Energiewende

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Die Energiewende ist derzeit aktueller denn je. In der Politik wird über eine Versteuerung von CO2 diskutiert, während bekannt wird, dass der Ausbau von Windkraftanlagen in Deutschland derzeit auf einem neuen Tiefstand ist. Gleichzeitig demonstrieren Schüler und Schülerinnen weltweit für besseren Klimaschutz. Gute Gründe, sich das Thema genauer anzuschauen. Nachfolgend erklären wir kurz die Energiewende und klären, was Ziele und Probleme sind und ob die Energiewende vielleicht gescheitert ist.

Energiewende Definition

Die Energiewende beschreibt einen Wandel in der Energieversorgung von fossilen Energieträgern und Kernenergie zu nachhaltigen und erneuerbaren Energien. Das Ziel dieser Wende ist ein vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050. Grund sind weltweite Anstrengungen dem menschengemachten Klimawandel entgegenzuwirken. Fraglich ist, ob dies nach dem derzeitigen Stand gelingen kann.

Die Geschichte der Energiewende

Um den aktuellen Stand erklären zu können, ist es erforderlich, einen kurzen Blick auf die Anfänge der Energiewende zu werfen. Das Problem der Nutzung endlicher Rohstoffe wird bereits seit einigen Jahrhunderten diskutiert. So wurden Zweifel an der unerschöpflichen Ressource der Kohlevorräte bereits im 16. Jahrhundert laut. Ernsthafte Überlegungen wurden jedoch erst im 19. Jahrhundert weltweit und auch in Deutschland angestellt. Bei der Diskussion möglicher Alternativen wird zu dieser Zeit auch erstmals die Sonnenenergie erwähnt. Die Entdeckung des Treibhauseffektes macht überdies Verbindungen zwischen der Nutzung der Kohle und der Veränderung des Klimas durch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid sichtbar. Wirklich in den Fokus rückt die Umwelt- und Energiekrise allerdings erst in den 70er Jahren.

Der Startschuss für die Energiewende

Weltweit begannen zu dieser Zeit ernsthafte Diskussionen um die Umweltauswirkungen der Nutzung nicht-regenerativer Rohstoffe. Stark gesunkene Rohstoffpreise nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten für einen Anstieg beim Energieverbrauch in Europa und führten 1973 schließlich zur ersten Ölkrise. Die Rechnung, dass der Wohlstand eines Landes durch seinen hohen Energieverbrauch gekennzeichnet wurde, ging nicht mehr auf. Stattdessen begann die Wissenschaft damit, sich eingehend mit dem Energiesystem zu beschäftigen. Weltweit wurden im Rahmen dieser Forschung zahlreiche Konzepte entwickelt, um die zentrale Energieversorgung mit fossilen Brennstoffen abzulösen. Dänemark als Land, welches durch die Ölkrise besonders stark wirtschaftlich beeinflusst wurde, setzte viele der Vorschläge um und verzichtete, anders als viele andere Länder, auf den Bau von Kernkraftwerken. Andere Länder folgen später und planen einen Atomausstieg. In den folgenden Jahren wurden auch die politischen Weichen gestellt, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Der aktuelle Stand der Energiewende

Weltweit arbeiten Industrie- und Schwellenländer daran, die Umweltbelastung zu reduzieren. Während Industrieländer ihr bestehendes Netz um erneuerbare Energien ergänzen, befinden sich die Netze in Schwellenländern, bedingt durch das wirtschaftliche und gesellschaftliche Wachstum im Auf- und Umbau. Am Beispiel China, wo Kohlekraft zu einer großen Umweltkrise führte, lassen sich Bestreben erkennen, erneuerbare Energien im Stromnetz und in der Mobilität zu fördern. In Deutschland wird die Energiewende auf unterschiedlichen Feldern vorangetrieben. Einen Überblick stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zur Verfügung. Im Zentrum stehen einerseits intelligente Stromnetze, die unterschiedliche Energiequellen situationsabhängig steuern, um ein flexibles und dezentrales Netz zu schaffen. Außerdem soll die Energiesanierung von Gebäuden vorangetrieben werden, um den Verbrauch zu reduzieren. Denn Energie soll vor allem effizienter genutzt und produziert werden. Dazu gehört auch der Braunkohle- und Atomausstieg. Allerdings entstehen dabei neben vielen Chancen auch neue Risiken. Beispielsweise in Sachen Kosten.

Chancen und Risiken der Energiewende

Die Chancen der Energiewende sind groß, für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. In der Wirtschaft entstehen vor allem deswegen Möglichkeiten, da Sanierungen anstehen, neue Heizanlagen erforderlich sind und die Elektromobilität in den Mittelpunkt rücken soll. Unternehmen selber können außerdem dadurch profitieren, sich bei der Umstellung als besonders umweltfreundlich und nachhaltig hervorzuheben. Für die Gesellschaft liegen die Vorteile auf langer Sicht unter anderem bei den Stromkosten. Diese steigen zwar durch Auf- und Umrüstung, sinken nachfolgend allerdings durch einen niedrigeren Strombörsenpreis. Bei den Kosten liegen allerdings auch die größten Risiken. Neue Infrastruktur und der Umbau vorhandener Strukturen sorgen für hohe Kosten, die es auszugleichen gilt. Außerdem steht die Frage im Raum, wie der Wegfall von Arbeitsplätzen kompensiert werden kann, wenn Kohle- und Atomkraft auslaufen. Deshalb gibt es aus Bevölkerung und Wirtschaft Kritik.

Kritik an der Energiewende

Die Energiewende in Deutschland sieht sich derzeit mit Kritik aus Wirtschaft und Bevölkerung konfrontiert. Es ist sogar die Rede davon, dass die Wende droht zu scheitern. Das geht zum Großteil auf die Geschwindigkeit zurück, mit Entscheidungen getroffen und Änderungen vorgenommen werden. So gab die wirtschaftsnahe Deutsch Energie-Agentur (Dena) in einer breit gefächerten Kritik zu verstehen, dass die Bundesregierung beim Thema Energiewende bisher zu träge ist. Um bestehende Strukturen besser zu nutzen und die Akzeptanz zu steigern, soll beispielsweise auf einen Technologiemix gesetzt werden. Strom soll dabei auch in andere Formen umgewandelt (beispielsweise für die Herstellung von Wasserstoff) werden. Eine stärkere Elektrifizierung werde hingegen abgelehnt. Der für Um- und Aufrüstungen entstehende Aufwand wäre deutlich zeit- und kostenintensiver (beispielsweise zur energetischen Sanierung). Eine Reduktion der Treibhausgase um 95 % (zwischen 1990 und 2050) hält man im Übrigen nicht für umsetzbar und fordert stattdessen eine Reduktion um nur 80 %. Was jedoch für die Bürger wichtiger ist: Wer profitiert eigentlich von der neuen Energiepolitik? Dazu gab es bei der letzten Umfrage Rückhalt und Kritik.

Bürgerkritik an der Energiewende

Auch aus der Gesellschaft gibt es Kritik an der Energiewende. Das geht aus dem sozialen Nachhaltigkeitsbarometer zur Energiewende aus dem Jahr 2018 hervor. 90 % der Bevölkerungen stünden hinter der Wende, was einer Steigung um 5 Prozentpunkte entspricht. Den Ergebnissen zufolge stehen die Bürger zwar noch größtenteils hinter der Wende, sehen aber auch viele Kritikpunkte. So wird der aktuelle Stand von fast der Hälfte der Befragten als negativ gesehen. Kosten und soziale Gerechtigkeit stehen dabei im Mittelpunkt. In Sachen Politik ist mehr als die Hälfte der Befragten unzufrieden und das liegt vor allem an der Geschwindigkeit bei der Umsetzung. Außerdem steht auch hier die soziale Gerechtigkeit bei mehr als der Hälfte der Befragten in der Kritik.

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