CO2-neutrale Produktion 23.11.2020, 10:42 Uhr

Audi ist konsequent: Autowerke sollen bis 2025 klimaneutral werden

Audi will seine Autowerke bis 2025 klimaneutral machen. Wie die CO2-neutrale Produktion gelingen soll.

Audi e-tron: Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 24,3 - 21,0 (NEFZ); CO2-Emissionen kombiniert in g/km: 0 Angaben zu den Kraftstoff-/Stromverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs. Foto: AUDI AG

Audi e-tron: Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 24,3 - 21,0 (NEFZ); CO2-Emissionen kombiniert in g/km: 0 Angaben zu den Kraftstoff-/Stromverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs.

Foto: AUDI AG

„CO₂ ist die Währung der Zukunft“: Mit diesem Slogan wirbt Audi auf der Unternehmenswebsite. Die neue Strategie nennt sich „Konsequent Audi“.

Die Audi-Werke Brüssel und Györ in Ungarn produzieren bereits CO2-neutral, doch das reicht dem Autohersteller nicht. Audi will im Stammwerk Ingolstadt, in Neckarsulm und im Werk San José Chiapa in Mexiko nachziehen.

„Bis 2025 sollen alle Audi-Produktionsstandorte bilanziell CO2-neutral produzieren“, teilte die VW-Tochter mit.

Audi plant klimaneutrale Herstellung

Ein Großteil der Emissionen eines Autos fallen beim Fahren an. „Doch mit dem steigenden Anteil an elektrifizierten Autos verschiebt sich das zunehmend in die Herstellungsphase“, sagt Produktionsvorstand Peter Kössler mit Blick auf den hohen CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Batterien.

„Indem wir unsere Produktionsstandorte CO2-neutral stellen und diesen Anspruch konsequent in die Lieferkette tragen, sorgen wir dafür, dass unsere Autos mit einem geringeren CO2-Rucksack beim Kunden ankommen.“

Bis 2025 will Audi die CO2-Emissionen des Autos entlang des gesamten Lebenszyklus im Vergleich zu 2015 um 30 % senken.

Ingolstadt: 70 % klimaneutrale Produktion – Stand heute

In Ingolstadt werde heute zu 70 %, in Neckarsulm und in Mexiko zu 75 % klimaneutral produziert, gibt der Audi- Umweltschutzbeauftragte Rüdiger Recknagel an. Im Werk Brüssel erreichte Audi eine komplett klimaneutrale Produktion mit Solaranlagen, Biogas und Ausgleichszertifikaten. Auf dem Werk in Györ stehe das größte Solardach Europas, es erzeuge jährlich 9,5 Gigawattstunden Strom. Außerdem werde in großem Umfang Erdwärme zum Heizen genutzt, sagte Peter Elias, Umweltbeauftragter des Werks. Aber Geothermie funktioniere nicht in Ingolstadt – dort solle das Ziel mit Holz und einem Biomasse-Kraftwerk erreicht werden.

Wie Geothermie bei der Gewinnung von Lithium helfen kann, hören Sie in dieser Podcast-Folge von „Technik aufs Ohr“. Lithium ist ein zentraler Bestandteil bei der Produktion von Akkus und Batterien.

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Audi identifiziert enormes Einsparpotenzial

In der Lieferkette habe Audi mit den Zulieferern ein Einsparpotenzial von 1,2 Tonnen CO2 je Auto identifiziert, das bis 2025 gehoben werden soll, sagt Einkaufsmanagerin Johanna Klewitz. So müsse bei der Herstellung der Batteriezelle Grünstrom eingesetzt werden. Alle Verschnittreste des für den Leichtbau wichtigen, aber bei der Herstellung sehr energieintensiven Aluminiums würden wiederverwertet.

Audi ist in mehr als 100 Märkten präsent und produziert an 13 Produktionsstandorten in zehn Ländern.

„Wir sind davon überzeugt, dass unsere Lieferanten eine Schlüsselrolle für den Erfolg in Sachen Nachhaltigkeit spielen“, so Johanna Klewitz, AUDI AG, Koordinatorin Strategie Beschaffung, Nachhaltigkeit.

Wie kann Audi das Ziel bei einer komplexen Lieferkette erreichen?

Bei mehr als 100 Märkten und 13 Produktionsstätten liegt eine komplexe Lieferkette vor. Doch Audi stellt Managementsysteme auf den Prüfstand, um die klimaneutrale Produktion zu erreichen. „Wir haben zum Beispiel einen „Hot-Spot-Ansatz“ gewählt, der 16 kritische Rohstoffe betrachtet. Der derzeit relevanteste Hot-Spot betrifft Batteriematerialien, insbesondere Kobalt. In enger Zusammenarbeit mit den Batterielieferanten verfolgen wir eine Strategie bestmöglicher Transparenz – vom Abbau des Rohstoffs bis zur Herstellung des fertigen Produkts“, erklärt Marco Philippi, Leiter Strategie Beschaffung.

Recyclingmethode für automobile Kunststoffe

Audi arbeitet parallel an einem weiteren Pilotprojekt. Eine Recyclingmethode für automobile Kunststoffe soll gemeinsam mit Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickelt werden.

Zahlreiche Bauteile in Autos werden aus Kunststoffen gefertigt. Für sie gelten hohe Anforderungen an Sicherheit, Hitzebeständigkeit und Qualität. Besonders intensiv beanspruchte Kunststoffbauteile in Autos können daher bislang nur aus Materialien auf Erdölbasis hergestellt werden. Diese können meist nicht recycelt werden. Während sortenreine Kunststoffe oft mechanisch recycelt werden können, ist die Wiederverwertung von gemischten Kunststoffabfällen eine große Herausforderung. Audi und das KIT starten deshalb ein Pilotprojekt für chemisches Recycling, um diese Kunststoffmischfraktionen in einen ressourcenschonenden Kreislauf zurückzuführen.

„Wir wollen intelligente Kreisläufe in unseren Lieferketten etablieren und Ressourcen effizient einsetzen“, sagt Marco Philippi, Leiter Beschaffungsstrategie. „Chemisches Recycling birgt hierfür großes Potenzial: Wenn Kunststoffbauteile ohne Qualitätsverlust anstatt aus Erdöl aus Pyrolyseöl hergestellt werden können, wäre es möglich, den Anteil an nachhaltig hergestellten Teilen im Auto signifikant zu erhöhen. Auf lange Sicht kann dieses Verfahren auch im Altfahrzeugrecycling eine Rolle spielen.“

Automobile Kunststoffbauteile werden durch chemisches Recycling zu Pyrolyseöl verarbeitet.<br />Die Qualität dieses Öls entspricht der von Erdölprodukten, daraus hergestellte Materialien sind ebenso hochwertig wie Neuwaren. Foto: AUDI AG

Automobile Kunststoffbauteile werden durch chemisches Recycling zu Pyrolyseöl verarbeitet.
Die Qualität dieses Öls entspricht der von Erdölprodukten, daraus hergestellte Materialien sind ebenso hochwertig wie Neuwaren.

Foto: AUDI AG

Audi A8 nicht vollelektrisch

Im April 2020 hieß es, dass der Audi A8 nicht vollelektrisch produziert werden soll. Lediglich eine bessere PHEV-Version sei möglich. Der Audi A8 verfügt über mehr Sicherheit, mehr Stabilität und mehr Luxus. Trotz ausgeklügelter „Abspeck“-Maßnahmen nahm die Masse der Aluminium-Limousine um 45 Kilogramm zu. Wir berichten hier.

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Ein Beitrag von:

  • dpa

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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