IT-Architektur des Autos 27.10.2021, 07:00 Uhr

Bosch plant Riesencoup: das Software-Defined Car

Autos werden in einem immer stärkeren Maße über die Elektronik gesteuert. Damit die Systeme auch bei Updates perfekt ineinandergreifen, steht ein entscheidender Entwicklungsschritt bevor. Ein Konsortium nimmt ihn in Angriff, geleitet vom Top-Unternehmen Bosch.

Illu Auto

Die neue IT-Architektur Software-Defined Car soll die Elektronik revolutionieren.

Foto: Robert Bosch GmbH

Wer sich heute einen Neuwagen kauft, bekommt nicht nur Motor, Karosserie und vier Räder, sondern auch einen leistungsfähigen Computer. Vom Regensensor für die Scheibenwischer, über Spurhalteassistenten, bis hin zum vollständig automatisierten Fahren sind Autos mit zahlreichen Fähigkeiten ausgestattet. Da liegt eine Frage nahe: Wie kann es gelingen, dass all die verschiedenen Algorithmen sich nicht gegenseitig stören? Und ist es realistisch, dass Software-Updates reibungslos vonstatten gehen, wenn immer mehr Technik hinzukommt?

Langfristig kann die zunehmende IT im Auto nur funktionieren, wenn es standardisierte Regeln und Prozesse gibt. In dieser Hinsicht herrscht Einigkeit unter den Expertinnen und Experten. Standards sollen außerdem dazu beitragen, dass neue Funktionen schneller entwickelt und in die Modelle integriert werden können, also in kürzerer Zeit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen. Der Anspruch lautet: Eine funktionierende IT im Auto, inklusive regelmäßiger Innovationen – ein Fahrzeugleben lang. Der Schlüssel dazu heißt Software-Defined Car.

Testphase für Prototyp eines autonomen Fahrzeugs startet jetzt

13 Beteiligte arbeiten am Software-Defined Car

Software-Defined Car (SofDCar) ist der Name eines umfassenden Projektes: 13 Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben sich dafür zusammengeschlossen. „Mit einer neuen Sicht auf Software und Daten legen wir die Grundlagen für sehr viel mehr Flexibilität im Umgang mit neuen Funktionen und Daten rund um moderne Fahrzeuge“, sagt Andreas Westendorf. Er leitet das Projekt beim Konsortialführer Bosch. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit 43 Millionen Euro gefördert. Die Liste der Teilnehmenden ist beeindruckend:

  • Mercedes-Benz AG
  • BooleWorks GmbH
  • ETAS GmbH
  • P3 digital services GmbH
  • T-Systems International GmbH
  • Vector Informatik GmbH
  • ZF Friedrichshafen AG
  • Landesagentur e-mobil BW GmbH (als assoziierter Partner)
  • Universität Stuttgart
  • Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKSF)
  • FZI Forschungszentrum Informatik
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Die Mitglieder vereinen eine Menge Know-how, und das werden sie auch brauchen. Denn bereits jetzt sind in vielen Fahrzeugen mehr als 100 Steuergeräte verbaut. Und das ist erst der Anfang. Die hohe Komplexität der elektrischen und elektronischen Systeme nimmt weiter zu und muss daher gut aufeinander abgestimmt werden.

Ein lebenslanger digitaler Zwilling gehört zum Software-Defined Car

„Das Projekt Software-Defined Car hat die Aufgabe übernommen, den IT-Dschungel im Auto zu kartographieren. Unser Ziel ist es, die Prozesse für die Erstellung und Wartung von Software für die Fahrzeugdomäne über moderne, firmenübergreifende Entwicklungstoolketten und DevOps-Methoden grundlegend zu ordnen“, erklärt Westendorf. Mit DevOps sind Methoden gemeint, die zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Softwareentwicklung und IT-Betrieb führen. Langfristig sehen die Forschenden das Software-Defined Car als Voraussetzung, um autonomes Fahren auf effiziente Weise zu ermöglichen.

Als Teil des Projektes haben sich die Mitglieder vorgenommen, einen erweiterten digitalen Zwilling zu entwickeln. Das Besondere an diesem virtuellen Abbild der Fahrzeugfunktionen wäre seine Laufzeit. Anders als es in der Industrie inzwischen durchaus üblich ist, soll er nicht nur zur Verbesserung von Prozessen oder der Produktentwicklung dienen. Seine Lebenszeit ist von der Herstellung des Fahrzeugs bis zu seiner Verschrottung geplant. Eingeschlossen sind dabei sämtliche Apps, Backend- sowie Entwicklungssysteme. Auf diese Weise soll es möglich sein, ein Monitoring über den Informationsfluss zu leisten. Schon in drei Jahren sollen Ergebnisse vorliegen.

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Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

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