Weltall 09.11.2021, 13:30 Uhr

Asteroid rast auf Erde zu – völlig unbemerkt

Der Asteroid 2021 UA1 kam der Erde extrem nah: Aber die Nasa entdeckte ihn erst deutlich später. Das kann künftig fatal sein.

Asteroid 2021 UA1 raste extrem knapp an der Erde vorbei - ohne dass jemand es zuvor geahnt hatte. Foto: panthermedia.net/Elenaphotos21

Asteroid 2021 UA1 raste extrem knapp an der Erde vorbei - ohne dass jemand es zuvor geahnt hatte.

Foto: panthermedia.net/Elenaphotos21

Sie kennen das philosophische Problem mit dem Baum im Wald und dem Geräusch, oder? Nein? Also: Wenn ein Baum in einem Wald umfällt, aber niemand da ist, der das hören könnte, hat der Baum dann überhaupt ein Geräusch gemacht? Nun, abschließend ist diese Frage nicht geklärt. Was hingegen klar ist: Wenn ein Asteroid extrem knapp an der Erde vorbei fliegt, aber keiner merkt es, dann war er definitiv trotzdem da. 

Dass das schlimme Folgen haben kann, haben wir zuletzt 2013 erfahren: Ein 20 Meter großer Asteroid war damals über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk explodiert hatte schwere Schäden angerichtet. Meteoritenbrocken zerstörten Gebäude, Tausende Scheiben zersplitterten, hunderte Menschen wurden verletzt. Der Asteroid kam überraschend, seine Flugbahn war zuvor unbekannt gewesen.  

Asteroid 2021 UA1: Niemand hatte ihn auf dem Schirm

Wie jetzt bekannt wurde, ist vor wenigen Tagen ein Asteroid extrem knapp an der Erde vorbeigerast. Astronominnen und Astronomen bemerkten das aber erst, als sich das Objekt schon dicht an der Erde befand: Auf 3.000 Kilometer hatte der Brocken der Erde angenähert, dann passierte er den Planeten in der Antarktis-Region. Der etwa kühlschrankgroße Asteroid 2021 UA1 war der Erde deutlich näher als der Mond oder die meisten Satelliten. Unter anderem das Portal Cnet berichtet darüber, entsprechende Daten* über den Asteroiden sind auch bei der Nasa beziehungsweise beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) zu finden. 

Dunkle Materie: Entdeckung könnte unser Weltbild verändern 

Großen Schaden hätte der Asteroid bei einem Einschlag wohl nicht angerichtet, zum größten Teil wäre er beim Eintritt in die Atmosphäre verglüht. Asteroiden ab einer Größe von zehn bis 20 Metern können durchaus zerstörerisch wirken, ab 150 Metern richten sie signifikanten regonialen Schaden an – und 500-Meter-Brocken wie etwa der Asteroid Bennu, der erst kürzlich der Erde relativ nahe kam, könnten bei einem Einschlag für eine gigantische Katastrophe sorgen. 

So will die Nasa Asteroiden abwehren

Die Wahrscheinlichkeit für verheerende Einschläge ist zum Glück sehr gering – doch irgendwann wird es passieren. Probate Mittel, einen Asteroideneinschlag zu verhindern, gibt es indes noch nicht viele. „Wir glauben, dass wir jetzt technologisch genau an dem Punkt sind, an dem wir einen möglichen bedrohlichen Einschlag verhindern können“, so Michael Küppers von der europäischen Weltraumagentur Esa in einem Interview mit ingenieur.de. Mit der sogenannten Dart-Mission wollen die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die Esa genau das testen. „Das Prinzip ist eigentlich einfach: Eine Raumsonde wird in Richtung Asteroid geschickt und stößt mit hoher Geschwindigkeit mit diesem zusammen. Dieser Zusammenstoß ändert die Bahn des Asteroiden, so dass es keinen Einschlag auf der Erde gibt. Also eine Art Asteroiden-Billard“, erklärt Küppers.


Asteroid, Meteor, Komet: Was sind die Unterschiede?

  • Grundsätzlich unterscheiden sich die Himmelskörper in Größe, Zusammensetzung und ihrer Entfernung zur Sonne.
  • Ein Asteroid besteht in der Regel aus festen Stoffen und enthält wenige bis keine flüchtigen Stoffe, weswegen er keinen Schweif aufweist
  • Ein Komet besteht zu großen Teilen aus flüchtigen Stoffen wie etwa Wasser. Weil die Entfernung zur Sonne groß ist, sind die flüchtigen Stoffe gefroren. Nähern sich Kometen wärmeren Regionen, schmilzt das Eis und es entsteht der typische Kometen-Schweif.
  • Meteoriten sind die kleinsten Objekte. Häufig entstehen sie aus den Teilchen eines Kometenschweifs oder sie entstehen beim Zusammenprall größerer Himmelskörper. Treten sie in die Erdathmosphäre ein, sind sie als Meteor oder Sternschnuppe wahrnehmbar.

Die Dart-Sonde der Nasa wird zum Doppelasteroiden Didymos fliegen. „Sie soll den Asteroidenmond auf seiner Bahn um den Hauptasteroiden ablenken“, erklärt Küppers. Dazu soll die Sonde mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde in den kleineren der beiden Brocken einschlagen.

Asteroiden-Abwehr: Die Dart-Mission soll helfen. Foto: NASA/Johns Hopkins APL/Steve Gribben

Asteroiden-Abwehr: Die Dart-Mission soll helfen.

Foto: NASA/Johns Hopkins APL/Steve Gribben

 Der aktuelle Fall um den Asteroiden 2021 UA1 wirft jetzt die Frage auf: Warum hat niemand bemerkt, dass Asteroid 2021 UA1 der Erde so nahe kommt? Das könnte künftig fatal sein, denn um einen möglichen Einschlag verhindern zu können, braucht es eben genug Reaktionszeit.

Asteroid befand sich in einem blinden Fleck

Ein Grund für die späte Entdeckung: Der Asteroid kam aus Richtung der Sonne – das stellt für Astronominnen und Astronomen eine Schwierigkeit dar. Denn Himmelskörper, die aus dieser Richtung kommen, befinden sich in einem blinden Fleck und können schlichtweg nicht früh entdeckt werden. 

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Diesen blinden Fleck will die Nasa aber bald erleuchten. 2026 soll die Mission Neo Suveyor starten. Das Near-Earth Object Surveyor Weltraumteleskop soll potenziell gefährliche Asteroiden wesentlich früher entdecken – auch solche, die aus Richtung Sonne kommen.

Das Weltraumteleskop Neo Surveyor der Nasa soll gefährliche Asteroiden früher entdecken und auch dunkle Asteroiden, die bislang schwer zu finden sind, besser identifizieren. Foto: Nasa

Das Weltraumteleskop Neo Surveyor der Nasa soll gefährliche Asteroiden früher entdecken und auch dunkle Asteroiden, die bislang schwer zu finden sind, besser identifizieren.

Foto: Nasa

 „Neo Surveyor wird in der Lage sein, die Entdeckungsrate der Nasa bei Asteroiden und Kometen, die eine Gefahr für die Erde darstellen könnten, deutlich zu erhöhen. Es ist so konzipiert, dass 90 Prozent der Asteroiden mit einer Größe ab 140 Metern innerhalb eines Jahrzehnts nach dem Start des Teleskops entdeckt werden können“, so Nasa-Projektforscher Mike Kelley.  

Neo Surveyor besteht aus einem Teleskop mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern, das mit zwei wärmeempfindlichen Infrarotwellenlängen arbeitet. Das Teleskop soll sowohl helle als auch dunkle Asteroiden erkennen können, die bislang besonders schwierig zu finden sind. Dunkle Asteroiden sind solche, die etwa aufgrund ihrer Zusammensetzung und Oberflächenbeschaffenheit weniger Licht reflektieren. 

* Daten über den Asteroiden beim JPL

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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