Cabin Sensing 15.10.2021, 07:02 Uhr

Continental: So funktioniert Sicherheit im Innenraum des Autos

Ein nur zehn Millimeter großer Radarsensor, der aus einer optischen Linse und sensiblen Sensoren besteht, überwacht den kompletten Innenraum eines Fahrzeugs. Die Kombination dieser beiden Technologien und der Einsatz intelligenter Algorithmen soll Autofahren künftig noch sicherer machen.

Cockpit im autonom fahrenden Auto

Continentals Cabin Sensing-Technologie ermöglicht die Erfassung von Objekten im Innenraum in Echtzeit.

Foto: Continental AG

Continental geht mit seiner Entwicklung dieser sogenannten Cabin Sensing-Technologie einen Schritt in die Zukunft. Denn ab 2024 schreibt die Europäische Kommission GSR-Systeme für neue Zulassungen vor. Diese Systeme überwachen Fahrer und Fahrzeug und sollen zum Beispiel Müdigkeit oder schwindende Aufmerksamkeit erkennen. Auch die Organisation Euro NCAP, eine Gesellschaft europäischer Verkehrsministerien, Automobilclubs und Versicherungsverbände mit Sitz in Brüssel, unterstützt den Einbau von Innenraumkameras und belohnt das ab 2023 mit Punkten. Diese fließen in ein freiwilliges Programm ein, das die Fahrzeugsicherheit bewertet.

Testphase für Prototyp eines autonomen Fahrzeugs startet jetzt

Dieses Programm soll besonders für die Erkennung von Kindern Bewertungspunkte vergeben. Damit gemeint ist eine Kinderanwesenheitserkennung, die Child Presence Detection (CPD). Diese Cabin Sensing-Technologie ist in der Lage, Kinder im Auto zu erkennen. Das funktioniert mithilfe von Radarsensor und hinterlegten Algorithmen, die Objekte klassifizieren. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Eltern vergessen ihr Kind auf der Rückbank. Die Technik schlägt dann entsprechend Alarm.

Continental integriert Sensoren erstmals ins Display

Die Herausforderung der Cabin-Sensing-Technologie ist dabei, vor allem die Komponenten auf möglichst kleinem Raum unterzubringen. Erstmals gelang es Continental, diese im Display des Fahrzeugs zu integrieren, bislang hatte sie nur in Lenksäule und Kombiinstrument gepasst. „Dafür setzen wir auf eine extreme Miniaturisierung der Technologie, was uns bei der Positionierung ganz neue Möglichkeiten eröffnet“, sagt Ulrich Lüders, Leiter Strategie und Portfolio im Geschäftsbereich Human Machine Interface bei Continental.

Cabin Sensing-Technologie im Auto

Die Cabin Sensing-Technologie erkennt die Anwesenheit von Kindern im Fahrzeug.

Foto: Continental AG

Innenraumkamera der Cabin Sensing-Technologie

Continental arbeitet mit einer besonderen Miniaturisierung, um die notwendigen Komponenten erstmals ins Display zu integrieren.

Foto: Continental AG

Die Experten minimierten Optik und Sensorik dafür auf zehn Millimeter. Ihr Anspruch: Auch Ästhetik und Design sollte dabei nicht zu kurz kommen. Zugleich sei bei der Positionierung des Radarsensors unbedingt auf Präzision zu achten. Denn nur so könne sichergestellt werden, dass er alle Bereiche des Innenraums gleichermaßen erfasse. Das ermögliche es aber auch, diese Technik für verschiedene Anwendungsfälle zu nutzen. „Der Fokus unserer Entwicklung lag auf der Erkennung lebender Objekte. Dafür detektiert unser Cabin Sensing unter anderem die Atmung des Kindes, identifiziert es somit als lebende Person und schlägt Alarm. Fehlwarnungen sind nahezu ausgeschlossen“, erklärt Daniel Naujack, Produktmanager Interior Camera & Cabin Sensing bei Continental.

Das Auto soll zur Smart Watch werden

Die Innenraumkamera gibt Bildinformationen an das System weiter. So ist es möglich, auch vergessene Gepäckstücke zu erkennen und eine entsprechende Benachrichtigung an das Smartphone des Besitzers zu senden. Das würde künftig zum Beispiel verhindern, dass man eine Aktentasche oder einen Koffer im Mietwagen vergisst.

Das System könne neben Objektbewegungen auch gesundheitliche Parameter erfassen und überprüfen. Dazu zählten unter anderem Puls, Atemrate, Körpertemperatur. Erkennt das System auf Basis dieser Daten einen Notfall beim Fahrer, könne es das Fahrzeug mithilfe eines sogenannten Minimum Risk Manövers sicher zum Stehen bringen. „Mit der Erfassung verschiedenster Vitaldaten durch Cabin Sensing machen wir das Auto in Zukunft zur Smart Watch der Passagiere“, resümiert Naujack.

Continental macht autonomes Fahren sicherer

Die Innenraumsensorik sei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum autonomen Fahren. Es werde wohl weiterhin Verkehrssituationen geben, bei der die Aufgabe zu fahren vom automatisierten System an den Fahrer zurückgeht. Dabei sei vor allem diese Übergabe entscheidend. Sie müsse sicher funktionieren. Hierbei kommen Innenraumkameras ins Spiel, die gepaart mit Sensorinformationen und Software ermitteln, ob ein Fahrer in der Situation in der Lage ist, das Fahrzeug wieder manuell zu kontrollieren.

„Automatisiertes Fahren ermöglicht dem Fahrer, verschiedene Dinge in seinem Auto zu tun, ohne sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen. Das System muss also erkennen können, ob der Fahrer in ein Buch versunken ist oder sogar schläft, damit das Zurückgeben der Fahraufgabe erfolgreich und sicher abläuft“, sagt der Produktmanager. Mit Blick auf zum Beispiel sogenannte Robo-Taxis sei es beim autonomen Fahren wichtig, dass diese jederzeit wissen, wie es ihren Passagieren gehe. Auch dafür sei Cabin Sensing eine geeignete Technologie.

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Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat Geschichte und Kunstgeschichte (M.A.) studiert. Unter anderem hat sie für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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