwei aufblasbare Module ins Erdorbit schicken und dort Platz für Wissenschaftler, aber auch Touristen anbieten. Dass es im Prinzip möglich ist, hat Bigelow mit dem „Beam“ bereits bewiesen.

Bigelows aufblasbares Weltraumhotel nimmt erste Reservierungen entgegen

Bigelow Aerospace will zwei Module zusammen koppeln, um sie als erste private Raumstation um die Erde kreisen zu lassen. Auch "Touristen" können sich dort einbuchen.

Foto: Bigelow Aerospace

Bigelows aufblasbares Weltraumhotel nimmt erste Reservierungen entgegen

Feuertaufe bestanden: Das aufblasbare Modul Beam dockte 2016 an die ISS an und wird seitdem von des ISS-Astronauten gecheckt. Bisher funktioniert es ohne Fehler.

Foto: Bigelow Aerospace

Bigelows aufblasbares Weltraumhotel nimmt erste Reservierungen entgegen

Blick zum Mond: Die Hotelgäste der Bigelow-Raumstation werden grandiose Blicke erleben.

Foto: Bigelow Aerospace

Sein Geld hat der 72-jährige Robert Bigelow mit der Hotelkette Budget Suites of America gemacht. Bei den neuesten Plänen des amerikanischen Milliardärs geht es im weitesten Sinne auch um Unterkünfte, allerdings ist die Reise dorthin weder preiswert noch einfach. Kurz: Robert Bigelow plant für 2021, zwei jeweils rund 16 m lange aufblasbare Module – B330-1 und B330-2 – in den erdnahen Orbit zu schicken. Die Module werden dort miteinander verbunden und bilden die erste private Raumstation.

Seit Mai 2016 hat die Raumstation ein aufblasbares Modul

Klingt verrückt, aber dass Robert Bigelow große Ambitionen hat und die Möglichkeiten besitzt, diese umzusetzen, hat er bereits bewiesen. Außer von seiner Hotelkette ist Bigelow auch Chef der 1999 gegründeten Bigelow Aerospace. Das Raumfahrtunternehmen baut Hardware fürs All und ist vor allem durch ein Produkt bekannt geworden, das die Nasa 2016 an der Internationalen Raumstation ISS andockte. Das Modul Beam (Bigelow Expandable Activity Module) ist der erste aufblasbare Raum, in dem sich Menschen im All aufhalten können.

Es war, leicht und platzsparend, zusammengefaltet angeliefert worden, wurde am Verbindungsmodul Tranquility angedockt und anschließend mit Pressluft aufgeblasen. Seit Mai 2016 schweben die Astronauten der ISS regelmäßig in das Modul, um zu prüfen, ob dort alles trocken und dicht ist und nicht zuletzt, ob die Sensoren schädliche Weltraumstrahlen melden. Bisher läuft alles gut und Ende 2017 verlängerte die Nasa die Aufenthaltsdauer des aufblasbaren Moduls. Die Astronauten richteten inzwischen eine Art Lagerraum dort ein, um Gerätschaften der ISS zu verstauen.

Jetzt plant Bigelow also den nächsten Schritt und hat dafür auch eine weitere Firma gegründet. Während Bigelow Aerospace weiterhin Hardware baut, soll das neu entstandene Unternehmen Bigelow Space Operations private Angebote im erdnahen Orbit vermarkten – für Länder, Unternehmen und Weltraumtouristen.

Eine neue Raumstation wird zweieinhalbmal größer als die ISS

Die beiden komplexen Module sollen 2,4 Mal größer sein als die ISS und wären dann die größten Strukturen im All, in denen sich Menschen dauerhaft aufhalten können. Ein B330-Modul würde zunächst im zusammengefalteten Zustand mit der noch zu bauenden Olympus-Rakete ins All befördert. Nach der Entfaltung mit atembarer Luft könnten sechs Personen dort leben.

Die weiße Außenhaut ist dick genug, um gegen herumfliegenden Weltraumschrott und gegen die Strahlung im All zu schützen. Die Reisekosten würden wahrscheinlich im siebenstelligen oder niedrigen achtstelligen Bereich liegen, kalkuliert Bigelow. Zur Erinnerung: Die Nasa zahlt derzeit 81 Millionen Dollar an Russland, um ihre Astronauten zur ISS zu bringen und wieder abzuholen.

Zimmer mit Ausblick: Die Module können auch einzeln in eine Umlaufbahn geschickt und genutzt werden.

Zimmer mit Ausblick: Die Module können auch einzeln in eine Umlaufbahn geschickt und genutzt werden.

Quelle: Bigelow Aerospace

Gebaut werden könnte die Raumstation in Florida oder Alabama, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Das klingt allerdings noch nicht nach komplett ausgereiften Plänen. Und so will Robert Bigelow seinen Vorstoß auch nicht verstanden wissen. Zuerst müsse Bigelow Space Operations noch etwas sehr wichtiges erledigen, sagte Bigelow. „Es ist jetzt an der Zeit, in der wir im Detail den globalen, nationalen und unternehmerischen Markt für die kommerzielle Nutzung von erdumkreisenden Stationen ermitteln müssen. Das ist seit vielen Jahren nicht eindeutig geklärt und wir werden in diesem Jahr einige Millionen Dollar in die Antwort auf diese Frage stecken.“

Forschungszeit auf der Raumstation

Bigelows Pläne für eine private Raumstation kommen zu einem interessanten Zeitpunkt. Die Frage, inwieweit auch privatwirtschaftliche Interessen mit der ISS bedient werden können, ist nicht neu. Die Nasa und auch die europäischen Partner der ESA vergeben Forschungszeiten auf der Raumstation auch an kommerzielle Unternehmen. Aber diese Zeiten sind knapp und die Nachfrage, ebenso wie die von Forschungseinrichtungen, ist groß.

In diesem Zusammenhang ist es für die Entwicklung der Forschungspläne entscheidend, wie lange die Internationale Raumstation noch zuverlässig fliegen wird. Technisch gesehen kann die ISS noch bis mindestens 2028 um die Erde kreisen, aber dafür müssten sich alle Beteiligten – USA, Russland, Japan, Kanada, Europa –einig sein. Vielleicht würden diese Nationen auch in eine neue, privat betriebene Raumstation investieren, hofft Bigelow.

Die ISS und die Privatwirtschaft

Jüngst hatte Präsident Donald Trump bei der Vorstellung des nächsten Haushaltes betont, dass die Privatisierung der Raumstation ein Ziel seiner Regierung sei und dass die Nasa sich möglicherweise aus dem operativen Betrieb der ISS Ende 2024 zurückziehen wolle. Das Geld wird für die ehrgeizigen Pläne gebraucht, in tiefere Bereiche des Alls vorzudringen und Astronauten zum Mond oder zum Mars zu bringen. Für Unternehmen wie Bigelow Aerospace, die in öffentlich-privater Partnerschaft mit den Weltraumagenturen ihre Produkte entwickelt haben, könnte das die Perspektiven erheblich einschränken.

Zugleich wird aber der Zugang zum erdnahen Weltraum mit neuen Raketensystemen einfach, zuverlässiger und preiswerter. Die Falcon Heavy von Elon Musks SpaceX hat das kürzlich eindrucksvoll gezeigt. Das alles will Bigelow erwägen und erkunden – und dann sind da auch noch die Chinesen, die offensiv in den Weltraummarkt drängen

 

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